Taktik und Teamwork sind die beiden Schlüsselelemente in „SOCOM: Special Forces“. Ein sechsköpfiges Team aus Spezialisten muss dafür sorgen, dass eine Revolution in Südostasien nicht auf die ganze Welt übergreift. Wie? Lesen Sie unser Review!
„Special Forces“ ist der mittlerweile siebente Teil der „SOCOM“-Reihe und führt Spieler nach Südostasien, um dort gegen Revolutionäre anzukämpfen. An der Straße von Malakka kommt es vermehrt zu Piraterie, weshalb eine Friedenstruppe der NATO entsandt wird. Die Straße von Malakka liegt zwischen Malaysia und Indonesien und gehört zu einer der wichtigsten Seestraßen für die Weltwirtschaft. Dementsprechend gute Beute kann hier gemacht werden. Der Friedenseinsatz der NATO wird zunehmend gefährlicher, ein Grund, warum Sie in diese Region geschickt werden. Schon bald stellt sich heraus, dass die Schiffe gekapert wurden, um einen Aufstand zu finanzieren. Ein Mann namens Razad führt die Nager, so der Name der Rebellen, an. Nager bedeutet so viel wie 'Rache' und das das gewonnene Geld wird dazu genutzt, um Bauern und Rebellen mit Waffen auszustatten. Es droht die Gefahr, dass sich der Aufstand auf ganz Südostasien auswirkt, die Zeit ist also reif für ein ordentliches Team:
Bei der Einsatzbesprechung am Beginn des Spiels sieht alles nach einer ganz normalen Mission aus. Herausfinden, wie stark die Nager sind und welche Ziele sie verfolgen. Bereits fünf Minuten (oder in der Spielwelt sechs Stunden) später hat sich die Situation geändert. Die Stadt, in der das Hauptquartier der NATO-Truppen ist, wird von einer großen Zahl Rebellen angegriffen, sogar Panzer sind mit dabei. Mit dem hat der NATO-Truppenchef nicht gerechnet, der Fehler kostet ihm das Leben. Als Commander haben Sie nun Befehlsgewalt und entscheiden, wo es lang geht. Nur leider gibt es nicht mehr viele, die Sie kommandieren könnten. Bis auf Ihre Person sind nur zwei Soldaten übrig. Als viertes Teammitglied haben Sie Oracle, eine MI6-Agentin, die auf einem havariertem Flugzeugträger vor der Stadt ausharrt und Sie mit Luftschlägen, so gut es geht, unterstützt. Das ist sehr praktisch, vor allem, wenn Ihnen Panzer den Weg versperren. In den nächsten Missionen müssen Sie nicht nur Razad finden, sondern auch eine Revolution verhindern. Zu viert gestaltet sich das natürlich sehr schwierig, weshalb Ihr Team bereits in Mission Zwei, 'Rendezvous', zwei weitere Mitglieder bekommt. Die zwei neuen Kameraden und heißen Chung und Forty-Five und sind Aufklärungsspezialisten. Als einzige Überlebende der 45. Division der 707. des koreanischen Militärs bleibt ihnen keine andere Wahl, als mitzukommen. Damit ist das Team komplett und die beiden Männer fürs Grobe, Beck und Kessler, bekommen Hilfe.
Forty-Five wird im Verlauf des Spiels eine größere Rolle spielen. Vier der insgesamt vierzehn Missionen sind sogenannte Covert Missions, in denen Sie nicht mit dem ganzen Trupp unterwegs sind, sondern in der Rolle von Forty-Five kleinere Stealth-Aufträge erfüllen. Dass schafft Abwechslung beim taktischen Spielprinzip. Sie steuern nicht den Commander und befehligen die beiden, in blaues und Gold-Team zusammengefassten Kameraden, sondern sind nur als Forty-Five unterwegs. Per Funk gibt der Commander, also die Figur, die Sie normalerweise steuern, Tipps. Als Aufklärer besitzen Sie andere Waffen und Fähigkeiten. Die MP5 (im Spiel KP5) trägt, genau wie das Scharfschützengewehr, einen Schalldämpfer, statt Granaten hat Forty-Five Patronenhülsen, um Gegner abzulenken, und verfügt über ein Stealth-Meter, das angibt, wie sichtbar Sie für Feinde sind. Mission Drei, 'White Tiger', ist die erste Covert-Mission und setzt auf Forty-Fives Fähigkeiten. Sie müssen einen Hafen der Nager infiltrieren, um dort die Wasserlassung einer gekappertern Fregatte zu sabotieren. Auffallend ist, dass Sie nicht zwingend schleichen müssen. Wer gerne ballert, kann auch mit Forty-Five diesen Weg wählen und versuchen, alle Soldaten auszuschalten. Vor allem in den höheren Schwierigkeitsgraden, ist das aber kaum mehr möglich, schleichen zahlt sich aus!
Grafisch kann mich „SOCOM: Special Forces“ nicht ganz überzeugen. Die Animationen der Figuren und auch deren Details gehen absolut in Ordnung, vor allem die Explosionen könnten aber schöner sein. Ich wage einmal zu behaupten, dass liegt an der Möglichkeit, „SOCOM“ auch in 3D zu spielen, vermutlich mussten da ein paar Details reduziert werden. Details der Umwelt, wie Blätter im Dschungel, wurden nämlich sehr gut umgesetzt, das sieht dann in 3D gleich doppelt beeindruckend aus. Auf Einladung von Sony konnten wir mehrere Missionen von „SOCOM“ in 3D spielen, und mit einer 3D-Brille sieht das Spiel tatsächlich einen Tick besser aus. Rauch wirkt natürlicher und die Blätter streifen sanft über die Körper der Soldaten.
Akustisch gibt es keinen Grund zum Meckern, die Waffensounds klingen je nach Typ unterschiedlich und die Granaten machen ordentlich Wumms. Am besten gefällt mir die Sprachausgabe. Die Rebellen sind die ganze Zeit am Quatschen, sei es, weil sie ihren Vorgesetzten fragen, ob sie aufs Klo gehen dürfen, oder dass sie die Motive von Razad hinterfragen. Der eigene Trupp hat auch ständig etwas zu erzählen, was den Commander, also Sie, schon einmal dazu motiviert, ein Machtwort zu sprechen.
Steuerung
Drei mögliche Steuerungsvarianten stehen für „SOCOM: Special Forces“ zur Auswahl. Diese unterscheiden sich nicht durch die Tastenbelegung am Controller, sondern gänzlich. Entweder Sie spielen traditionell mit dem Dual-Stick-Controller, verwenden das neue PlayStation Move oder gleich den Sharpshooter-Controller. Letzterer wurde gemeinsam mit Zipper Interactive entwickelt und hat deshalb ein paar Besonderheiten. So gibt es einen Feuermodus-Schalter, mit dem Sie zwischen Einzelfeuer, Salve und Dauerfeuer wechseln dürfen, unabhängig von der gewählten Waffe. An die Move-Variante müssen Sie sich allerdings gewöhnen. Circa nach einer halben Stunde sollte es dann halbwegs klappen, einzig mit dem Sharpshooter konnte ich mich nicht anfreunden. Da Stick zum Bewegen und Feuerknopf in das Gewehr eingebaut sind, ist mein Koordinationsgefühl überfordert. Ganz allgemein gibt es keine Besonderheiten gegenüber anderen 3rd Person-Shootern. Einzig das D-Pad hat hier eine andere Funktion, damit erteilen Sie ihrem Team Befehle wie Wegmarkierungen und Zielpersonen.
Ein sehr wichtiger Punkt, wenn nicht sogar der wichtigste, ist bei „SOCOM“ natürlich der Multiplayer. Es gibt einen kompetitiven Mehrspieler, indem bis zu 32 Spieler in vier Modi gegeneinander antreten dürfen. Drei davon sind für geübte „SOCOM“-Spieler neu, einen dürften Sie kennen.
Suppression: Die SOCOM-Variante von Team-Deathmatch
Uplink: Feindliche Daten stehlen und in die eigene Basis bringen
Last Defense: Kontrollpunkte erobern, danach feindliche Basis entdecken und zerstören
Bomb Squad: Den eigenen Bombenspezialisten verteidigen, während er feindliche Sprengladungen entschärft
Daneben gibt es den Fünf Spieler-Koop-Modus. Darin treten Sie gemeinsam mit vier anderen Spieler in zwei Modi gegen die KI an. In Takedown muss ein feindlicher General zur Strecke gebracht werden, und in Espionage müssen Sie Informationen zum Feind beschaffen. Bevor eine Partie los geht, darf festgelegt werden, wie viele Gegner Ihnen im Weg stehen und wie schwer es sein soll. Beide Regler auf 'Schwer' gestellt, müssen Sie sehr gut mit Ihren Freunden zusammenarbeiten, Gegner flankieren und sich aufteilen, ansonsten hat Ihr Trupp keine Chance.
Als Spezialeinheit sind Sie nie alleine unterwegs. Anders als bei Shootern wie „Bad Company 2“ zum Beispiel, haben Sie hier direkten Einfluss auf ihre Mitstreiter. Das Befehligen des Teams macht am meisten Spaß. Im Dschungel müssen Sie zum Beispiel einmal ein kleines Dorf infiltrieren und dort die Flugabwehr ausschalten. Zunächst nehmen Sie eine Patrouille aus dem Hinterhalt aufs Korn, bevor Sie über eine Anhöhe ins Dorf weiter rücken. Aus erhöhter Position wird ein Plan zurechtgelegt. Team Blau, das Stärkere, wird durch die Mitte ins Dorf rennen, während sich Team Gold rechts heranschleicht und dem Feind in den Rücken fällt. Ich sehe mir das Ganze aus sicherer Entfernung an und erledige feindliche Überbleibsel. Danach rücken wir weiter. Team Gold klettert auf einen kleinen Turm, der direkt vor dem Flakgeschütz steht, unbemerkt. Ich bleibe wieder zurück und schieße aus der Ferne, während Team Blau direkt auf die Flak stürmt. Das ganze Feuer konzentriert sich auf die beiden Männer, während wir anderen aus der Deckung feuern können. Soldat Beck geht dabei leider zu Boden, eine aufmunternde Spritze bringt ihn wieder zurück. Bei solchen Aktionen müssen Sie nur aufpassen, dass kein Teammitglied stirbt. Liegt eines am Boden, läuft ein zweiter Gesundheitsbalken ab und zeigt dieser auf Null, ist die Mission gescheitert.
Chef eines Teams zu sein, hat so seine Vorteile. Haarige Aufgaben einfach outsourcen, und Ihnen kann nichts passieren. So ähnlich läuft die Sache in „SOCOM“. Ohne die fleißigen Mitstreiter haben Sie auf den höheren Schwierigkeitsgraden kaum eine Chance, taktisches Vorgehen ist unerlässlich. Genau das ist die Stärke von „Special Forces“, und diese kann über kleinere Schwächen bei der Grafik hinwegtrösten. Das Missionsdesign ist nicht oscarreif, dank der Covert-Missions mit Forty-Five aber zumindest abwechslungsreich. Ziehe ich nun den Multiplayer noch mit in Betracht, haben wir einen würdigen siebenten Teil der „SOCOM“-Reihe.
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