Ubisoft hat uns zum 3DS-Launch eine 3D-Portierung von „Tom Clancy`s Splinter Cell: Chaos Theory” von 2005 beschert. Zwar wurde der Mehrspieler-Modus entfernt, allerdings bekommen Sie neue Ausrüstungen und Waffen zur Verfügung. Ob mich das sogenannte „One-Touch Schleich-Action Gameplay” als Schleich- Neuling wirklich überzeugen konnte, erfahren Sie in diesem Test.
Story
Auch wenn das “Tom Clancy`s Splinter Cell: Chaos Theory” von 2005 stammt, ist die Geschichte um keinen Tag gealtert. Das amerikanische Kriegsschiff USS Clarence E Walsh wurde durch eine nordkoreanische Rakete versenkt. Sie schlüpfen in die Rolle des Agenten Sam Fisher, um herauszufinden, wer tatsächlich für den Angriff verantwortlich ist. Während Sie sich in verschiedenen Ländern zu Missionen begeben, droht die Lage in Asien zu eskalieren, wodurch der Dritte Weltkrieg entstehen würde. Die Story wird in sehr schönen Zwischensequenzen dargestellt und in Dialogen weitergeführt. Als „Splinter Cell“-Anfänger wurde ich zwar mehr oder weniger ins kalte Wasser geschmissen, da mir ja die Beziehungen zwischen den Charakteren bisher nicht bekannt waren, dennoch wirkte die Geschichte sehr cineastisch. Auch wenn mir die Story etwas zu typisch amerikanisch erschien, so fand ich zumindest das Grundgerüst der Geschichte sehr gut ausgewählt. Vor einem Jahr sank schließlich ein südkoreanisches Kriegsschiff im Grenzgebiet zu Nordkorea. Vielleicht war es dieser Vorfall, der Ubisoft dazu veranlasste, gerade diesen „Splinter Cell“-Titel neu zu veröffentlichen? Hier haben wir einen Trailer für Sie!
Doch was verbirgt sich nun hinter dem „One-Touch Schleich-Action Gameplay”? Wie Sie sich sicher denken können, spielt „Tom Clancy`s Splinter Cell 3D“ überwiegend in der Dunkelheit. Als Agent Sam Fisher muss man im Verborgenen agieren, um nicht ins Kreuzfeuer zu geraten. Hierfür sind vor allem die Tarn- und Geräuschanzeige nützlich. Diese zeigen an, wie laut Sie sich fortbewegen und wie gut getarnt Sie dabei sind. Zu den Tätigkeiten eines Agenten gehört aber nicht nur das bloße Herumschleichen und Verhören verschiedener Personen, sondern auch das Knacken von Schlössern und das Hacken von Computern. Beim Schloss knacken werden Sie das Schiebepad des 3DS immer solange in eine Richtung bewegen müssen, bis der Dietrich sich weiter bewegt. Das mag sich spannend anhören, ist es aber nicht wirklich, da zufällige Bewegungen völlig ausreichen. Viel besser hat mir das Hacken gefallen. Bei diesem Mini-Spiel wird auf dem unteren Bildschirm ein unvollständiger Würfel angezeigt und auf dem oberen Bildschirm einige Teile, von dem jedoch nur eins den Würfel vervollständigt. Mit der L- und R- Taste können Sie zwischen den Schlüsseln hin und her scrollen, haben aber nur einen bestimmten Zeitraum, um die richtige Lösung zu finden. Entscheiden Sie sich für ein falsches Teil oder lassen Sie sich zu lange Zeit, wird in der Regel ein Alarm ausgelöst.
Neben den Schleichen und Knobeln wird es vorkommen, dass Sie bestimmte Personen ausschalten müssen. Die meiste Zeit ist es Ihnen überlassen, ob Sie die Feinde töten oder nur bewusstlos machen wollen. Das können Sie entweder mittels Nahkampf angriffen oder mittels Ihrer Ausrüstung. Prinzipiell finde ich es gut, dass hier eine gewisse Entscheidungsfreiheit gegeben ist, allerdings möchte ich nicht verschweigen, dass das Töten im Nahkampf via Schultertaste recht viel Lärm macht und andere Gegner in der Nähe in Alarmbereitschaft versetzen könnte. Interessanter Weise macht das Bewusstlosschlagen oft auch viel Lärm, allerdings geht die Geräuschanzeige dabei nicht rauf und andere Charaktere in der Nähe reagieren darauf nicht. Hier hätte ich es logischer gefunden, wenn die Charaktere beim Bewusstlosschlagen tatsächlich keine Geräusche von sich geben würden.
Grafik und Sound
Die Grafik ist überwiegend sehr schön anzusehen. Vor allem die Zwischensequenzen konnten grafisch überzeugen. Sehr gut hat es mir auch gefallen, wie Anweisungen in die Umgebung eingebaut wurden. Jedoch sind einige Schatten recht verpixelt und die Texturen der Charaktere lassen einiges zu wünschen übrig, wenn man sie sich näher anguckt. Auch wirkte die Umgebung auf mich ziemlich Detail arm. So verschlägt es Sam Fisher in einer Mission in ein Penthouse, in dem sich keine einzige Blumenvase oder Bücher befindet. Was man vorfindet, sind stets leere Schranksysteme. Das hat mich vor allem gestört, als ich eine nordkoreanische Basis infiltrierte. Auf dem gesamten Gelände habe ich nur ein einziges Bild von einem nordkoreanischen General entdeckt. Mir ist durchaus bewusst, dass es in keiner Militärbasis so aussieht wie auf einer Parade, allerdings hätte ich gerne hier und da eine Flagge oder weitere Portraits gesehen. Diese Detailarmut mag vor 6 Jahren noch ok gewesen sein, aber ein paar Details mehr hätten dem Spiel gut getan – auch wenn es sich überwiegend in der Dunkelheit abspielt. Der 3D-Effekt gab ein besseres Gefühl für Entfernungen und kam entsprechend gut rüber. Leider reichte schon eine minimale Bewegung des 3DS, um doppelt zu sehen und somit den Effekt zu zerstören. Allerdings trifft dieses Manko so gut wie jedes Spiel, also sollten Sie dies nur als Info sehen.
Der Sound konnte mich die meiste Zeit über mehr überzeugen. So liehen einige bekannte deutschsprachige Synchronsprecher Sam Fisher und Co. ihre Stimmen. Leider kam es aber doch ab und an vor, dass die Sprachausgabe etwas ruckelte. So gut die Synchronisation auch ist, es störte mich schon, dass in einer Mission so ziemlich jeder Feind im Verhör die selbe Stimme offenbarte, somit waren sie nicht nur grafische Klone. Eine musikalische Untermalung ist während der Missionen nur selten vorhanden. Das ist auch nachvollziehbar, da man ja schließlich auch auf Schrittgeräusche und Dialoge von Personen hören muss. Die verschiedenen Geräusche in der Umgebung hörten sich ziemlich realistisch an. Sobald die Aufmerksamkeit eines Feindes erregt wird, wird entsprechend hektische Musik abgespielt, die von Mission zu Mission variiert. Leider fand ich nur wenige Stücke davon passend und hätte mir lieber ein ziemlich lautes Herzklopfen oder Ähnliches gewünscht.
Steuerung
Mit dem Schiebepad bewegt man den Protagonisten, mit den Tasten A, B, X und Y bewegt man die Kamera. Mittels Touchscreen können die verschiedenen Waffen, der Electronically Enhanced Vision Scanner, die Fusion-Brille und die Minikarte aufgerufen werden. Das ist allerdings noch nicht alles, denn mittels Touchscreen kann man auch Pfeifen, um Feinde anzulocken, das Waffen-Untermenü aufrufen, um z. B. Nebelgranaten auszuwählen. Außerdem kann man sich via Touchscreen zurück zu einer zuvor angebrachten Haftkamera begeben und das Kontextmenü nutzen. Das ist notwendig, wenn z.B. ein Computer in der Umgebung benutzt werden kann oder wenn man einen Charakter überwältigen möchte. Mit den beiden Schultertasten kann man z.B. bei gezogener Waffe schießen. Prinzipiell spielt sich das Game so, als ob man einen Controller in den Händen hält. Dadurch, dass der Touchscreen allerdings voll belegt ist, fallen manche Aktionen etwas schwierig aus. So ist mir z.B. recht schwer ergangen, wenn ich mich an einen Feind schlich und ihn überwältigen wollte. Dies tut man, wie bereits beschrieben, via Kontextmenü auf dem Touchscreen, allerdings ist dies klein ausgefallen, weswegen man wirklich Fingerspitzengefühl braucht, um rechtzeitig den Befehl zu aktivieren. Ich wurde dabei nicht nur einmal vom Feind entdeckt. Und hier kommt auch schon der nächste hakelige Punkt: wird man doch mal überraschenderweise in ein Gefecht verwickelt, so ist es ziemlich langwierig, die richtige Waffe zu ziehen und das Visier mittels A, B, X und Y Taste auf die empfindlichen Stellen des Gegners zu richten. Hier hätte ich mir eine elegantere Lösung gewünscht.
Bei der Benutzung des optischen Kabels, mit dem man durch einen Türschlitz schauen kann, wird die Bewegungssteuerung des 3DS benutzt, um in verschiedene Winkel sehen zu können. Das funktionierte mal gut, mal schlecht. Die Steuerung hat einige Eingewöhnungszeit gekostet. Dafür verlief sie dann aber doch relativ intuitiv. Trotzdem versuchte ich Gefechte immer zu umgehen, um nicht getötet und somit den langen Ladezeiten ausgesetzt zu werden. Da aber reichlich Speicherpunkte vorhanden waren, konnte ich immerhin nicht weit entfernt einen neuen Versuch wagen.
Die Atmosphäre ist recht packend und es wirkte teilweise so, als ob man einen Agentenfilm spielen würde. Zwischen den Missionen gibt es immer wieder realistisch dargestellte Nachrichten. Doch auch in den Missionen ist die Atmosphäre gut geraten, auch wenn die Dialoge zwischen Sam und seinen Vorgesetzten leider nicht so schön dargestellt sind, wie die Dialoge in der „Metal Gear Solid“-Reihe.
Zusammenfassung
Für mich war es das erste reine Stealth-Spiel und abgesehen von meinen genannten Kritikpunkten muss ich auch sagen, dass es mir recht gut gefallen hat. Leider kann ich keinen guten Vergleich zu einer vorigen Version von „Tom Clancy`s Splinter Cell: Chaos Theory“ ziehen, finde es aber schon schade, dass der Multiplayer entfernt wurde. Auch der Umfang von 10 Missionen erscheint mir gering – auch wenn diese im Schwierigkeitsgrad „Normal“ je etwas über eine Stunde dauern. Wer auf Schleich-Spiele steht und meine Cons in Kauf nimmt, kann zuschlagen. Wer mit dem Genre jedoch noch nicht so vertraut ist, sollte das Spiel erst mal antesten und schauen, ob er mit der Steuerung klar kommt.
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