Ende 2010 erschien der Animationsfilm „Rapunzel: Neu verföhnt“ in den heimischen Kinos. Passend dazu veröffentlichten die Disney Interactive Studios ein Videospiel, das für den PC, die Nintendo Wii und den Nintendo DS erschien. Während wir die Nintendo DS-Version schon unter die Lupe genommen haben (Hier geht’s zum NDS-Review!), möchten wir Ihnen nun unseren Testbericht zur Wii-Version präsentieren.
Kinofilm-Videospielumsetzungen haben ja nicht unbedingt den besten Ruf. Wenn man einen Blick auf die Nintendo DS-Version des Spiels wirft, bestätigt sich diese Aussage. Wie sieht’s nun mit der Nintendo Wii-Version aus? Diese Plattform scheint ja für ein Spiel dieser Art ja nahezu ideal. Laut Verpackung erwartet den Spieler ein haariges Abenteuer mit Rapunzel und Flynn, das obendrein noch mit 1-3 Freunden zusammen gespielt werden kann. Das klingt ja ganz unterhaltsam, doch hält der Titel, was die Verpackung verspricht?
Wie auch im Film kann sich Rapunzel auf ihre treuen Begleiter Pascal und Flynn verlassen. Während Flynn immer, fast schon wie ein Dackel, hinter Rapunzel herläuft, sieht man Pascal nur hin und wieder, ohne wirklichen Sinn, auf dem Bildschirm. Er hat absolut nur eine Nebenrolle. Schade, hat das Chamäleon im Film doch für einige Lacher gesorgt.
Gameplay
In puncto Gameplay erwartet Sie ein typisches Action-Adventure, das ein wenig mit „Alice im Wunderland“ verglichen werden könnte. Sie rennen herum, vermöbeln ein paar Gegner, zerstören die Umgebung oder ähnliches. Bei „Alice im Wunderland“ hat man allerdings, dank der vielen Charaktere, viel mehr Möglichkeiten. Bei „Rapunzel“ beschränkt sich das Ganze auf eine Hand voll Optionen.
Wenn Sie alleine spielen, ist das Ganze etwas nervig, da Rapunzel und Flynn eigene Fähigkeiten haben. Während Rapunzel mit ihren Haaren schwingen, wirbeln oder Gegenstänge und Menschen bewegen kann, bleibt Flynn nur die Rolle des treuen Beschützers. Er kann Dornenbüsche aus dem Weg räumen, an Wänden entlangklettern oder Schätze ausgraben. Im Spiel müssen Sie nun die Fähigkeiten der beiden Charaktere vereinen, um die Levels zu meistern. Dies ist eben im Singleplayermodus etwas mühselig, da Sie oft zwischen den Charakteren wechseln müssen. Das nimmt ein wenig Fahrt aus dem Spiel. Zwischendurch gilt es neben typischen Action-Adventurepassagen auch Minispiele zu meistern. Hier erwarten Sie Spielchen wie ein Ziegelrennen, das Anmalen von Skizzen oder das Zerstören von vordefinierten Fässern. Diese Spielchen sind ganz unterhaltsam und sorgen für die nötige Abwechslung.
Im Spiel erleben Sie leicht vom Film abgewandelte Handlungsstränge, die aber im Großen und Ganzen ins Bild passen. Sie starten beim Turm, in dem Rapunzel jahrelang eingesperrt war, besuchen die lustigen Räuber und Banditen im Quietscheentchen (Gasthof), um dann über den Räuberweg den Wachen zu entkommen.
Alles in allem ist das Spiel für Kinder absolut eine Überlegung wert, da keine Gewalt im Spiel enthalten ist, das Spiel sich am Film orientiert und das Spielprinzip recht einfach gehalten wurde. Allerdings empfehle ich Ihnen, das Spiel nur zu zweit zu spielen, da diese Variante die optimale ist. Mehr dazu im Abschnitt Mehrspieler.
Grafik und Sound
Grafisch präsentiert sich der Titel im Mittelmaß. Es gibt zwar die Charaktere aus dem Film sowie einige ganz nette Animationen sowie Storyvideos, die in Form von handgemalten Bilder erzählt wird, doch hätte ich mir doch einige Ausschnitte aus dem Film gewünscht. Wenn man beispielsweise Ausschnitte aus der Animationsserie „Inazuma Eleven“ in das gleichnamige Nintendo DS-Spiel bringen kann, dann muss es doch auch auf der Nintendo Wii möglich sein, ein paar HQ-Videos zu sehen? Schade! Das hätte dem Titel noch einen gewaltigen Pluspunkt verschafft. Was mich noch ein wenig stört, ist die Tatsache, dass auf Kollisionsabfragen im Spiel offenbar vergessen wurde. Beispielsweise fliegen die Haare von Rapunzel durch ihren Körper, oder auch das Kleid von Rapunzel verschwindet in einem massiven Felsbrocken.
In puncto Sound gibt es dafür nur Lobeshymnen. Das Spiel wurde komplett lokalisiert vertont. Das sorgt für Laune. Da kann man auch auf die oftmaligen Wiederholungen von gleichen Sätzen aus Rapunzels Mund hinwegsehen.
Die Steuerung an sich ist eigentlich durchdacht und ganz intuitiv. Mit dem optionalen Nunchuk bewegt man die Figur, und mit der Wii-Remote werden die meisten Aktionen, wie zum Beispiel Springen oder Angreifen, ausgeführt. Was mich hier allerdings stört, ist die Tatsache, dass man die Kamera nicht manuell nachjustieren kann. Sie tappt man oft echt im Dunkeln, da ein Baum oder ähnliches die Sicht verstellt. Aber wie gesagt, bis auf das Manko bei der Kamera ist die Steuerung wirklich in Ordnung.
Mehrspieler
Kommen wir nun zum Mehrspielermodus. Hier erwartet Sie, laut Verpackungsrückseite, ein Abenteuer für 1-3 Mitspieler. Wie bereits erwähnt ist der Singleplayermodus nicht so prickelnd. Ideal ist es, wenn man den Titel zu zweit spielt, da man dann schnell die Fähigkeiten der beiden Charaktere kombinieren kann, doch wie sieht es mit den anderen beiden Spielern aus, die ins Geschehen eingreifen können? Der dritte Spieler beispielsweise kann lediglich mit der Wii-Remote auf den Bildschirm zielen und Gegenstände einsammeln. Das kann ja nicht der Ernst der Entwickler sein? Was ist das für ein sinnloser Mehrspielermodus? Zwei Leute können herumrennen und Spaß haben, und die weiteren Spieler zielen nur auf den Bildschirm zum Einsammeln von Gegenständen? Das erscheint wenig durchdacht und ist einfach nur schlecht.
Atmosphäre
Die Atmosphäre ist eigentlich ganz gelungen. Wie gesagt, die Volllokalisierung sowie die Storyvideos sorgen wahrlich für Stimmung. Einzig durch den Einbau von HQ-Videos hätte man noch etwas mehr Atmosphäre erzeugen können.
Alles in allem ist „Rapunzel: Neu verföhnt“ auf der Nintendo Wii eine Kinofilm-Videospielumsetzung, die wirklich in Ordnung ist. Man erlebt leicht abgewandelte Handlungsstränge des Films, sieht viele alte Bekannte, hat eine intuitive Steuerung sowie haufenweise Sammelobjekte. Auch die volle Vertonung des Spiels sowie die Story-Videos sind positiv hervorzuheben, was auf den Mehrspielermodus für drei oder vier Spieler nicht zutrifft, da diese Spieler nur eine passive Rolle im Spiel übernehmen.
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