Ein mysteriöser Mordfall erschüttert die Szene, und die Details sind unklar. Die ganze Hintergrundgeschichte entpuppt sich als äußerst nebulös, denn einerseits sind es viele Beteiligte, die es auszuhorchen gilt, und andererseits haben Sie nur einen Tag lang Zeit. Gehen Sie mit uns auf die Jagd nach dem Mörder und lesen Sie unser Review!
Der Hauptheld steckt wahrlich in der Klemme: Er muss hilflos mit ansehen, wie eine junge Frau mit roten Haaren von einem Auftragskiller bedroht und schlussendlich umgebracht wird. Nur zu gerne hätte er eingegriffen, gäbe es da nicht ein kleines Problem: Der Protagonist ist bereits tot! Doch da dies ein unrühmliches und vor allem schnelles Ende für den anfänglich namenlosen Helden wäre, hat Capcom ihm die Gabe gegeben, aus dem Jenseits dank seiner Seele zu interferieren. Interesse bekommen? Hier haben wir einen Trailer für Sie!
Das Spielprinzip ist an sich schnell erklärt, und doch gibt es gewisse Kniffe. Sie dürfen sich mit Ihrer Seele, welche eine blaue Flamme darstellt, von Objekt zu Objekt hangeln und damit interagieren. Allerdings dürfen Sie nur mit dem Objekt etwas anstellen, von dem Sie gerade Besitz ergriffen haben. Dies sorgt für taktische Finesse: Nach dem kurzen und knackigen Tutorial gilt es nämlich auch, unter Zeitdruck zu einem gewissen Punkt zu gelangen und eine Aktion auszulösen. Beispiel gefällig? Dann begeben Sie sich mit uns auf die Reise in das Intro zu „Ghost Trick“!
Alles beginnt mit der Szene, in der drei Protagonisten spielen. Obwohl Sie am Anfang noch nichts wissen, ergänzen wir der Einfachheit halber die Namen. Sissel, der Hauptheld in seinem roten Anzug und der extravaganten Frisur, liegt wenig vorteilhaft zu Füßen einer rothaarigen Dame. Diese Dame namens Lynne wiederum ignoriert den frisch Gestorbenen völlig, da sie sich gerade schwer darauf konzentrieren muss, beim Anblick eines auf sie gerichteten Schrotflintenlaufs nicht laut loszuschreien! Der kurzsichtige Tengo, Auftragskiller und Meister seines Fachs, beendet auch ihr Leben mit einem gezielten Schuss. Danach geht er zu einem Telefon in der Nähe, das plötzlich zu läuten beginnt und sagt, dass der Auftrag abgeschlossen sei. Hier steigen Sie ins Spiel ein, denn Ihnen werden die Begriffe wie Kraft der Toten, Seelensteuerung und dergleichen erklärt. Sie spulen dann im Verlauf des Tutorials die Zeit zurück, und vier Minuten vor dem Tod der jungen Dame spielt sich das Ganze nochmals ab. Hier ist die Trick-Zeit gekommen, in der Sie aktiv auf das Geschehen einwirken dürfen! Mittels Stylus bewegen Sie die Seele zwischen nahe beieinander liegenden Objekten, und wenn Sie mittels Tastendruck aus der Geisterwelt austreten, dürfen Sie mit der Trick-Taste die auf dem oberen Screen angezeigte Interaktion durchführen: Ein Bett ausklappen, eine Lampe an- oder ausschalten, die Geschwindigkeit eines Rotors erhöhen, ein Rad rollen, eine Schüssel umschubsen und vieles mehr.
Und so gilt es, den Mord an Sissel aufzuklären, doch zuvor müssen Sie erst mal das Leben von Lynne retten! Während also Tengo mit seiner goldenen Schusswaffe auf die Frau zielt, dürfen Sie dem schreckhaften Killer den einen oder anderen Streich spielen. Jedes Mal, wenn Sie etwa einen Gong betätigen, die Gitarre zum Ertönen bringen oder eine Tür aufklappen, dreht sich der Schütze um und schießt auf den ihn überraschenden Gegenstand. Ihnen macht das nichts aus, immerhin sind Sie ja bereits schon tot, Lynne hingegen weiß die Gelegenheiten zu nutzen und spurtet davon. Das Spielchen geht so lange, bis Sie die Chance dazu erhalten, im letzten Augenblick den Greifer eines Krans zu öffnen. Es bleibt bis heute verborgen, ob Tengo das laute Geräusch des Greifers irritiert hat oder doch eher die herunterfallende Abrissbirne, die mit seinem Körper kurzen Prozess macht und diesen ganz kindgerecht platt auf der Außenhülle zur Schau trägt. So steuern Sie sich durch das gesamte Spiel, einzige Ausnahme sind die eigene Leiche, mit welcher man nicht interagieren kann sowie die Telefone, welche Sie zwischen verschiedenen Locations reisen lassen. Schon früh lernen Sie die Auftraggeber des Mordes kennen, doch verlassen Sie sich drauf: „Ghost Trick“ hat ein Ass im Ärmel, welches gegen Ende des Spiels für eine starke Überraschung sorgt. Hut ab, Capcom!
Grafik und Sound
Grafisch leistet sich „Ghost Trick“ überhaupt keine Schwächen, das Denk-Adventure lässt Sie immer genau erkennen, wo Sie sich gerade befinden, wie die Umgebung (auch nachts) aussieht, und die Animationen sind auf dem NDS absolute Oberklasse. Geschmeidig hantieren die Auftragskiller mit ihren Waffen, laufen die Protagonisten hin und her, bedient der Obermotz seinen Rechner: Hier hat Capcom wahrlich ganze Arbeit geleistet. Die Akustik erinnert ganz leicht an japanische Games und Serien, da nicht mit Sprachausgabe, sondern mit Tönen und Sounds gearbeitet wird. Ähnlich wie in „Wall-E“ (dem Film, nicht dem durchschnittlichen Spiel) reicht es vollkommen aus, wenn mit den richtigen Effekten zum passenden Zeitpunkt nicht gespart wird. Die eingängige Hintergrundmelodie tut das ihrige dazu, dass Sie „Ghost Trick“ langsam, aber stetig in seinen Bann zieht...
Zum Handling gibt es nicht viel zu sagen. Es funktioniert einwandfrei, wie Sie das Spiel ausschließlich mit dem Stylus steuern können, einzig und allein bei Passagen, bei denen Sie die Sprünge zwischen Objekten timen müssen, kann das Hin- und Hergehüpfe zwischen Geister- und Realwelt nerven. Allerdings muss man hier auch sagen: Hätte es diese Trennung nicht gegeben, würde „Ghost Trick“ noch viel mehr Zeitdruck applizieren, und das hätte wohl die meisten Gelegenheitsspieler abgeschreckt.
Atmosphäre
Die Geschichte ist zwar bis auf einige wenige Einzelschicksale rein auf ein einziges Durchspielen ausgelegt, doch auch ein zweiter Durchlauf macht Sinn und mächtig Laune. Nach der umfassenden Einführung entwickelt „Ghost Trick“ einen eigenen Charme und lässt Sie immer ein bisschen baumeln, gerade so viel, dass Sie auch das nächste Kapitel noch spielen wollen. Die Geschichte ist so realistisch gehalten, wie ein Plot mit Manipulationen aus dem Jenseits eben sein kann, wie gesagt, ein witziger und kaum vorhersehbarer Turnaround ist in der Storyline enthalten und macht das Spielerlebnis so richtig perfekt. Abschließend bleibt zu sagen: Gut möglich, dass ein Nachfolger kommt, und wir bleiben in dieser Sache fix am Ball...
Ein ganz großes Adventure mit Knobel-Faktor: „Ghost Trick“ ist innovativ, das Setting ist klasse, und auch die Art, es zu spielen, ist so noch nicht dagewesen. Die Geschichte wandelt auf schmalen Pfaden zwischen lustigen Einlagen, einem immer wieder durchbrechenden Optimisten als Haupthelden, etwas schwermütigeren Szenen sowie knallharter Herausforderung. Zwar ist das Gameplay streng linear und lässt kaum Raum zum Interpretieren, und oft begrenzt sich „Ghost Trick“ selbst zu sehr als Geister-Simulator. Aber für ein bis zwei Durchläufe ist das Spiel eine Empfehlung wert, und die Geschichte rund um Sissel sollte jeder zumindest kennen!
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