Das lang erwartete Rollenspiel aus der französischen Schmiede der Arkane Studios, durch die österreichische JoWooD Productions AG veröffentlicht, ließ in den Herzen der RPG-Spieler viel Hoffnung auf einen großen Fortschritt des PC-Rollenspiel-Genres aufkommen. Besonders deutschsprachige Spieler konnten sich, wie es selten der Fall ist, über das Releasedatum der deutschen Version freuen, das natürlich früher als das der internationalen Ausgabe, die im September veröffentlicht wird, angesetzt war.
Story
Einst gab es eine wunderbare Stadt namens "Arx", die unter einem guten, edlen König voll in ihrer Kultur erblühen konnte. Doch eines Tages begann die Sonne mehr und mehr für immer unterzugehen. Es wurde kalt und dunkel und unter solchen Bedingungen war es den Menschen kaum möglich zu überleben. Also beschloß der König, die gesamte Stadt "Arx" in die großen, verlassenen Minen der Zwerge zu verlegen, in denen die Menschheit überleben konnte.
Menschen, Zwerge und Orcs, alle halfen damals zusammen, um dem schrecklichen Schicksal, das ihnen zuteil geworden war, gerecht zu werden. Doch mit der Zeit lebten die alten, feindlich gesinnten Beziehungen zwischen den Rassen wieder auf und das Böse drohte aufzukommen. Als Auserwählter haben Sie die Möglichkeit und die Pflicht, das Gleichgewicht wieder herzustellen.
Gameplay
"Arx Fatalis" lässt sich komplett aus der Ego-Perspektive steuern. Neben all den Waffen und Rüstungen zeigt das im Preview schon angesprochene Spell-System eine Besonderheit dieses Spiels. Beim Aktivieren des "Magic"-Modus muss der Spieler mit der Maus verschiedene Runensymbole in einer bestimmten Reihenfolge zeichnen. Wurde ein Runensymbol erfolgreich gezeichnet, erscheint das Symbol nochmals am rechten oberen Bildrand. Im Laufe des Spiels erhält man immer mehr Runen und die dazugehörigen Kombinationen, aus denen sich ein Zauberspruch zusammensetzt. Nach erfolgreicher Kombinationen der Runensymbole wird der Zauberspruch nun entweder sofort losgelassen oder durch Drücken der Shift-Taste auf einem der drei Zauber-Speicherplätze für den späteren Einsatz gespeichert.
Neben den actiongeladenen Szenarien wird vom Spieler ebenso die Lösung von mehr oder weniger kniffligen Rätseln erwartet. Mir persönlich waren die Rätsel etwas zu wenig raffiniert: Oftmals genügt zur Lösung nur das Abschneiden eines Wandteppichs mit dahinterliegendem Gang oder das Wegschieben eines Steines. Zwar werden die Aufgaben im Laufe des Spiels etwas schwieriger, aber wirklich komplexe Missionen sucht man vergeblich.
"Arx Fatalis" kommt natürlich nicht einmal annähernd an die Komplexität von einem Titel wie "Morrowind" heran, dies wäre aber auch nicht im Sinne der Entwickler gewesen. "Arx" ist ein absolut lineares Rollenspiel, in dem der Spieler genau weiß, in welche Richtung sein nächster Schritt gehen muss.
Grafik
Grafisch hätte ich mir eigentlich mehr erwartet. Obwohl die Städte und Höhlen mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden sind, ist die Grafik-Engine doch sehr veraltet und erinnert teilweise stark an die alte und beliebte "Thief"-Serie. Stark enttäuscht bin ich von den Lippenbewegungen und Gesten der Charaktere, die absolut unsynchron zu der Sprachausgabe wirken. Das zur Option gestellte Bump-Mapping hat im Prinzip kaum einen Nutzen, denn es scheint so, als wäre bei jeder Wand, bei näherer Betrachtung, die gleiche Map für das Bump-Mapping eingesetzt worden. Nebenbei erlaubt sich "Arx" auch noch einige fatale Clipping-Fehler, die sogar noch nach Installation des neuesten Patches zu sehen sind. So kann es zum Beispiel bei dem Kampf gegen den Drachen, wie einer unser Screenshots zeigt, vorkommen, dass wir uns plötzlich "in" dem Drachen befinden, was nicht gerade von Qualität zeugt.
Obwohl die Idee, Städte in Höhlen zu bauen, einen interessanten Eindruck macht, könnte man nebenbei auch noch kritisch bemerken, dass sich dadurch die Entwickler das Kreieren eines Himmels- bzw. Wettersystems erspart haben. "Morrowind" hingegen als Musterbeispiel blüht geradezu durch die hervorragende Integration von verschiedensten Wetterlagen auf.
Sound
Auch in punkto Sound ähnelt "Arx Fatalis" stark der "Thief"-Serie, was wiederum beweist, dass wir es auch mit einem Adventure-Titel zu tun haben. Der Spieler soll durch Synthesizer-Umgebungsklänge in die Stimmung der jeweiligen Location versetzt werden, was auch durchaus gelingt und zum Spielerlebnis beiträgt. So freute ich mich zum Beispiel sehr, bei der Begegnung des Königs in der Burg nebenbei die Musik des unterhaltenden Lautenspielers zu hören.
Steuerung
Wie schon erwähnt, lässt sich Arx zum größten Teil wie ein First-Person-Shooter mit dem altbekannten WASD-Layout spielen. Inventar, Logbuch und die Runenkarte lassen sich entweder bequem durch Shortcuts oder auch unkompliziert mit der Maus aufrufen. Im Kampf-Modus wird die ausgestattete Waffe gezogen und je nach Länge des Ausholens unterschiedlich stark auf den Gegner geschmettert. Wie im Punkt "Gameplay" bereits beschrieben, werden im Magie-Modus die einzelnen Runen in verschiedensten Kombinationen gezeichnet. "Arx" ist also leicht zu steuern und damit genauso auch für Anfänger geeignet.
Zusammenfassung
"Arx Fatalis" konnte zwar nicht meine Erwartungen befriedigen, bietet allerdings sicherlich einigen Spielern schöne Stunden. Eine nette Story, einfaches, lineares Gameplay und der Touch eines Adventure-Games bieten den Spielern, denen "Morrowind" zu komplex und zu viel Zeitaufwand bedeutet, eine gute Alternative. Qualitativ kann "Arx Fatalis" aber leider nicht an "Morrowind" herangekommen. Etliche Abstürze und verärgernde Clipping-Fehler sogar bei gepatchter Version lassen Frust aufkommen und zeigen wieder einmal wie wichtig es wäre, auf eine genügend lange und genaue Beta-Testphase zu setzen.