„
Heavy Rain“ ist der Bruder dieser Produktion, obwohl die beiden Titel sich in so vielem unterscheiden. Während Sie nämlich in „
L.A. Noire“ durch genügend Sucheinsatz dank der Hinweise (Musik und Vibration für jene, die einen vibrierenden Dualshock-
Controller besitzen) fast immer alle Indizien finden können und oft auch müssen, ist dies beispielsweise in einem „
Heavy Rain“ egal, und das Spiel geht immer irgendwie weiter, auch wenn einer der vier Hauptcharaktere im Vorgang sterben sollte (bis heute unvergessen, die Keller-Szene!). Sterben ist nicht einfach in „
L.A. Noire“, denn wenn Sie während der Action-Einlagen tatsächlich einmal das Zeitliche segnen sollten (für Geübte sind die Action-Szenen übrigens fast schon zu einfach), probieren Sie es einfach nochmals. Und nochmal. Und noch einmal. Und wenn es Ihnen zu bunt werden sollte, können Sie diese dann auch schon mal überspringen. Der Fokus liegt ganz klar auf den Gesprächen und die damit einhergehende Perfektion, die Team Bondi und Rockstar Games damit verfolgen. Um auch darauf einzugehen: Ja, man kann „
L.A. Noire“ fast schon als besseres „
Mafia II“ sehen, falls das Ihre Frage gewesen wäre. Zweiterer Titel ist zwar actionreicher, lebt aber genauso von seiner Atmosphäre, mit dem Unterschied, dass die Stadt im Vergleich fast schon leblos wirkt. Apropos „
Mafia II“: Das dortige Nahkampfsystem mit Schlagen/Blocken/Kontern wurde schon fast 1:1 in diesen Titel hier kopiert, ein weiterer Beweis dafür, dass „
L.A. Noire“ auch für Gelegenheitsspieler gemacht wurde. Schreit hier der beinharte
Core-Gamer auf? Nein, denn für ihn gibt es ja die gelungene Story. Aber klar, es ist nicht alles Gold, was glänzt, und dafür gibt es ja (leider) den Punkt...
Grafik und Sound
Wo viel Licht ist, ist meist viel Schatten, und im Falle dieses Spiels trifft eine ganze Menge Licht auf einen winzigen dunklen Fleck. Im Vorfeld wurde die Mimik der Charaktere derart hoch gelobt, dass man als Tester schon fast verleitet ist, genau dort einen Kritikpunkt auszumachen. Umso erschütternder ist es dann, festzustellen, dass es in diesem Hinblick keinen gibt. Jeder Charakter spricht anders, reagiert anders, blickt anders, atmet anders, kratzt sich anders, um es kurz zu machen: Sie können, wenn Sie gute Menschenkenntnis besitzen, viele Dinge in „
L.A. Noire“ vorausahnen. Da hilft das Argument „das ist doch nur ein Spiel!?“ gar nichts: Dieses Spiel stellt nichts Geringeres als einen Meilenstein dar, doch auch dieser muss mit den kleinen Dingen des Lebens kämpfen. Die Texturen sind wohl die Problematik des Jahres 2011, denn genauso wie in „
Brink“, „
Deus Ex: Human Revolution“ und dergleichen sitzt auch hier der Teufel im Details. Gleich vorweg: Die Titel, die hier zum Vergleich herangezogen wurden, sehen teils wesentlich schlimmer aus, und wenn Sie „
Brink“ einmal auf der Xbox 360 gesehen haben sollten, ist es mit diesem Spiel hier gar nicht mehr zu vergleichen. Wirklich schrecklich sieht „
L.A. Noire“ niemals aus, doch wenn Sie einmal in der Verhörsituation waren, den Charakter einer Lüge bezichtigt und schlussendlich auch überführt haben sowie mit einer coolen Sequenz belohnt worden sind, reichen danach die (zugegebenermaßen recht guten) Texturen auf der Straße und auf den Wänden einfach nicht mehr aus. Das ist wohl die Natur des Menschen: Wenn eine Eigenschaft - in diesem Sinne wohl die Mimik der Charaktere - derart stark gezeichnet wurde, beginnt man automatisch, auch andere Teile des Games daran zu messen, und da muss einfach etwas verlieren. Seien es die Mikroruckler, die teils auftreten, oder eben die im Vergleich ein bisschen matschigen Texturen: So etwas fällt dann störend auf. Und so etwas nennt man den Halo-Effekt (nein, nicht das Spiel).