Eine Helmkamera, jede Menge schnelle Flitzer und volle Rennatmosphäre, diese drei Punkte beschreiben das neue „Shift“ mit dem Namenszusatz „Unleashed“ am besten. Was das Spiel sonst noch zu bieten hat, lesen Sie in unserem Review!
„Shift 2“ ist EAs Antwort auf die PlayStation-exklusive „Gran Turismo“-Serie. Dabei bietet das Spiel nahezu alle Feinheiten, die auch der neueste Ableger der Japaner „GT 5“ vorweist. Jede Menge schnelle Autos in verschiedenen Klassen – klar, ganz so viele wie in „GT 5“ sind es nicht – ein realistisches Fahrgefühl, verschiedene Strecken rund um den Globus und einen fordernden Karriere-Modus. Um sich von der Simulations-Konkurrenz abzuheben, setzt EA auf sein Autolog-System, das Sie bereits aus anderen „Need for Speed“-Spielen wie „Hot Pursuit“ kennen. Ihre Leistungen bleiben kein gut gehütetes Geheimnis, jeder Ihrer Freunde weiß über Rundenzeiten und Streckenrekorde Bescheid. Was ist förderlicher für die Motivation als ein Freund, der gerade Ihre schwer erkämpfte Rundenzeit unterbietet? Zurück auf die Strecke mit Ihnen! Was Sie dort alles erwartet, nach dem Trailer:
Um Asphalt zu spüren, haben Sie in „Shift 2“ mehrere Möglichkeiten. Bevor es soweit ist, muss mit einer Karriere begonnen werden. Das hat den Zweck, Sie ein Tutorial spielen zu lassen. Sobald das erste Rennen erledigt ist, stehen alle anderen Menü-Punkte ebenfalls zur Auswahl. Aber mit dem Menü wollen wir uns hier nicht lange beschäftigen, schließlich geht es ums Rennen fahren. Der Karriere-Modus dient im Prinzip nur dazu, den Rennen in irgendeine Ordnung zu bringen und Sie langsam an die PS-Monster der GT1-Weltmeisterschaft heranzuführen. Durch die Etappen führt der Formula-D Champion von 2010 Vaughn Gittin Jr., der nicht nur Tipps für perfekte Fahrweise gibt, sondern in Videos neue Rennklassen und Fahrtechniken erklärt. Hier lernen Sie nicht nur fürs Spiel, mit diesen Tipps lassen sich auch echte Fahrzeuge mit Hochgeschwindigkeit um Kurven lenken. Das ist jetzt aber nur als Notiz am Rande zu verstehen, nachmachen bitte nur auf echten Rennstrecken, nicht auf der Landstraße von der Arbeit nach Hause.
Sie beginnen die Karriere in der Einsteigerklasse Modern D, dazu zählen Fahrzeuge wie der Audi TT oder der Renault Megane Sport. Nach der Tutorial-Runde zu Beginn – mit einem Nissan Skyline GTR - , muss man sich erst einmal wieder an die gemütlichere Fahrweise gewöhnen. In verschiedenen Renntypen kämpfen Sie sich nun schön langsam an die Spitze, verdienen Geld und Erfahrungspunkte (XP). Das Geld brauchen Sie, um den eigenen Fuhrpark mit Upgrades zu bestücken. Im Normalzustand wird die Leistung Ihres Fahrzeuges nämlich schnell nicht mehr genügen, um aufs Treppchen zu fahren. In den Kategorien Motor, Antrieb, Aufladung, Fahrwerk, Bremsen, Reifen, Karosserie und Nitro können neue und bessere Teile angebracht werden. Ein Balken zeigt, wie nah das Fahrzeug an einem Werksumbau dran ist. Bei 75 Prozent ist dieser möglich, dann hat das Fahrzeug wirklich Power. Die zweite Möglichkeit schnellere Autos zu bekommen, ist sie einfach zu kaufen. Beim Autohändler stehen alle Klassen und Marken zur Auswahl. Modern A bis Modern D, Alfa Romeo bis VW. Ein schmucker Lamborghini Murcielago kann schon mit 1.250.000 Dollar zu Buche schlagen, Sie sollten zuvor vielleicht ein paar Rennen gewinnen. Nicht immer müssen Sie allerdings so tief in die Tasche greifen. Hin und wieder werden Sie zu Rennen eingeladen, die mit einem neuen Fahrzeug als Preisgeld auf Sie warten.
Neben einfachen Rennen, die meist über 2-5 Runden gehen, gibt es auch andere Varianten. Sehr spannend und zugleich praktisch ist Hotlap. Mit einem geliehenen Auto, beim ersten Mal ein Porsche 911 GT3, haben Sie drei Runden lang die Möglichkeit, die vorgegebene Rundenzeit zu unterbieten. Gold, Silber und Bronze sind möglich. Mit diesen Hotlaps haben Sie außerdem die Möglichkeit, neue und schnellere Fahrzeuge vor dem Kauf zu testen. Das ist auch gut so, denn Sie werden nicht mit jedem zurecht kommen. In real gefällt mir zum Beispiel ein Aston Martin sehr gut, klar, dass ich im Spiel einen haben will. Leider komme ich mit dem Teil einfach nicht zu Rande. Ob es am Kurvenverhalten oder dem Cockpit liegt, kann ich nicht sagen, vielleicht ist es auch der Klang, das Auto liegt mir einfach nicht. Bei einer anderen Testfahrt saß ich im Alfa 8C Competizione, und der Italiener ist ein Gustostück. Sie werden feststellen, jedes Fahrzeug hat seine Tücken und wie in Wirklichkeit, liegt Ihnen das Auto oder nicht.
Der größte Pluspunkt an „Shift 2“ ist das Autolog. Ich spare mir einen eigenen Multiplayerteil und schildere Ihnen den Community-Faktor gleich hier. Neben den obligatorischen Mehrspieler-Rennen, in denen die KI durch echte Spieler ersetzt wird, ist es vor allem das Autolog, dass die Motivation für neue Runden sehr hoch hält. All Ihre Rennerfahrungen werden festgehalten und mit Freunden verglichen. Hat einer Ihrer Kumpel die Strecke schon abgefahren, sehen Sie vor und während des Rennens seine Zeit und wer will schon der langsamste sein. Per Select-Taste kann das Autolog aufgerufen werden. Neben den Zeiten Ihrer Freunde werden in einer Tabelle den Bestleistungen in Ihrer Region und die weltbeste Zeit festgehalten. So wissen Sie jederzeit darüber Bescheid, wer auf der jeweiligen Strecke wirklich der Schnellste ist und wie gut Sie im Vergleich sind. Das kann ganz schön frustrierend sein, wenn man zehn Sekunden hinter her henkt. Weiters dürfen Sie via Autolog Empfehlungen und Einladungen an Freunde verschicken und bekommen automatisch eine Nachricht, wenn einer Ihrer Freunde gerade einen neuen Rekord aufgestellt und eine Ihrer Zeiten geschlagen hat. Ansonsten gilt anschnallen und gemeinsam fahren. Auch wenn die KI gute Arbeit leistet, Sie abdrängt und von der Straße schiebt, erst gegen menschliche Gegner kommt volle Freude auf. Zumal das Geschrei via Headset genüsslich ist, wenn sich gerade wieder einer überschlagen hat.
Grafisch spielt „Shift 2“ in der ersten Liga mit. Die Fahrzeuge sind sehr detailliert, nehmen Schaden und überschlagen sich sehr elegant. Aufgrund der ganzen bekannten Marken war es aber klar, dass zumindest die Fahrzeuge grandios sein werden. Mit den Strecken sieht die Sache ein wenig anders aus. Abseits der Curbs fahren wir nur durch großflächige Texturen in verschieden Grautönen und die wenigen Fahnenschwenkenden Zuschauer sind kaum der Rede wert. Zum Glück müssen Sie sich beim Fahren mehr auf die Strecke als auf das Drumherum konzentrieren und bekommen davon nur wenig mit. Kleiner Lichtblick sind Pylonen und Reifenstapel, die nach einem Aufprall schon mal auf der Strecke herumliegen. Soundtechnisch hätte ich mir ein paar mehr Facetten bei Motorengeräuschen und Auspuffgeheul erwartet. Das ist Kritik auf hohem Niveau, doch fehlt irgendwie dieser Wow-Effekt. Der Soundtrack ist mir ebenfalls ein wenig zu fade. Die Neuinterpretation alter Lieder von Bands wie „Rise Against“, „Stone Temple Pilots“ oder „30 Second to Mars“ sind zwar ganz nett und passen zum Spiel, hauen mich aber nicht vom Sockel.
Steuerung
Kommen wir zur Steuerung. Die einzig richtige Variante „Need for Shift 2 Unleashed“ zu spielen, ist mit der neuen Helmkamera. Nichts für ungut, auch in der Von-hinten-Ansicht fahren sich McLaren und Co nicht schlecht, aber erst beim Blick aus dem Helm kommt wirklich Freude auf. Im Gegensatz zur normalen Cockpit-Ansicht vermittelt diese noch genauer den Blick eines Rennfahrers. Das zeigt sich bei Zusammenstößen und generell beim Fahren am wackelnden Bildschirm. Besonderes Feature dabei: Fahren Sie in eine Kurve, neigt sich das Blickfeld entsprechend der Lenkrichtung mit. Wie echte Fahrer, die den Kopf in Richtung Kurveninnenseite lehnen, um so ein besseres Gefühl für die Kurvengeschwindigkeit haben und Fliehkräften entgegenzuwirken. Außerdem wirkt sich in dieser Ansicht auch die Geschwindigkeit auf ihr Sichtfeld aus. Ab circa 220 km/h beginnt der Bildschirm, kleiner zu werden, Instrumente, Rück- und Seitenspiegel sind nur mehr verschwommen zu erkennen. Mit dem Controller funktioniert das Spiel ganz gut, auch wenn die Trigger links und rechts beim leichten Gasgeben und Bremsen etwas an Feingefühl vermissen lassen. Besonders problematisch ist das beim Driften. In „Shift 2“ gibt es auch Drift-Bewerbe, und Feingefühl ist hier das Wichtigste. Ich hatte mit dem Controller keine Chance (das kann natürlich auch an meinen Fähigkeiten liegen, der Controller hat aber sicher mit Schuld). Mit Lenkrad und Pedalen kann es aber ganz anders aussehen!
Auf der Rennstrecke ist die Hölle los. Mit Helmkamera, einen schnellen Fahrzeug und fünfzehn anderen Mitstreitern wird es wirklich gut. Ein Rennen fand auf der berühmten Nordschleife statt. Wenn Sie mit 250 Sachen auf einer schmalen Strecke durch den Wald heizen, dabei rechts überholt werden, der Bursche aber den Bremspunkt der nächsten Kurve verpasst und sich gut ein Dutzend Mal überschlägt, werden Sie sich einfach nur freuen. Nicht, weil der arme Kerl einen Unfall gebaut hat, sondern weil alles so schnell ging und dabei so gut aussieht. „Shift 2“ schafft den Spagat zwischen Rennsimulation und Einsteigerfreundlichkeit. Sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene werden auf ihre Kosten kommen. Sehr fein sind die ganzen Fahrhilfen, die zu- und abgeschaltet werden können. Bremsassistent, pfuh, wer braucht denn so etwas? Jeder, der zu Beginn respektable Rundenzeiten schaffen will, ich also! Das Schadensmodell ist zwar nicht grandios, aber zumindest vorhanden. Zudem gibt es auch hier einen On-Off-Knopf. Schaden kann sich entweder wirklich oder nur optisch bemerkbar machen.
Alles was ein Rennspiel braucht. Schnelle Autos, coole Strecken, tolle Grafik und eine geile Helmkamera. „Shift 2“ hat mich wirklich überrascht und kann mich auch für viele Stunden vor den Bildschirm locken. EA bringt genau die richtige Mischung aus Arcade und Simulation, um eine breite Spielerschicht anzusprechen. Hardcore-Spieler zu beiden Seiten werden aber nicht vollends zufrieden sein.
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