Sport ist Mord, heißt es doch so schön. Warum also nicht das Gefahrenpotenzial verringern und nur mehr vorm TV-Schirm der Bewegung frönen? Zumal es der virtuelle Trainer mit dem Einhalten des Trainingsplanes und den Abläufen auch nicht immer allzu genau nimmt. Wir ließen uns von „EA SPORTS Active 2“ leiten und verraten Ihnen, was dabei herausgekommen ist.
Bewegung an der frischen Luft? Im muffigen Fitnesscenter Gewichte stemmen? Mit Freunden gemeinsam auf den Fußballplatz gehen? Wozu dass alles, wenn gesund bleiben so einfach sein kann! Einfach den neuen Kinect-Sensor an die Xbox 360-Konsole anschließen, den TV aufdrehen, mitgelieferten Pulssensor anlegen und schon steht dem Training nichts mehr im Weg. Jetzt einmal Spaß beiseite, wer eher zu den Einzelkämpfern gehört und sich nicht mit zehn anderen Personen beim Spinning einen schwitzen will, der kann durchaus einen Blick auf den interaktiven Personal-Trainer von EA werfen. Wie sich dieser dann präsentiert, sehen Sie hier:
Von der Spielschachtel lacht Ihnen in der deutschen Fassung die Eisprinzessin Katarina Witt entgegen und gibt dem Spiel somit gleich einen sportlichen Touch. Bewegen müssen Sie sich dann aber selbst. Vielseitige Trainingsmöglichkeiten soll das Spiel laut Verpackung bieten, und was die Anzahl an Übungen und Aktivitäten betrifft, kann diese Aussage nur bestätigt werden. Egal ob Völkerball, obwohl Sie hier nur Bällen ausweichen müssen, Mountainbiken (ja, Sie haben richtig gelesen!), Fußball oder Übungen, die Sie vor allem aus dem Sportunterricht oder dem Fitnesscenter kennen, für jeden Geschmack ist hier etwas dabei. Zusätzlich darf eigenes Equipment mit ins Spiel genommen werden. Im Paket enthalten ist zum Beispiel ein Tera-Band, ein Gummiband, das zur Intensivierung des Trainings dient, Sie dürfen in den verschiedenen Übungen aber gerne auch Hanteln einsetzen. Damit Sie stets im besten Leistungsbereich trainieren, misst ein Pulsmesser die Herzfrequenz und zeigt Ihnen so immer Ihre Werte an. Im Gegensatz zu den echten Geräten piepst dieser aber nicht, wenn Sie einmal richtig loslegen und der Puls nach oben rast.
Im Grunde ist das Spiel ein Plan, der Ihnen dabei helfen soll, Fitnessziele zu erreichen. Wie das geht? Zu Beginn des Trainings suchen Sie sich zunächst einen von zwei Trainern aus. Der männliche Part ist eher für die Muskelpartie und gezieltes Stärken der selben verantwortlich, und der weibliche Part für ausgewogenes Training mit Elementen wie Yoga und dergleichen. Danach geht es aber noch nicht ans Eingemachte, sondern ist zuerst noch eine Entscheidung gefragt. Sind Sie ein Mädchen und begnügen sich mit dem dreiwöchigen Training, oder legen Sie wirklich los und starten ein neunwöchiges? Vom Prinzip her unterscheiden sich die beiden Programme nicht, auch der Ablauf der Übungen bleibt gleich. Unterschied besteht nur in der Dauer und im prognostizierten Output. Dieser hängt auch mit dem eingestellten Schwierigkeitsgrad zusammen. Als alte Sportskanone entschied ich mich natürlich gleich für die Profi-Einstellung. Dafür sollten Sie dann wirklich ein sportliches Outfit anlegen, denn es warten immerhin 26 Übungen und die wollen natürlich auch alle absolviert werden. Vier mal soll ich laut Kalender pro Woche meinen Körper in Bewegungen setzen, das kann ja heiter werden.
Jede der Übungen wird in einem Tutorial von Ihrem Trainer vorgemacht. Die Animationen sehen dabei sehr gut aus und es bleiben kaum Fragen im Sinne 'Wie soll das denn gehen?'. Den großen Vorteil eines menschlichen Gegenübers kann das Spiel natürlich nicht mitbringen. Sollten Sie beim Ausführen der Übung irgendwelche Fehler machen, korrigiert Sie hier niemand. Die einzige Standpauke gibt es für unterlassendes Training. Da die X360-Version des Spiels mit einem Ganzkörpersensor arbeitet, bin ich davon wirklich überrascht. Eigentlich war ich der Meinung, dass einen das Spiel in diesem Punkt dank Kinect gut unterstützen kann, stattdessen lässt es sich aber herrlich schummeln. Nicht jede Übung muss genau gemacht werden, so reicht es bei Liegestützen zum Beispiel, wenn Sie den Oberkörper ein wenig auf und ab bewegen. Das hätte besser umgesetzt werden können.
Zumindest bleibt aber der Trainer ein treuer Begleiter. Das ganze Programm über steht er mit ermunternden Anweisungen zur Seite, spornt Sie an und läuft gar neben Ihnen her. Haben Sie das mehrwöchige Programm absolviert, bietet das Spiel weitere Möglichkeiten, dem Fitnesstrend nachzugehen. Unter dem Menüpunkt 'Meine Workouts' dürfen Sie sich entweder eines von über 150 vorgefertigten Workouts auswählen und absolvieren, oder Sie stellen sich überhaupt selber eines zusammen. Hier dürfen Sie dann aus allen im Spiel integrierten Übungen wählen und ein sehr persönliches Programm entwickeln.
Mehr Spaß zu zweit?
Alleine zu trainieren macht doch nur halb so viel Spaß. Jedes der Workouts kann auch mit einem Freund absolviert werden. Dazu benötigen Sie auch keine zweiten Pulsmesser, sondern dank Kinect einfach nur einen zweiten Spieler. Nicht jede der Übungen kann allerdings als Duo versucht werden, das System schließt jene, die nicht möglich sind, automatisch aus. Der Zwei-Spieler-Modus profitiert außerdem vom Konkurrenzverhalten, das sich automatisch einstellt und das vom Spiel auch noch unterstützt wird. So gibt es beim Kardio-Boxen, wie auch bei anderen Übungen, einen Zähler, der die Treffer, hier am Boxsack, zählt. Der Trainer verrät dabei immer, welcher Spieler gerade in Führung ist und welcher hinter her hechelt. Das Spiel endet, sobald beide Spieler eine bestimmte Anzahl an Schlägen angebracht haben. Wer schneller ist, darf solange weitermachen, bis der zweite Spieler ebenfalls fertig ist, was für zusätzliche Motivation sorgt, da so mehr Punkte gesammelt werden können.
Optisch passt „EA SPORTS Active 2“ eigentlich ganz gut. Gut, die Texturen sind nicht gerade der Knüller, der Fokus lag bei diesem Spiel aber auch auf anderen Dingen, nämlich den Animationen. Diese sehen dafür auch sehr gut aus. Der Trainer, der die wichtige Funktion hat, Ihnen alles zu zeigen, macht seine Sache einwandfrei, sodass kaum Verwirrung entsteht. Ansonsten hat uns vor allem das Mountainbiken sehr gut gefallen. Das Lenken übernimmt das Spiel automatisch, Sie sorgen mit Hips und 'Laufen am Stand' dafür, dass Ihr Bike stets läuft. Es geht dabei über eine hügelige Piste, die auch ein paar Sprünge und steile Abfahrten parat hält. Die ganze Fahrt wirkt ein wenig wie eine Achterbahn und das lockert das Spielgeschehen angenehm auf. Nicht so gelungen ist leider der Sound. Die nervige Fahrstuhlmusik kann aber praktischerweise durch eine eigene Playlist ersetzt werden.
Training für zu Hause? Auch nach dem Test muss ich meiner ironischen Einleitung treu bleiben und kann mit einfach nicht mit diesem Prinzip anfreunden. Zumindest brauche ich kein Computerprogramm, das mir sagt, wann und wie ich trainieren muss. Das Tera-Band alleine reicht mir, vielleicht noch eine Hantel, und schon kann ich alleine loslegen. Und anstatt der gemütlichen, sinnbefreiten Runde um den Sportplatz samt virtuellen Trainer empfehle ich doch den Weg in den nächsten Park, wo man sich mit Gleichgesinnten über die Wiesen schmeißt.
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