Matrjoschka-Puppen, auch Babuschkas genannt, sind aus Holz gefertigte ineinander stapelbare Puppen, die wohl noch jeder aus seiner Kindheit kennt. Im XBLA-Titel „Stacking“ stehen ebendiese Püppchen und vor allem ihre „Fähigkeit“ des Stapelns im Vordergrund – was sich wirklich darin versteckt, erfahren Sie in unserem Review.
„Stacking“ erzählt die Geschichte des kleinen Charlie Blackmore, der als jüngster oder vielmehr kleinster Spross der Familie seine von einem bösen Baron zur Kinderarbeit gezwungenen Geschwister zu retten versucht.
Der junge Charlie ist auf seiner Reise zwar klein, aber durchaus oho, denn in einer Welt bestehend aus Matrjoschkas bedient er sich der Fähigkeit, andere Puppen steuern zu können. Dabei kommen die unterschiedlichen Größen der Babuschkas ins Spiel, denn schleicht sich Charlie von hinten an eine Figur, die genau eine Größe höher ist als er, kann er rein hüpfen und sie steuern; diese kann dann wiederum in die nächst größere schlüpfen und so weiter. Jede Puppe hat eine Spezialfähigkeit, manche können Hiebe ausführen, andere können bestimmte Türen aufschließen, so hat jede noch so sinnlos erscheinende Puppe eine Aufgabe, denn jede Mission hat mehrere Lösungswege, sei es die Wache mit einer holden Maid abzulenken, oder mit einem kleinen Jungen in den Belüftungsschacht zu furzen. Je mehr Lösungswege Sie finden, umso mehr Achievements werden frei gespielt.
Grafik und Sound
Grafik und Sound von „Stacking“ verwandeln es in ein Kunstwerk, eine Hommage an die Stummfilme des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Figuren sprechen generell nicht, sondern haben Sprechblasen oder der Text wird in Zwischenbildern eingeblendet, selbst die vergilbte Farbe der Welt und die Schlieren auf dem Film erinnern an die alten Klassiker. Untermalt wird das Ganze von dramatischer Klaviermusik. Zugegebenermaßen ist diese Komposition von Bild und Ton nur etwas für Liebhaber, nichtsdestotrotz erscheint es liebevoll und gut gemacht.
Steuerung
Charlie und die von ihm besessenen Puppen werden durch die Gänge der Levels gesteuert und können andere Puppen übernehmen, eine Puppengröße nach unten wechseln, sprechen und ihre Spezialfähigkeit nutzen. Abgesehen davon gibt es mit dem Hilfe-Button, der die Richtung weist, nur noch einen Knopf zu bedienen. Die Steuerung ist folglich schnell durchschaut, einzig die Lenkung der Puppen selbst wirkt plump und ungenau, in einer so schön designeten Umgebung hätte man sich auch hier etwas mehr Feingefühl erwartet.
Man fühlt sich in Charlie’s Abenteuer tatsächlich ein bisschen in die Vergangenheit versetzt. Retro-Feeling kommt durch Bild und Ton auf, und auch die Babuschka-Puppen erinnern an frühere Tage. Vielerorts leidet die Atmosphäre an den Zwischensequenzen, nicht dass sie nicht schön wären, es sind ihrer einzig zu viele und sie dauern eindeutig zu lange. Das Medium Spiel ist und bleibt ein interaktives, und auch, wenn es ab und an mit der Filmkunst zu verschwimmen scheint, so kann dies schnell ermüdend und langweilig werden. Grundsätzlich gilt: Zwischensequenzen ja, aber nur mit der Möglichkeit sie zu überspringen! Warum nicht auch hier?
Zusammenfassung
“Stacking“ ist wunderschön anzuschauen und hat eine herzergreifende Geschichte um Kinderarbeit und den Stereotypen „Underdog“. Nichtsdestotrotz ist die Steuerung etwas schlampig, die Zwischensequenzen zu lang und zu häufig und 1200MSP sind für die relativ kurze Spieldauer vielleicht etwas hoch angelegt. Alles in allem jedoch einen Blick für jene wert, die Rätsel und den Charme der 20er-Jahre lieben.
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