Good old Fatalities, eine neue Fighting-Engine und beinharte Charaktere. „Mortal Kombat“ ist zurück und sieht schöner aus denn je. Wir haben uns den Titel mit Geschichte genauer angesehen und wollen Ihnen von Scorpion, Raiden und Freunden berichten. Lesen Sie unser Review!
Entwickler Nether Realm (ehemals Midway, das heißt, die selben Jungs wie immer) hat beim neunten „Mortal Kombat“ wieder viel Wert auf den Input der Fans gelegt und (fast) alle Bedenken zum Thema Rating über Bord geworfen. „Mortal Kombat“ ist wieder ein Spiel für Erwachsene geworden, das mit jeder Menge Gore- und Splatter-Elementen aufwarten kann. Es fühlt sich wieder richtig gut an und kann sich den den obersten Platz auf meiner persönlichen Beat 'em Up-Liste zurück erobern. Der Reiz des Spiels liegt meiner Meinung nach weniger an den Splattereffekten als an den Figuren. „Mortal Kombat“ hat diesen bestimmten Charme US-amerikanischer Pulp-Magazine. Was wörtlich übersetzt soviel wie Müll bedeutet, bezeichnet im Fachjargon ein Genre, das Wert auf einfache und teils abstruse Geschichten und Charaktere legt. Am ehesten lässt es sich mit dem B-Movie-Charme der Quentin Tarantino-Filme vergleichen. Schmutzige Optik, viel Splatter (teils schon Gore-Elemente) und definitiv nichts für Kinder. Der Reiz des Ekelhaften zeichnet unsere Faszination für diese Art Spiel und Film aus. Wenn ein Körper in zwei Hälften zerrissen wird, hat das nichts mehr mit dem Spiel selbst zu tun. Beschreiben lässt sich dieses Gefühl nur sehr schwer, am ehesten verständlich wird es, wenn Sie sich die Körperwelten-Ausstellung des deutschen Arztes Gunther von Hagens vorstellen, die plastinierte Körper ohne Haut zeigt. Warum wollen wir das sehen? Passend dazu gibt es in MK den X-Ray-Move. Wird dieser eingesetzt, wird eine Schlagkombination in Slow-Motion gezeigt, bei der, wie bei Röntgenaufnahmen, das Innere des Körpers beim Brechen zu sehen ist.
Bevor ich Ihnen die Features des Spiels erkläre, genießen Sie das kleine aber feine Filmchen:
Zwei Neuerungen sorgen für einen sehr umfangreichen Single-Player, der Story-Modus und der Challenge-Tower. Das heißt aber nicht, dass Sie auf den klassischen Arcade-Modus verzichten müssen, dieser gehört immer noch zum Spiel. Im Arcade-Modus kann zu Beginn ein Schwierigkeitsgrad gewählt werden, die Kämpfe nehmen aber sukzessive an Härte zu. Der Übergang ist dabei fließender als bei einem „Street Fighter“, bei dem der dritte Gegner immer sehr hart ist. Hier ein paar kurze Facts zu den neuen Modi.
Das neue „Mortal Kombat“ kümmert sich sehr gut um die Single-Player. Zusätzlich zu rund sechs bis acht Stunden reiner Spielzeit, je nachdem, wie gut Sie sind, gibt es zwei Stunden Cinematic Content, in dem die Story des Spiels geschildert wird. Die Kämpfe sind nahtlos in diese Sequenzen integriert. Im Zentrum steht wieder der Donnergott Raiden, der das Schicksal der Welt noch einmal umdrehen möchte. An die Ereignisse aus „Mortal Kombat: Armageddon“ anknüpfend, sieht es für die Erde nicht gut aus. Das Spiel beginnt dem Tod von Raiden, er stirbt durch die Hand Shao Kahns. Kurz vor dem Ende sendet der Donnergott eine mentale Botschaft an sein Ich in der Vergangenheit, damit er den Lauf der Dinge verändern kann. So durchleben Sie noch einmal die Story der ersten drei „Mortal Kombat“-Spiele und erleben womöglich einen neue Version der Geschichte.
Challenge Tower
Der Challenge Tower wird durchschnittlich gute Spieler rund acht bis zehn Stunden in Anspruch nehmen, warten darin doch stolze 300(!) Challenges darauf, gelöst zu werden. Nicht jede davon wird ein Kampf sein, der Klassiker „Test your Sight“ erlebt ein Revival und auch die Materialschlacht „Test your Might“ ist unter dem Namen „Test your Strike“ wieder mit dabei. Bei diesen Challenges geht es darum, Ihre Augen und Fingerfertigkeit auf die Probe zu stellen. „Test your Sight“ ist eine Art Such-den-Würfel-unter-dem-Hütchen, nur dass die Hütchen Skelettschädel sein können! Bei „Test your Strike“ müssen verschiedene Materialien karatemäßig zerschlagen werden, wer es nicht schafft, bekommt eine Axt ins Gesicht. Die witzigste Neuheit ist „Test your Luck“. Eine Slot-Maschine entscheidet darüber, mit welchem Handicap Sie kämpfen müssen. Ohne Hände, ohne Kopf oder mit verkehrter Schwerkraft, viel Glück dabei. Diese drei Varianten lockern das Spiel sehr auf, die Kampfchallenges bleiben der eigentliche Kern des Modus. Je weiter es im Turm nach oben geht, desto schwerer wird es. Die Entwickler haben manche Stages nur eingebaut, um die Spieler auf die Probe zu stellen und herauszufinden, wer es wie schnell beim ersten Mal schafft und ob das überhaupt gelingt. Sollte sich eine Challenge mal nicht ausgehen, sprich zu schwer sein, können Sie sich den Weg auch freikaufen. Im Spiel sammeln Sie Coins, ähnlich wie in früheren „Mortal Kombat“-Spielen. Damit darf ein bisschen geschummelt werden.
MK sieht grandios aus. Die Animationen der Charaktere sehen nicht nur flüssig aus, sie unterscheiden sich auch voneinander. Wie mir die Entwickler in einem Interview verrieten, wurden für das Motion-Capturing extra verschiedene Schauspieler eingesetzt, damit Spieler eine Variation erkennen können. Die Animationen sind aber nicht alles, was glänzt. Die Schauplätze wirken sehr plastisch, auch wenn Sie nur noch in 2D kämpfen, heißt das nicht, dass der Hintergrund platt und fade ist. Die Texturen sind insgesamt sehr scharf, ein Merkmal ist dabei unverkennbar, die rote Farbe. Das Blut wirkt entsprechend dem Setting etwas unecht, strömt in rauen Mengen und bleibt am Boden und an den Figuren kleben. Der Boden ist meist so überschwemmt, dass nach jeder Runde eine Putzfrau von Nöten wäre. Einziges Manko ist der Hintergrund. Es ist zwar viel los, in manchen Arenen fahren sogar brennende Autos an Ihnen vorbei oder die Wellen plätschern um die Füße, etwas detaillierter hätte es aber sein können.
Steuerung
Am auffälligsten ist hier natürlich die Rückkehr zum 2D-Modus. In „Mortal Kombat“ gibt es keine dreidimensionale Schauplätze mehr, das heißt, Sie können Schlägen und Tritten nicht seitwärts ausweichen. Bewegungsrichtungen sind also wieder ganz Beat 'Em Up-klassisch, Sie dürfen sich nach links, rechts und oben bewegen. Gepaart mit der neuen Fighting-Engine macht das die Kämpfe wieder schneller und intensiver, da weniger Raum zur Verfügung steht und sich Spieler nicht ständig wegdrehen können. Die Steuerung bietet für jeden etwas. Wer Wert auf echtes Kämpfen legt, kann sich selbst alle Moves beibringen und über eine Liste die entsprechenden Kombinationen nachschlagen. Sie müssen Kombinationen aus Richtungsbefehlen und Schlägen bzw. Tritten ausführen, damit der Charakter kräftig zulangt. Jeder Charakter wird zudem mehrere Fatalitys können, einer davon wird von Beginn an zu sehen sein, die anderen müssen Sie sich erste erspielen. Gesperrt sind die Moves deshalb nicht, wenn Sie zufällig die richtige Kombination schaffen, kann es zum Fatalaty kommen. Gut, wer sich merkt, was seine Finger am Controller anstellen.
Das Wichtigste für einen Multiplayer ist das Balancing. Keiner der Charaktere darf zu stark sein, jeder Spieler muss mit jedem Charakter eine Chance auf den Sieg haben. Klar, nicht jeder kann mit allen Charakteren gleich gut spielen, die Chance muss aber zumindest gegeben sein. Im Prinzip spielt sich der Multiplayer von „Mortal Kombat“ wie am Automaten. In einer Art 'King of the Hill' treffen sich Spieler online und tragen Kämpfe aus. Der Sieger bleibt im Spiel und nimmt es mit dem nächsten Herausforderer auf. Die anderen in der Lobby dürfen dabei zu sehen. In der X360-Version ist das besonders nett, da am unteren Bildschirm die Xbox-Avatare stehen und anfeuern. Auch offline dürfen bis zu vier Spieler antreten, wie andere Beat 'em Ups bietet „Mortal Kombat“ einen Tag-Team Modus.
Atmosphäre
Zwei Dinge sind wichtig, wenn Sie „Mortal Kombat“ spielen und dabei Spaß haben wollen. Erstens, Sie müssen Beat 'em Ups mögen und zweitens dürfen Sie kein Weichei sein. Blut in rauen Mengen, beinharte X-Ray-Moves, die das Innere des Körpers preisgeben und böse Fatalities zaubern ein Bild auf den TV, das beste Splatterfilme nicht besser hinbekommen würden. Wer es lieber nett und halbwegs jugendfrei haben möchte, muss zu anderen Spielen, zum Beispiel „Street Fighter“ und dergleichen greifen. „Mortal Kombat“ entwickelt aber gleich von Beginn an eine düstere Atmosphäre und die über zwei Stunden Videomaterial, die den Story-Modus aufpeppen, sind spannend inszeniert. Ansonsten profitiert das Spiel vor allem von seinem Ruf. Jeder, der mit „Mortal Kombat“ einmal in Berührung gekommen ist, hat eine Meinung zum Spiel, und deshalb werden Fans begeistert sein und Gegner eben nicht.
“Mortal Kombat“ ist ein würdiger neunter Teil, dafür sorgen vor allem die Neuerungen im Single-Player. Am grundlegenden Prinzip hat sich nicht viel geändert. Es kommt noch immer auf gezielte Kombos und passend eingesetzte Special-Moves an.Wer einfach nur schnell jemanden verprügeln möchte, kommt aber auch auf seine Kosten. Einem Beat 'em up ist nicht mehr viel hinzuzufügen, die Entwickler haben sich angenehmerweise aufs Wesentliche konzentriert.
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