Mit “Total War: Shogun 2“ stürzen Sie sich wieder mitten in das feudale Japan, und versuchen mit Ihrem Clan die Herrschaft zu übernehmen. Wie es sich als Clanführer spielt, lesen Sie am Besten in unserem Review.
Story
Die „Total War“-Reihe vom britischen Spieleentwickler Creative Assembly kombiniert auf Echtzeit basierende Schlachten mit einer auf einer Landkarte durchgeführten globalen Strategie. Gestartet wurde diese Reihe im Juni 2000 mit dem Release von „Total War: Shogun“. Hier wurde dieses Prinzip das erste Mal durchgeführt, wobei es das Ziel des Spielers war, die Vorherrschaft in Japan zu erringen. Danach verschlug es die Spieler mit „Medieval: Total War“ in das Mittelalter. Der dritte Ableger „Rome: Total War“ führte uns in die Zeit des römischen Imperiums, und danach gab es mit „Medieval II: Total War“ ein Wiedersehen mit dem Mittelalter. „Empire: Total War“ und „Napoleon: Total War“ folgten. Und nun erleben wir mit „Total War: Shogun 2" den derzeitigen Höhepunkt der „Total War“-Serie. Soviel zum Hintergrund der gesamten Reihe, und nun widmen wir uns dem zweiten Teil des, sich in Japan abspielenden, „Total War: Shogun 2“. Dazu gibt es jetzt einmal einen Trailer.
Haben Sie "Total War: Shogun 2" standesgemäß in einer Verpackung mit DVD erstanden, die sogenannte Retail-Version, dann freuen Sie sich auf die Installation. Bei einem Kauf über die Plattform Steam, wird das Spiel sowieso direkt über das Internet heruntergeladen, dass dies aber auch bei der Retail-Version der Fall ist, ist ein wenig irritierend. Bei der Suche im World Wide Web nach einer Lösung des Installationsproblems, stößt man natürlich immer wieder auf Einträge, bei denen die User keine Probleme haben, die Installation über die DVDs, und nicht via Steam, laufen zu lassen. Da es aber auch genau so viele Leidtragende, der automatischen Einmischfunktion von Steam gibt, kann man sich auf der offiziellen Webseite von Steam unter Games/Installation Issues/Installing from Disc instead of Steam eine Anleitung durchlesen, wie die Installation auch ohne Steam funktioniert.
Gameplay
Im Handbuch werden Sie mit den martialischen Worten: "Willkommen im mittelalterlichen Japan in der Ära des "Sengoku Jidai", der "Zeit der streitenden Reiche", in der sich die großen Kriegsfürsten mit ihren Samuraiheeren ohne Unterlass bekriegen." begrüßt. Und das ist auch genau der Plot von "Total War: Shogun 2". Verschiedenste Clans, neun an der Zahl, eifern um die Herrschaft über Japan. Jeder reißt sich um das Amt des Shogun, dem uneingeschränkten Machthaber über das Land und das Militär. Und so reihen auch Sie sich unter die Mitstreiter und dürfen sich für das Kampagnenspiel einen der neun Clans aussuchen. Diese sind auf Grund ihrer Lage verschieden einfach oder schwierig zu spielen. Selbstverständlich ist es selbstredend, dass Sie mit einem Clan, der sich an der Küste befindet, leichter starten können, als mit einem, der sich in der Mitte Japans befindet, und von vielen Gegnern umzingelt ist. Wenn Sie sich also für einen Clan entschieden haben, können Sie mit den ersten Aktionen beginnen. Im Stile der "Total War"-Reihe gibt es auch hier wieder, die globale Ansicht, bei der Sie Ihr Reich als geographische Karte sehen, inklusive Ihren Festungen, Stallungen, Hafenanlagen und den ganzen anderen Gebäuden, die Ihnen zu Verfügung stehen. In dieser Ansicht können Sie Ihre Straßen, Reisfelder und die anderen Besitztümer ausbauen, und effizienter werden lassen. Aber nicht nur das, auch der Ausbau der Schlossstadt, dem Zentrum jeder Provinz, bringt viele wertvolle Vorteile mit sich. Mit einer ausgebauten Schlossstadt wird auch die Stadt selber größer, und ermöglicht somit auch das Errichten zusätzlicher Gebäude. Des Weiteren haben Sie in der Schlossstadt die Möglichkeit neue, besser ausgebildete Krieger zu rekrutieren, in dem Sie einfach verschiedene Trainingszentren, wie das Bogen-Dojo, bauen. Das kostet aber alles Geld, welches Sie zu Beginn nicht gerade in Hülle und Fülle besitzen, vor allem, weil nicht nur die Gebäude ausgebaut werden wollen, sondern auch ein schlagkräftiges Heer zusammengestellt und bezahlt werden will. Um sich für den Mix aus Krieg und Wirtschaft diverse wirtschaftliche und militärische Vorteile anzueignen, benötigen Sie den bekannten Technologiebaum, der bei "Total War: Shogun 2" Künste heißt.
Mit Hilfe dieser Künste können Sie Fähigkeiten erlernen, die Ihrer Armee unter anderem mehr Angriffs- und auch Verteidigungswerte bringt. Neben Kampffähigkeiten, die unter dem Begriff "Bushido" zusammengefasst werden, gibt es auch noch die "Kunst des Chi". Die ermöglicht es Ihnen, auf günstige und effektive Wirtschaftsfaktoren zurückzugreifen. Denn neben dem Erstellen und vor allem Ernähren der Armee, sollte auch das nörgelnde Volk befriedigt, die Steuern angepasst, genügend Rohstoffe produziert und Handel getrieben werden. Am besten funktioniert dies über den Diplomatie-Knopf. Setzen Sie sich mit einem Clan-Daimyo, dem Anführer eines Clans, zusammen und unterbreiten Sie ihm ein Angebot, das er nicht abschlagen kann. Hier reicht die Palette von Frieden schließen, der Bitte um militärischen Zugang, über das Angebot, dass sich der Gegenspieler doch freundlicherweise als Vasall unterwerfen möge, bis hin zu einem Geiselaustauch und einer arrangierten Hochzeit zwischen den beiden Clans. Letzteres funktioniert nur, wenn Sie eine Tochter Ihr Eigen nennen dürfen, und vorletzteres nur, wenn Sie eine Geisel besitzen. Apropos Tochter. Über den familieninternen Stammbaum, können Sie sich ein Bild von der Familie machen. Dies ist wichtig, um zu sehen, ob sich wohl noch genügend männliche Nachfahren in Ihrem Stammbaum befinden, oder ob es nicht doch geschickter wäre, den letzten testosterongebeutelten Nachwuchs, im Hintergrund zu halten, oder eben alle seine Töchter an Generäle anderer Clans zu versprechen. Das könnte nicht nur die Zukunft, sondern auch ein Abkommen mit einem anderen Clan sichern. Zumindest solange, bis der, über die Zeit hart verdiente, Ehrenwert einen gewissen Wert übersteigt. Dann war es das mit der Freundschaft, und jeder wendet sich gegen Sie. Ab da wird es noch einmal extrem anspruchsvoll, und Sie müssen sich gegen Alles und Jeden verteidigen, immerhin kann man Sie nicht einfach so nach Kyoto spazieren lassen, um sich das Shogunat zu krallen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, und neben dem Management des Clans auf der großen Landkarte, gibt es natürlich auch die Kämpfe am Schlachtfeld, bei denen Sie Ihre Samurai kommandieren. Wenn Sie auf der Kampagnenkarte mit Ihrer Armee, dargestellt durch einen Krieger mit der Clanfahne, auf eine andere Armee stoßen, oder auf eine feindliche Festung, dann wird es Zeit in den Krieg zu ziehen. Dabei haben Sie die Möglichkeit, eine Festung oder eine Armee automatisch anzugreifen, was so viel bedeutet wie, der Computer bestimmt den Ausgang der Schlacht. Dies ist nur ratsam, wenn Sie unbedingt Zeit sparen wollen, und eine viel größere Armee aufbieten können, als Ihr Gegner. Obwohl das in diesem "Total War"-Ableger auch nicht immer sein muss. Zum Beispiel habe ich eine Schlacht gewonnen, in der ich mit meinen 700 Soldaten 1000 gegnerischen Samurais entgegentrat. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich auch weitaus bessere Soldaten in den eigenen Reihen als der Gegner, und so siegte Qualität über Quantität.
Es ist aber trotzdem sehr zu empfehlen, die Schlachten selbst zu schlagen, da bei der automatisch generierten Schlacht, auch wenn Sie gewinnen, unnötig viele Krieger ihr Leben verlieren. Außerdem bedarf es, um eine Festung zu stürmen, einer gut ausgetüftelten Taktik, die man besser nicht dem Computer überlässt. Denn in "Total War: Shogun 2" machen Sie sich das Gelände und auch die Wälder zum Nutzen, um sich an den Gegner anzuschleichen, und sich mit erhöht platzierten Bogenschützen einen Vorteil zu schaffen. Währenddessen Sie mit der Zangentaktik, die Infanterie und Kavallerie von beiden Seiten angreifen lassen. Zusätzlich steht Ihnen vor dem Kampf eine sehr wertvolle Gestalt zur Seite: Der Ninja! Mit Hilfe dieser Spezialfigur können Sie über die Kampagnenkarte Festungen oder auch Armeen sabotieren. Ninjas schleichen sich in der Nacht in die Festungen und können die Tore für die eigenen Leute öffnen, und Ihnen somit ein schnelles Vordringen ermöglichen, da auch die Kavallerie sofort in die Festung gelangt. Neben dem Tore öffnen, hat der Ninja auch die Möglichkeit den General einer Armee heimlich, still und leise zu töten. Alle diese Aktionen haben eine gewisse Prozentzahl, die angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein erfolgreicher Anschlag durchgeführt wird. Wie es aussieht, wenn es mal nicht so klappt, sehen Sie in diesem humorigen Zusammenschnitt der Ninja-Fails.
Zu den Ninjas gesellen sich noch die Mönche, die Metsuke und auch die altbekannte Geisha ist wieder dabei. Alle können Ihnen helfen, den Feind so gut wie möglich zu schädigen, sei es durch das Töten eines Generals, das Aufwiegeln der Bevölkerung, oder das Vernichten gegnerischer Agenten, die im eigenen Land für Zwietracht sorgen wollen. Sie alle gewinnen Erfahrungspunkte und steigen bei erfolgreichen Missionen eine Stufe auf. Auch Ihre Generäle steigen durch genügend Erfahrungspunkte eine Stufe höher, und geben Ihnen so die Möglichkeit, Fähigkeitspunkte zu verteilen. So kann man die einzelnen Generäle für unterschiedliche Aufgaben spezialisieren. Dazu gehören unter anderem auch Fähigkeiten, die es dem General in einem Seegefecht ermöglichen, die eigene Kriegsflotte zum Sieg zu führen. Wie auch auf dem Land, ist es im Wasser immer wichtig auf das Wetter zu achten. Denn bei schlechten Bedingungen, wie Regen, Schnee oder Wind, sinkt nicht nur die Genauigkeit der Fernangriffe, sondern auch die Feuerrate und die Geschwindigkeit der Armee. Und wie auch bei den Schlachten an Land, sind auch im Wasser, die Feuerpfeile eine wirksame Methode, um ein rasches Ende herbeizuführen. Stecken Sie ein Schiff oder auch eine Festung in Brand, und bringen Sie den Gegner in Bedrängnis, passen Sie aber auf, wann Sie Ihre Feuerpfeile einsetzen, da diese Fähigkeit nur zeitlich begrenzt einsetzbar ist. Das Schöne am Pfeilhagel, und das Schlechteste an "Total War: Shogun 2" ist definitiv die Tatsache, dass die Gegner einfach stehen bleiben und sich nach der Reihe töten lassen. Nachdem der erste tödliche Pfeilhagel auf die Gegner niedergeprasselt ist, werden die Reihen sofort wieder aufgefüllt, so dass man es nicht allzu schwer hat, eine 120 Mann umfassende Armeeeinheit, ohne Probleme auszuknipsen. Leider ziehen sich diverse KI-Rohrkrepierer quer durch das gesamte Spiel, ob es total nachlässiges Verteidigen der Festung ist, oder das "Duschen" in einem Meer von Pfeilen, hin und wieder zerstören diese Aussetzer, das ansonsten wirklich gut gelungene und atmosphärisch hochwertige Spiel. Und zum Abschluss gibt es noch etwas für die Augen!
Optisch präsentiert sich der aktuellste Ableger der "Total War"-Reihe vor allem in den cinematischen Videosequenzen von seiner besten Seite. Die Landschaften weisen ein Detail nach dem anderen auf, die einzelnen Kämpfer der Armee sind überzeugend animiert, und auch die Veränderungen der Umwelt durch die Jahreszeiten, tragen zu einem optisch sehr stimmigen Bild bei. Sie werden das gesamte Spiel hindurch mit einer fernöstlich angehauchten Musikuntermalung begleitet, die Sie sofort in die richtige Stimmung versetzen wird. Die Figuren unterhalten sich in ihrer Landessprache, und auch, wenn man nichts versteht, weiß man doch, dass eine deutsche Synchronisation nur unpassend gewesen wäre.
Steuerung
Fans der Serie werden keinerlei Probleme mit der Steuerung haben, wobei sie aber auch für Strategie-Neueinsteiger keine gröberen Schwierigkeiten bereiten sollte. Alles funktioniert ausschließlich über die Maus, wobei Tastenkürzel wahrscheinlich zum schnelleren Reagieren eher bevorzugt werden. Die Befehle an die Armee, die verschiedenen Formationen und auch der Einsatz der Kamera, kann mit der Maus durchgeführt werden, und präsentiert sich tadellos.
Der Mehrspieler-Modus, der bei Strategiespielen wohl normalerweise nicht ein so große Rolle spielt wie bei anderen Genres, kann hier als absolutes Meister- und Herzstück von "Total War: Shogun 2" angepriesen werden. Warum? Weil Sie nicht nur online Schlachten durchführen können, sondern auch in der Kampagne, mittels Koop, mit einem Freund zusammen für Recht und Ordnung sorgen, oder sich auch gegenseitig den Schädel einschlagen. Für die Schlachten im Mehrspieler-Modus können Sie sich einen eigenen Avatar erstellen, der dann im Kampf als General Ihre Truppen befehligt. Sie können aber auch einfach die Spielwelt erkunden, und neue Provinzen und freischaltbare Gegenstände entdecken. Auch die Möglichkeit der Drop-In-Gefechte, also sich einem bereits laufendem Gefecht anzuschließen, erweitert den Mehrspieler-Modus um ein weiteres Highlight.
Die japanische Sprachausgabe, die Blätter, die sich vom Wind getragen über das gesamte Schlachtfeld verteilen, die Animationen der einzelnen Samurais, die heroische Ansprache vor jedem Kampf und die genialen Videosequenzen, versetzen einen recht schnell in das mittelalterliche Japan, in die Zeit des "Sengoku Jidai". "Total War: Shogun 2" wird Sie garantiert an den Bildschirm fesseln, und für eine geraume Zeit nicht mehr loslassen.
Mit "Total War: Shogun 2" ist Creative Assembly zurück zu den japanischen Wurzeln gegangen, und wie man sieht, war es kein Fehler. Auch ist man angesichts der vielen Möglichkeiten, die man geboten bekommt, verleitet, dieses Spiel als bestes Strategiespiel zu loben. Die vereinfachten Menüs, die gelungene Steuerung, die taktische Tiefe, die jede Schlacht unvergesslich macht, der Rollenspielcharakter, der es Ihnen ermöglicht die Fähigkeiten Ihrer Generäle, Ninjas, Mönche, Metsuke oder Geishas zu verbessern und effizienter zu machen, oder auch einfach die grandiose Grafik. "Total War: Shogun 2" geizt nicht mit seinen Reizen, und auch nicht mit KI-Aussetzern, aber das stimmige Gesamtbild lässt uns definitiv, über die kleinen Schwächen hinweg sehen. Auch der mehr als gelungene Mehrspieler-Modus und die Koop-Kampagne fesseln den Spieler, neben der Einzelspielerkampagne, zusätzlich noch etliche Stunden an den Bildschirm.
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