Comics und die Comic-Helden werden wohl nie aussterben. Auch in einer Zeit, in der die Animationsfilme wie Pilze aus dem Boden schießen, werden die alten 2D-Comics nicht vergessen. Eine Hommage an den wohl ältesten und weltbekanntesten Comic-Helden lieferte nun die Spieleschmiede Junction Point mit dem Nintendo Wii-Exklusivtitel „Disney Micky Epic“ ab. Der Titel ist ab heute im Handel erhältlich und wurde von den Disney Interactive Studios veröffentlicht. Ob der Titel auch hält, was er im Vorfeld versprach, erfahren Sie im folgenden Review.
Background
Der „Deus Ex“ und „Thief“-Co-Creator Warren Spector ist einer der Hauptverantwortlichen bei der Entwicklung des dunklen Action-Adventure rund um die niedliche Maus mit den großen Ohren. Im März 2005 gründete Spector zusammen mit ehemaligen Entwicklern von Looking Glass und Ion Sturm die Spieleschmiede Junction Point, die im Jahre 2007 von Disney übernommen wurde. Als erstes prominentes Werk sollte ein Nintendo Wii-Exklusivtitel entstehen, der den wohl größten Disney-Helden aller Zeiten ehren sollte. Hier der offizielle Ankündigungstrailer zum Titel:
Die Geschichte von „Disney Mickey Epic“ wird mit einem fantastischen Intro, das es in dieser Qualität auch auf eine Kinoleinwand schaffen würde, eingeleitet. In diesem Video erfahren Sie, das Micky Maus nichts ahnend in seinem Bettchen liegt, als er eines Tages, genauer gesagt am 25. März, von einem Spiegel, der gegenüber dem Bett steht, magisch angezogen wird. Micky geht dem Ganzen auf den Grund und berührt den Spiegel, und auf einmal gibt der Spiegel nach und Mickey landet in einer magischen Welt. Dort hört er einen Magier (Anm. Meister Yen Sid) sprechen, der etwas von einem neuen Kunstwerk, das er gerade erschaffen hat, erzählt. Micky lauscht den Worten des Magiers, bis dieser den Pinsel zur Seite legt und sich aus dem Raum verabschiedet. Voller Neugierde geht Micky zu diesem Kunstwerk und beginnt, darüber den Pinsel zu schwingen, als plötzlich ein Farbmonster auf dem Tisch erscheint und Micky voller Angst und Verzweiflung noch mehr Farbe auf dem Kunstwerk verteilt.
Der Magier hätte wohl besser nicht die Malutensilien so sorglos liegen lassen sollen. Als Micky versucht, seinen Fehler zu beseitigen, sieht er den Magier zurückkommen und entscheidet sich, so schnell wie möglich zu fliehen. Der Magier sieht das verunstaltete Kunstwerk und weiß, dass die Welt, die er kurz zuvor geschaffen hat, verwüstet und nicht wieder zu erkennen ist. Der Magier fand nicht früh genug heraus, wer der Eindringling war, und Micky lebte weiter in den Tag hinein, als plötzlich der Frieden auch in der Welt von Micky durcheinander gebracht wird. Monate nach Mickys Besuch beim Magier taucht auf einmal ein Farbmonster in Mickys Zimmer auf und zerrt den Comichelden durch den Spiegel in die von Micky verwüstete Welt. Hier das Story-Intro zum Selbstansehen:
In dieser magischen Welt angekommen, bleibt Micky zunächst bewusstlos am Boden liegen. Als er wieder zu sich kommt, blickt er sich verwirrt um und stellt fest, dass er mit Handfesseln an einen Tisch gekettet wurde. Eher er versteht, was hier passiert ist, erblickt er einen irren Wissenschaftler, der nur diabolisch lacht und dabei die Hände reibt. Was ist das für ein seltsamer Konsorte? Während der Wissenschaftler eine Maschine in Gang setzt, schleicht sich ein weiterer Disney-Held ins Geschehen. Die Rede ist von Oswald. Die Maschine versucht Micky, auf grausame Art und Weise das Lebenslicht auszublasen, ehe sich Micky voller Todesangst befreien kann. Er schnappt sich einen Pinsel, der vor ihm liegt und stellt sich einem riesigen Farbmonster entgegen. Voller Angst verschwindet das Wesen beim Anblick von Micky und dem Pinsel. Oswald ist das ganze nicht geheuer und flüchtet. Was jetzt übrig bleibt, ist Micky und diese todeshungrige Maschine, die gleich Jagd auf Micky macht. Wird sich Micky aus dieser üblen Situation befreien können? Und wird Micky den Frieden in dieser magischen Welt wieder herstellen können? Finden Sie es selbst heraus!
Gameplay
“Disney Micky Epic“ ist ein typisches Action-Adventure auf der Nintendo Wii, das den Held in einer Third Person-Sicht zeigt. Zu Beginn rennen Sie nur herum, ohne jeden wirklichen Plan. Das Drücken aller Tasten bewirkt auch wenig bis gar nichts. Gerade einmal springen funktioniert, als plötzlich ein kleiner Kobold am Bildschirm erscheint. Dieser erklärt Ihnen die ersten Steuerungsbasics und steht Ihnen hilfreich zur Seite. Nach wenigen Minuten haben Sie dann diese Monstermaschine erledigt, und die Reise durch diese magische Welt kann fortgesetzt werden.
Im nächsten Abschnitt erfahren Sie dann, dass Sie in der Rolle von Micky Maus die Welt verändern können, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bewaffnet mit Verdünner und Farbe können Sie die Welt beliebig neu gestalten und verändern. Beispielsweise können Sie Wände „wegverdünnen“ oder mit der Farbe Zahnräder, Treppen und vieles mehr erschaffen. Oft müssen Sie diese beiden Malutensilien auch kombiniert verwenden. Wenn beispielsweise einige Gesteinsbrocken vor Ihnen liegen und den Weg blockieren, können Sie einfach den Boden verdünnen. Die Steine fallen dann auf eine tiefere Ebene, und mit der Farbe können Sie den Weg wieder herbeizaubern. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten und wirkt äußerst kreativ und einfallsreich.
Doch so einfach ist das Ganze auch wieder nicht. Neben Kleckswesen (kleine Farbmonster), die besiegt werden müssen, warten auch einige Denkpassagen auf Sie, in denen Sie Ihren Verdünner und Pinsel geschickt einsetzen müssen. Weiters müssen Sie viel springen und einen gewissen Grad an Geschicklichkeit an den Tag legen, um nicht andauernd in ätzendem Schleim zu sterben. Das ist gar nicht so einfach, wie es auf dem ersten Blick aussieht, weil die Kamera über weite Strecken gut funktioniert, auch selbst nachjustiert werden kann, aber trotzdem ab und zu nicht den optimalen Einblick in die Situation vermittelt.
Witzig ist auch die Art und Weise, wie man Gegner besiegt. Zum einen gibt es die Möglichkeit mit einer Wirbelattacke, diese kurzzeitig auszuschalten, aber zum anderen können Sie auch Ihre Malerutensilien verwenden. Wenn Sie beispielsweise Verdünner auf die Feinde spritzen, lösen dieses sich in Luft auf. Auf der anderen Seite können Sie die Feinde auch mit Farbe zukleistern, bis sie sich, vermutlich wegen des betörenden Farbgeruchs, nicht mehr auskennen und Micky verehrend durch die Welt laufen. Hier ein Gameplaytrailer:
Auf Ihrer Reise, die Sie an abwechslungsreiche Orte bringt, gibt es viel Gutes zu tun. So helfen Sie beispielsweise vielen Kobolden, die gefangen wurden, aus der Patsche. Diese Kobolde revanchieren sich dann auch meistens oder sind auch teilweise recht dreist. Da befreit man einen Kobold und zum Dank verlangt er noch Tickets (Ingame-Währung ähnlich wie Goldmünzen bei „Super Mario“ oder Ringe bei Sonic) für eine hilfreiche Aktion, die er für Sie erledigen kann.
Zwischendurch gibt es zur Abwechslung kultige 2D-Levels, die teilweise typische Comicsequenzen zeigen. In diesen 2D-Levels gibt es jeweils eine Filmrolle zu finden, wovon im gesamten Spiel 36 versteckt sind.
Neben den Filmrollen gibt es noch 105 Anstecker in den Farben Gold, Silber oder Bronze und eine Vielzahl an Tickets zu sammeln. Alles in allem ist das Gameplay wirklich fesselnd und vor allem auch von der ersten Minute an intuitiv. Man hat es verstanden, die Möglichkeiten, welche die Nintendo Wii bietet, kreativ umzusetzen und somit eines der besten Wii-Spiele des Jahres zu erschaffen.
Grafisch ist der Titel voll gelungen. Es erwartet Sie ein herrlicher 3D- und 2D-Mix von abwechslungsreichen Levels, in denen viel Liebe zu Detail steckt. Die Animationen wie auch die Videos zwischendurch machen Lust auf mehr und treiben die Story sehr gut voran. Hier gibt es wirklich nichts zu meckern. Besonders gelungen finde ich die Animationen, wenn man mit Verdünner oder Farbe die Spielwelt nach eigenen Vorstellungen umgestaltet.
Auf der Soundseite gibt es ebenfalls nicht viel zu meckern. Die Melodien im Hintergrund sorgen für eine etwas düstere Stimmung, die absolut zum Titel passt. Einziger Kritikpunkt hier ist für mich die Sprachausgabe. Denn anstatt die Originalstimme von Micky auszugeben, erwartet Sie ein unverständliches Gebrabbel. Vielleicht gefällt das dem einen oder anderen, aber mich persönlich würde eher Sprachausgabe statt Untertitel überzeugen. Hier ein Behind the Scenes-Video zum Thema Sound und Musik:
Die Steuerung wird am Anfang behutsam erklärt, ohne dabei wirklich als Tutorial aufzufallen. In der Prologsequenz, in der Sie dem Maschinenmonster gegenüberstehen, erfahren Sie die Basics vom Kobold Gus, der Ihnen später auch noch die Verwendung des Verdünners und der Farbe erklärt. Das Ganze funktioniert über weite Strecken gut, wenn auch hier und da Aussetzer zu erkennen sind. Dann zielt man mit der Pointerfunktion an einen Punkt, der Farbstrahl wandert aber nicht dorthin. Das nervt hin und wieder. Das ist aber eher kleinliches Jammern auf hohem Niveau. Dafür wurden nahezu alle Möglichkeiten, die die Wii in puncto Steuerung bietet, ausgenützt.
Es wäre witzig gewesen, einen Koop-Modus zum Beispiel mit Micky und Oswald im Spiel zu erleben, doch davon haben die Entwickler abgesehen. Es gibt keinerlei Multiplayer noch Onlinefeatures zu entdecken.
Atmosphäre
Die Atmosphäre ist meiner Meinung nach die größte Stärke des Titels. Warren Spector und dem Entwicklerteam bei Junction Point ist es gelungen, den Zauber der Disney Comics perfekt in ein Videospiel abzubilden. Die Spielwelt, die Story, das Gesamtpaket stimmt von vorne bis hinten! Echt klasse!
Alles in allem kann man den Entwickler nur ein großes Lob aussprechen. Es gibt nicht sehr viele Action-Adventures auf der Nintendo Wii, die auch Core Gamer ansprechen, aber „Disney Micky Epic“ zeigt, dass es möglich ist, auch auf der Nintendo Wii Spieler stundenlang vor den Fernseher zu fesseln. Das Gesamtpaket ist fantastisch!
Die Vorteile für registrierte User auf GamingXP werden nach Abschluss der Beta-Phase noch weiter ausgebaut. Helfen Sie mit, das beste GamingXP aller Zeiten zu bauen!
Melde dich gleich jetzt für die Closed Beta des XP Clubs an! Es erwarten sich coole Community-Aktiväten und attraktive Preise! Hier geht's zum XP Club!