Alexander der Große war gestern? Nicht in „Hegemony Gold: Vorherrschaft im antiken Griechenland“, denn hier übernehmen Sie die Rolle von Philip von Makedonien. Ihr Auftrag ist es, Makedonien zu vereinen, Griechenland zu unterwerfen und Vorstöße nach Persien zu wagen, um Alexander dem Großen ein Sprungbrett für seinen unvergesslichen Eroberungsfeldzug zu hinterlassen. Ob dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt ist oder nicht, lesen Sie im folgenden Review.
Hartumkämpfes Genre
Der Markt für solche taktischen Strategiespiele ist hart umkämpft, wie auch die Burgen und Länder in der damaligen Zeit. Vor kurzem erschien beispielsweise der neueste Ableger der bekannten „Total War“-Spielreihe, die ebenfalls diesem Genre zuzuordnen ist. Als wäre „Total War: Shogun 2“ noch nicht genug, wartet beispielsweise mit „History: Great Battles Medieval“ ein weiterer Konkurrent. Hier ein kurzer Trailer zum Spiel:
Das Spiel serviert den Hardcore-Strategiespielfreunden, die auf viel Taktik Wert legen, eine ordentliche Anzahl an Möglichkeiten. Neben einem mehr als fairen Umfang (3 Kampagnen) beinhaltet der Titel die essentiellen Basisfeatures: Gebäude errichten und abreißen, Einheiten ausbilden, Einheiten gefangen nehmen, Objekte erobern, Einheiten bauen, Einheiten und Objekte angreifen, taktische Anweisungen geben und vieles mehr. Da bleibt sprichwörtlich kein Auge trocken. Bei all diesen Basisfeatures wurden allerdings auf einige wichtige Spielelemente vergessen. So gibt es nur rudimentäre Wirtschaftsfeatures, ein überladenes Interface sowie kein Einsteigertutorial, das Neulinge behutsam an die tiefgreifenden Möglichkeiten des Titels heranführt.
Schade. Gerade ein einsteigerfreundliches Tutorial hätte dem Titel wirklich gut getan. Für Hardcore-Strategiespielfans mag das alles kein großes Problem sein, doch für Neulinge, die zum ersten Mal so eine Art von Spiel ausprobieren, könnte der Spielspaß recht schnell vorbei sein. Ich hätte mir ein ähnlich ausführliches Tutorial (Erklärung der Kameraführung), wie in der ersten Minute, gewünscht.
Sie starten mit der Beorderung von Philip aus den sicheren Stadtmauern. Etwas außerhalb der Stadtmauern finden Sie ein paar berittene Kämpfer, die gleich mitgenommen werden. Mit diesem überschaubaren Heer werden die ersten Kämpfe in Angriff genommen und zu Beginn sieht es so aus, als wäre das Ganze überhaupt kein Problem. Die Gegnerarmee ist in wenigen Sekunden erledigt und ein paar Sklaven wurden auch gleich eingesackt. Die Sklaven können Sie beispielsweise als eigene Arbeitskräfte verwenden. Dies ist besonders praktisch und vor allem auch notwendig, um möglichst schnell zu expandieren.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Expansion stellt das Verbinden von Städten, Markt- und Hafenknoten. So können Sie immer den Nachschub gewährleisten und auf einer soliden Basis aufbauen. Dies ist auch notwendig, denn die Gegner gewähren Ihnen so gut wie keine Pausen. Ständig fallen benachbarte Gegner in Ihre Länder ein. Es reicht also nur in den wenigsten Fällen, ein riesiges Heer zu unterhalten. Hier ist es besser, mindestens zwei bis drei kleinere, aber trotzdem schlagkräftige Armeen zu befehligen, um schnell auf die Angriffe der Gegner reagieren zu können.
Alles in allem ist das Gameplay ganz unterhaltsam, weil die Gegner, wie gesagt, den Spieler auf Trab halten. Die taktischen Überlegungen sind im Vordergrund, aber auch ungeübtere Taktikfüchse brauchen besonders am Beginn keine große Angst zu haben. Zwar hätte ich mir ein umfangreicheres Tutorial gewünscht, doch scheinen auch die Gegner kein solches Tutorial gesehen zu haben, denn diese werden erst mit fortschreitendem Spielverlauf lästiger und schwerer zu besiegen.
Grafik und Sound
Grafisch ist der Titel im Vergleich zu den Genregrößen wie beispielsweise die „Total War“-Spielreihe weit entfernt. Die Landstriche wirken sehr leer und die Kampfanimationen sind alles andere als atemberaubend. Es wirkt so, als hätte man in die Grafik nur das Nötigste investiert. Man erkennt die wichtigen Gebäude und auch die Einheiten können unterschieden werden, doch in der heutigen Zeit könnte die Grafik doch etwas schöner sein. Cool finde ich allerdings die stufenlose Zoommöglichkeit aus der 3D-Spielwelt hin zu einer 2D-Strategiekarte. Das Manko dabei ist nur, dass das Spiel ohne dem Drücken der Pausieren-Taste weiterläuft. Soundtechnisch überzeugt der Titel vor allem dank der vertonten Videos und den authentischen Kampfgeräuschen.
Die Steuerung bietet für die Genrefans keine großen Überraschungen. Sie können die Formationen bearbeiten, Einheiten gruppieren und vieles mehr. Normalerweise wird der Standardbefehl ausgeführt. Durch das längere Drücken der Aktionstaste öffnet sich ein Radialmenü, in dem weitere Optionen ausgewählt werden können. Auch die Kamerasteuerung funktioniert ganz gut, doch die Steuerung im Kampf könnte etwas präziser sein. Gut, dass es für solche Notfälle die Pausieren-Taste gibt.
Einen Mehrspielermodus gibt es leider nicht, dabei hätte sich dieser Titel meiner Meinung nach sehr gut dafür angeboten. Ich denke da an eine Art Geplänkel für LAN-Partys oder ähnliches.
Atmosphäre
Die Atmosphäre hätte mit etwas mehr Liebe zum Detail weiter gepusht werden können, so hat man eine Story mit historischen Hintergrund in einer teils ziemlich leblosen Welt.
Der große Vorteil des Titels ist meiner Meinung nach der große Umfang mit 3 Kampagnen und einer Vielzahl an Möglichkeiten. Die Grafik ist nicht zeitgemäß und einige meiner Meinung nach essentielle Features fehlen. Schade hätte das Setting in der Zeit von Philip von Makedonien soviel Potenzial geborgen. Einen Mehrspielermodus sucht man auch vergebens. Einzig die lästigen Gegner, die den Spieler andauernd fordern, sorgen für etwas Tiefgang und Langzeitmotivation.
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