P3, wie es in Fankreisen gern genannt wird, kam 2008 für die PS2 heraus und wurde dann auch ins PSN transferiert. Nun haben wir uns die PSP-Version von „Shin Megami Tensei Persona 3 Portable“ geschnappt und dürfen Ihnen nun nach einiger Spielzeit diesen Bericht präsentieren. Lesen Sie unser Review!
Story
Sie spielen wahlweise einen Studenten, dessen Geschlecht und Namen Sie bestimmen dürfen. Sie kommen nach einer langen Zugfahrt endlich an Ihrem Bestimmungsort - einem Heim für Schüler - an, doch was ist das? Alles fühlt sich wie ein Traum an, und überall stehen Särge aufrecht herum. Die neblige Landschaft sorgt für Schauer auf dem Rücken des Helden. Darüber hinaus ist im Wohnheim auch niemand anzutreffen, und ein seltsamer Junge lässt Sie einen äußerst dubiosen Vertrag unterzeichnen. „Was du auch tust, du musst die Verantwortung dafür übernehmen.“ Gilt das jetzt für die Studentenbude, oder ist das etwa ein schlechter Scherz? Wenig später tauchen zwei Mädchen auf, die Ihren Charakter zur Rede stellen, warum er hier herumschleicht. Ein langsamer Einstieg in die Story, die mit jeder Spielstunde immer mehr an Fahrt aufnimmt: Stück für Stück werden Sie in die Gegebenheiten von „Shin Megami Tensei Persona 3 Portable“ einbezogen, und nachdem Sie die Shadows (furchterregende Monster in allen Formen) kennengelernt haben, finden Sie auch schon etwas über die Dark Hour heraus. Diese Stunde existiert nämlich nach Mitternacht, somit ist klar widerlegt, dass ein Tag nur 24 Stunden haben soll. In dieser werden alle Menschen in Särge gesteckt, und jene, die sich außerhalb des Sarges befinden, werden von den Shadows gejagt. Was allerdings der unterzeichnete Vertrag beim Einstieg des Spiels mit all dem zu tun hat und wieso Sie sich gegen diese Shadow-Kreaturen wenden, werden wir nicht bis ins letzte Detail verraten. Stattdessen bekommen Sie hier einen Trailer!
Im Prinzip folgen Sie einer Geschichte rund um Ihren Hauptcharakter, und gemeinsam mit Yukari Takeba (ein relativ beliebtes Mädchen), Junpei Iori (Klassenclown und Freund des Protagonisten), Akihiko Sanada (ein selbstbewusster Kämpfer) sowie Mitsuru Kijiro (eine Art Schulsprecherin) bestreiten Sie den normalen Schulalltag. Untertags sind Sie ein ganz normaler Schüler und geben wie in „Surviving High School“ für iOS Antworten und tun oder unterlassen bestimmte Aktionen. Des Nachts jedoch ändert sich einiges in der Welt von „Shin Megami Tensei Persona 3 Portable“, und darum lässt sich eines nicht vermeiden: Schon bald treten Sie dem SEES-Trupp (Specialized Extracurricular Execution Squad) bei. Wie das Ganze funktioniert? Nun, mittels einem speziellen Gerät namens Evoker können diese auserwählten Mitglieder ein Persona beschwören, das im Prinzip eine körperliche Erweiterung des eigenen Geists darstellt - am besten zu vergleichen mit den G.F. aus „Final Fantasy VIII“ oder den Bestia aus „Final Fantasy X“. Daher ist es auch die Hochstufung der eigenen Personas relativ logisch: Mit der Fortdauer des Spiels ändern sich die eigenen Prioritäten und sozialen Verbindungen zu anderen, und darauf stützend können Ihre Personas stärker oder schwächer werden. Das Kampfsystem selbst ist einfach und unkompliziert, lässt Ihnen aber immer mehr taktische Möglichkeiten. Auch im normalen Modus (also am Tag) müssen Sie nach einer gewissen Spielzeit Ihren Tag selbst planen, mit wem Sie was genau unternehmen wollen und mit wem Sie Ihren sozialen Kontakt steigern möchten. Denn jeder Mitschüler steht in einer Verbindung mit einem Persona, und je besser Sie sich mit einem Charakter verstehen, umso stärker ist dann die Persona im Kampf. Ihr Hauptcharakter hat nämlich die einzigartige Fähigkeit, mehr als nur eine Persona benutzen zu können, und daher ist es immens wichtig, wie der Protagonist gesehen wird.
Aber Vorsicht! Die anderen Schüler sind normale Jugendliche und wissen nichts von der Dark Hour, den Personas und den Gefahren in Gestalt der Shadows, also müssen Sie auch immer ein Auge darauf haben, wer gerade vor Ort ist und wer nicht. Darüber hinaus gilt es aber auch im Turm selbst, ganz wie in einem „Breath of Fire V“ oder „Final Fantasy XIII“ den Gegnern auszuweichen und möglichst aus dem Hinterhalt anzugreifen, damit Sie im Kampf dann den entscheidenden Vorteil haben. Rundenbasiert läuft dann der Kampf ab, und hier geht es ums Ganze: Jedes Monster hat eine gewisse Elementarschwäche, und diese gilt es schamlos auszunutzen. Sie können sozusagen jeden Feind mit einem einzigen Angriff von den Füßen holen, und wenn alle benommen daliegen, dürfen Sie einen Finisher setzen, bei dem alle Charaktere wie wild attackieren. Wenn Sie gewonnen haben, bekommen Sie eine Menge Erfahrungspunkte, aber auch Ihre Personas und Mitstreiter werden sukzessive stärker. Kurzum gilt aber für „Shin Megami Tensei Persona 3 Portable“, dass, je länger Sie spielen, das Spielerlebnis um so intensiver wird. Zwar ist dies anfangs schwer zu glauben, aber es ist tatsächlich so: Die Spieltiefe des Titels offenbart sich Ihnen Stück für Stück. Genau so wie...
Grafik und Sound
Hier gibt es Licht und Schatten, denn die Optik des Titels ist innerhalb der ersten Stunde so gut wie perfekt. Zwischensequenzen en masse, viele Artwork-mäßige Dialoge, coole Bilder werden eingeblendet und die Animationen zwischen all dem laufen immer flüssig ab. Allerdings werden Sie im Kampf etwas enttäuscht, denn die grafische Darbietung im Kampfbildschirm ist zwar nicht schlecht, aber dennoch kann es einfach mit den hochwertigen Standbildern im sonstigen Spiel nicht mithalten. Ein „Suikoden“, „Star Ocean The Second Story“ oder „Grandia“ sahen da schon besser aus, aber das tut dem Spielspaß keinen Abbruch.
Akustisch ist so gut wie alles vertont, und die Sprecher machen ganze Arbeit. Die Gefühlslage und Stimmhöhe ist immer perfekt miteinander kombiniert, die Effekte unterstützen den Gesamteindruck noch, und auch, wenn das Spiel nicht ganz an eine packende Soundkulisse wie etwa das „Alice: Madness Returns“ heranreicht, gefällt es durchwegs und stört niemals. In anderen Spielen kommt es ja vor, dass man genervt zum Regler greift und den Ton abdreht, in „Shin Megami Tensei Persona 3 Portable“ ist dies jedoch niemals der Fall.
Steuerung
Da Sie niemals Zeitdruck haben, ist auch steuerungstechnisch kein Problem festzustellen. In den rundenbasierten Kämpfen haben Sie die Möglichkeit, alles doppelt und dreifach querzuchecken, Schwächen werden Ihnen klar präsentiert, wenn Sie eine erwischt haben, und auch im normalen Spiel fahren Sie gemütlich mit einem Cursor über Hotspots. Alles kann sich so schnell spielen lassen, wie Sie das möchten, aber wegen der extrem fesselnden Geschichte seien Sie gewarnt: „Shin Megami Tensei Persona 3 Portable“ ist nichts für zwischendurch. Spätestens ab der vierten Stunde sind Sie entweder im Fieber oder aber gar nicht mehr von der PSP loszureißen...
Atmosphäre
Da das Spiel viel mit Standbildern und ausgefüllten Bildschirmdialogen arbeitet, wurde bewusst viel auf den visuellen Part der Geschichte verzichtet und stattdessen eher mit Geräuschen gezaubert. Sollten Sie mit Kopfhörern spielen, ist das Erlebnis noch vielfältiger als ohne, das verdient wahrlich Respekt. Selten hat ein Textadventure mit Bildunterstützung (es ist fast nichts Anderes) so viel Stimmung erzeugen können, und obwohl es „nur“ ein aufgewärmtes Modell aus dem Jahre 2008 ist, bin ich gespannt, was in der guten, alten PSP noch so steckt...
Der erste Gedanke beim Spielen war: Ein chaotischer Mischmasch aus sämtlichen Genres, die Atlus in Reichweite hatte. Der zweite Gedanke war: Na, langsam geht die Geschichte los. Den dritten Gedanken kann ich Ihnen nicht mehr genau erläutern, weil ich eigentlich schon die ganze Zeit während des Schreibens auf die PSP schiele. Fakt ist, dass „Shin Megami Tensei Persona 3 Portable“ bewusst mit wenigen Stilmitteln arbeitet, aber damit eine immens große Sogwirkung erzeugt. Einige Animationen sind vielleicht fragwürdig, doch wer den japanischen Stil liebt, kann sich auch damit anfreunden. Ein RPG-Mix der Sonderklasse, allerdings hat es für den ganz großen Durchbruch nicht gereicht. Das liegt einerseits am westlichen Geschmack, der im Westen nun mal so herrscht, und andererseits an einigen wenigen optischen Fouls, welche die Entwickler begangen haben...
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