Die Fußstapfen könnten nicht größer sein. Nach dem immensen Erfolg der beiden „Modern Warfare“-Spiele der „Call of Duty“-Reihe ist es nicht leicht, wieder selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Doch mit Entwickler Treyarch besinnt sich Activision auf Veteranen dieser Spielreihe, entwickelten die Jungs aus Kalifornien doch auch schon Teil 3 und „World at War“. In diesem besonderen Review wollen wir Ihnen verraten, ob sich der Kauf auch wirklich lohnt.
An dieser Stelle möchte ich etwas Neues versuchen. Dieses Review ist ob seines späten Erscheinens nicht mehr als Kritik zu verstehen, sondern eher als Empfehlung. Eine Wertung zum Spiel dürfen Sie gerne anhand unserer Reviews zur PS3- und PC-Version erschließen, auch auf der X360 gibt es da keine großen Überraschungen. Das Spiel ist gut und es macht auch Spaß. Jeder, der mindestens achtzehn Jahre alt ist und gerne Shooter aus der Ego-Perspektive spielt, wird mit diesem Titel seine Freude haben, zumal es Treyarch auch gelungen ist, eine halbwegs plausible Story mit dem einen oder andern Kniff zu präsentieren. Die Frage die ich mit nun Stelle ist, lohnt sich der Kauf von „Black Ops“? Bietet der Titel genug Neuerungen, um den doch hin und wieder schmerzhaften Griff in die Geldtasche zu rechtfertigen oder sollten Spieler doch auf einen Titel warten, der endlich einmal wirklich frischen Wind in das doch angestaubte Genre bringt? Ich weiß, die Ansprüche an die folgenden Zeilen sind ob der provokanten Wortwohl ziemlich hoch, aber gleich ging es auch „Black Ops“. Wer sich in diesem Genre behaupten und Spielern eine einzigartige Spielerfahrung liefern will, der muss einfach etwas auf dem Kasten haben. Bevor ich nun aber loslege, heißt es zurücklehnen und genießen:
Als Referenzpunkte werden mir im folgenden die Genre-Größen „Modern Warfare 2“ (MW2) und „Bad Company 2“ (BC2) dienen. Beide Spiele zeigen auf einem anderen Gebiet besondere Vorzüge und „Black Ops“ (BO) muss als Neuling an diese Anknüpfen und nach Möglichkeit eigentlich übertrumpfen. Natürlich zählt das Motto 'immer etwas Neues' nicht wirklich. Keine Geschichte ist neu, jede haben wir bereits mehrmals gehört. Was aber neu und besonders sein kann, ist die Art und Weise wie sie erzählt wird. Hier geht der Punkt eindeutig an den Neuling.
Kuba, Bahia de Cochinos, April 1961. Die USA starten eine Invasion, um gegen Fidel Castro vorzugehen. Sie nehmen an diesem Angriff teil und gehören zu einem kleinen Team, das den kubanischen Revolutionsführer auch gleich umbringen soll. Gemeinsam mit Kollegen Frank Woods, Bowman und mit Unterstützung kubanischer Rebellen stürmen Sie den Sitz Castros. Nach einem im Vergleich zu späteren Kämpfen eher kleinen Gefecht in schönem karibischen Ambiente, brechen Sie gemeinsam mit Woods die Tür zu Castros's Schlafzimmer auf und drücken in Zeitlupe ab. Wie sich später herausstellen wird, war es aber gar nicht Castro selbst, der hier mit einem Mädchen zu schaffen hatte, sonder nur ein Double. Das sind nicht die einzigen Probleme, die Alexander Mason, so der Name des Protagonisten, plagen. Denn eigentlich beginnt das Spiel mit einer Szene, in der Alex, an einen Stuhl gefesselt und mit Elektroschocks maltretiert, einem Unbekannten Rede und Antwort stehen muss. In Flashbacks erleben Sie alle Ereignisse, die zu dieser Situation geführt haben, dabei verschwimmt Erinnerung und Gegenwart immer mehr.
Genau diese Flashbacks können hervorragend für eine verwobene Geschichte verwendet werden, in der viele Ereignisse, die zu verschiedenen Zeiten geschehen sind. Im Vergleich mit MW2 kann BO standhalten, da MW2 eigentlich aus zwei Spielen besteht. Im Prinzip steht jedes zwar für sich alleine, den großen Wow-Effekt entfaltet MW2 aber erst dann, wenn Sie den ersten Teil auch gespielt haben. BC2 hingegen lebt von den Protagonisten und deren engen Bindung. Die Jungs gehören einfach zusammen und liefern auch immer wieder flotte Sprüche ab. Ansonsten bleibt aber nur ein oft behandeltes Thema ohne wirkliche Highlights.
Gleich zu Beginn der Kuba-Mission punktet BO mit Stimmung. In einer kleinen Bar werden die letzten Punkte zur bevorstehenden Aktion besprochen. Doch auf einmal klopft die Polizei an die Tür und kommt auf Sie und Frank Woods zu. Dieser, leicht zu erregen, rammt dem Polizisten ein Messer in die Hand und das Feuerwerk kann beginnen. Die Sirenen heulen, während ein Polizeiwagen nach dem anderen eintrudelt. Mit dem Granatwerferaufsatz an Ihrem Gewehr sollte das aber kein Problem sein. Nach ein paar kleinen Scharmützeln verschwinden Sie in einer Seitengasse und springen auf den Fahrersitz eines Autos. Nun heißt es Gas geben, gelenkt wird automatisch. Nach einem Granateinschlag sehen Sie in Zeitlupe, wie Glas zersplittert und doch schaffen Sie es aus der Stadt. Genau in dieser Tonart geht es weiter. Egal ob im russischen Arbeitslager Vorkuta, aus dem Sie gemeinsam mit dem sympathischen Russen Victor Reznov fliehen oder in einem US-Lager in Vietnam 1968, dass gerade angegriffen wird. Der Puls bleibt immer sehr hoch.
Damit setzt sich BO deutlich von BC2 ab, das zwar auch spannende Einlagen bietet, wenn Sie zum Beispiel mit Fahrzeugen unterwegs sind, aber im Kampf Mann gegen Mann nicht so fesselt. Das liegt mitunter aber auch daran, dass in BO meist einfach mehr los ist und mehr Soldaten über den Bildschirm huschen. Leider sind diese dann auch dumm wie Stroh und eher als Kanonenfutter denn als ebenbürtige Gegner zu verstehen. Den König in Sachen Inszenierung, MW2 kann „Black Ops“ somit nicht vom Thron stoßen. Zu vorhersehbar und im Vergleich weniger mitreißend wirken manche Sequenzen, und es kommt nur selten eine beklemmende Stimmung auf. Auch wenn der Weg durch vietnamesische Schützengräben ein intensives Spielgefühl mit sich bringt, so fesselt er mich nicht auf die selbe Art wie zum Beispiel jene Stelle in MW2, in der Sie zuerst in einer Tankstelle und dann in einer Bar ausharren müssen, während russische Soldaten auf Ihre Stellung vorrücken. Oder jene Szene, in der Sie nach einem EMP-Schlag durchs zerstörte Washington wandern und bei Regen und völliger Dunkelheit auf einmal der Feind vor Ihnen steht.
Keine Frage, „Black Ops“ versucht gleich zu Beginn, in dieser Tonart mitzuspielen, doch weiß es dieses Nachahmen nicht gut genug zu kaschieren. Zu oft ist es dem Spiel anzumerken, einfach eins drauf zu setzen wollen, anstatt durch punktuelle Eingriffe den Spieler zu fordern. Bestes Beispiel ist gleich der Beginn. Während Sie und Ihr Team versuchen mit einem Flieger zu entkommen, müssen Sie feindliche Soldaten und Fahrzeuge mit dem Bordgeschütz ausschalten. Dabei genügt meistens ein Schuss und alles fliegt herrlich in die Luft. Gleiches gilt für die Verfolgungsszene am Ende des Vorkuta-Ausbruchs. Auf einem Motorrad fahren Sie gemeinsam mit Reznov neben einer Eisenbahn entlang, müssen Sie doch einen Zug erwischen. Ein Schuss aus ihrer Waffe genügt dabei, um, ohne groß zielen zu müssen, feindliche Motorräder los zu werden. Wobei, eigentlich sind diese Elemente doch ganz witzig, da sie das Spielgeschehen ein wenig auflockern und für Abwechslung sorgen.
Diese Kategorie ist immer sehr schwierig zu bewerten, da neue Spiele stets den zeitlichen Vorteil haben. Umso neuer, umso hübscher möchte man meinen. Dass dies nicht immer zutreffend ist, haben viele Spiele schmerzlich bewiesen. Auf BO trifft das zumindest nicht zu. Auch wenn manche der Texturen nicht ganz scharf sind und die Weitsicht ebenfalls keine herrlichen Panoramen bietet, so sieht es dennoch hervorragend aus. Die Animationen sind butterweich und die Kamera geht, wenn Sie sich zum Beispiel von hinten an einen Gegner heranschleichen (nicht immer möglich), geschmeidig mit der Figur mit. Besonderes Highlight, das Sie relativ am Anfang genießen dürfen, ist die Explosion einer russischen Sojus-Rakete, die vom Weltraumhafen Baikonur abgefeuert wird. Sie und Ihr Team müssen das nämlich verhindern.
Wie zu erwarten war, leistet sich „Black Ops“ auch akustisch keine Schnitzer. Die Kugel pfeifen herrlich um die Ohren und die Sprecher leisten in den Zwischensequenzen hervorragende Arbeit. So emotional und passend die Passagen eingesprochen sind, so schwach arbeiteten die Entwickler bei deren Einbau ins Spiel. Die von vielen Kollegen bereits festgestellten Mängel kann ich hier nur bestätigen. Oft passen Stimm- und Tonlage absolut nicht mit der aktuellen Situation überein, was nicht nur störend, sondern auch verwunderlich ist. Hat hier niemand eine deutsche Endabnahme gemacht? Die restliche Klangkulisse ist aber, wie gesagt, hervorragend. Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass hier durchaus mehr drinnen gewesen wäre. Sowohl bei Sound als auch Bild.
Einer ist keiner
Da die Einzelspieler-Kampagne mit gut fünf Stunden (je nach Skill kann es auch eine mehr sein) sehr sehr knapp ausfällt, erfreut es umso mehr, dass zumindest der Multiplayer mit Umfang glänzt. Die Blaupause von „Modern Warfare 2“ übernehmend haben es sich die Jungs bei Treyarch zur Aufgabe gemacht, Spielern hier ein echtes Erlebnis zu bieten. Neben den üblichen Spielvarianten, acht an der Zahl im normalen Modus, gibt es zum Beispiel eine eigene Playlist für Prestige-Spieler (diejenigen, die mit Level 50 noch mal von vorne anfangen). Neu im Vergleich zu MW2 sind auch die Wager Games, die Wettspiele. In vier Varianten, dürfen Sie antreten und hart verdiente CoD-Points aufs Spiel setzen. Dabei sollten Sie geschickt vorgehen, denn nur die jeweils besten Drei bekommen einen Gewinn, die restlichen gehen leer aus und die Kohle ist weg. Diese eigene Währung, mit der Ausrüstung und Waffen gekauft werden können, ist wohl die größte Neuerung in „Black Ops“ und unterscheidet das Spiel auch deutlich von MW2 und auch BC2. In diesen Zählen alleine Erfahrung und geleistete Dienste, um neues Waffen- und Ausrüstungsmaterial freizuschalten. Ohne Fleiß kein Preis.
In BO sieht die Sache nun eben ein wenig anders aus. Gleich geblieben ist dabei der Rangaufstieg. Dieser schaltet auch noch immer neues Equipment frei, um es zu verwenden, muss es aber mit den CoD-Points aktiviert werden. Das hat einen entscheidenden Vorteil, mindert aber auch die Herausforderung. Genügend Punkte vorausgesetzt, dürfen Sie jeden Aufsatz oder jedes Muster für eine Waffe gleich kaufen, sobald die Waffe selbst freigeschaltet ist. Wer sich an MW2 erinnert, weiß, dass zunächst immer nur die Waffe selbst zur Verfügung stand und erst nach einer bestimmten Anzahl an Schüssen zusätzliche Aufsätze möglich waren. Für mich geht dabei aber ein gewisser Lerneffekt verloren. Denn musste ich mich dort die ersten Runden ohne Visieraufsatz herumschlagen und so meine Waffe genau kennenlernen, darf ich jetzt gleich zu Beginn ein praktisches Visier verwenden. Um Einsteigern dennoch etwas entgegenzukommen, gibt es eine Art Trainingsmodus, in dem Sie gegen Bots antreten und so die Basic's des „Call of Duty“-Mulitplayer erlernen können: Wie setze ich die Abschussserienbelohnungen ein, und Ähnliches.
Im Vergleich zu MW2 hat BO die Nase vorn. Das veränderte Levelsystem und ein paar neue Ausrüstungsgegenstände sowie Modifikationen bei den Abschussserien, sorgen für ein ausgewogenes Bild. Auch beim Umfang gibt es nichts zu bemängeln. Beim Vergleich mit BC2 bleibt alles beim Alten. Ich bin noch immer der Meinung, dass sich Battlefield mehr an Teamplayer richtet und Call of Duty eher an die Einzelgänger. Nicht nur die Spielmodi, sondern auch das Equipment belegt meiner Meinung nach diese These. Wer in BC2 und im neuen Addon „Vietnam“ nicht als Team agiert, hat kaum eine Chance, Punkte halten oder einnehmen zu können. Und da BO wie sein Vorgänger sehr schnell ist, werden sich Einzelgänger hier sehr wohl fühlen.
Die Entscheidung fällt schwer. Viele Punkte sprechen klare Worte für „Black Ops“, andere wiederum dagegen. Die Single-Player-Kampagne weiß zwar mit einer interessanten Erzählweise zu überzeugen, ob der Kürze und den mangelnden Neuerungen ist sie aber kein Kaufargument. Anders sieht es da mit dem Multiplayer aus. Vielleicht hat Treyarch auch genau darauf geschielt. Ein kurze und knackige Kampagne, um Spieler auf den bevorstehenden Multiplayer einzustimmen. Dieser bietet dann auch genügend Material, um Sie für den nächsten Monate zu beschäftigen, bis dann „Modern Warfare 3“ heraus kommt. Nein, Spaß bei Seite. „Black Ops“ ist ein durchaus gelungener Titel, der vor allem dank des umfangreichen Mehrspieler-Parts punkten kann. Wer nicht gerne online spielt, wird aber keine Freude haben.
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