Die Neuauflage des 80er-Jahre Piratenepos „Sid Meier’s Pirates!“, das erstmals 2004 auf dem PC in neuem Glanz erstrahlte, findet nun endlich den Weg auf Nintendo Wii. Ob der Titel auch in der jüngsten Portierung karibischen Seeräuber-Charme hat oder ob doch eher spielerische Flaute herrscht, lesen Sie in unserem Review.
Sid Meier, der Visionär hinter Spielen wie der „Civilization“-Reihe, feierte bereits in den 80ern große Erfolge mit seinem damaligen Piratenepos „Sid Meier’s Pirates!“, das 2004 überaus erfolgreich für den PC neu aufgelegt und frisch poliert wurde. Schritt für Schritt folgten Ports auf die anderen wichtigen Systeme und Plattformen bis es nun – sechs Jahre später – auch Nintendos Next-Gen-Konsole erreicht hat. Die Story hat sich nicht geändert, immer noch wird ihre Familie vom finsteren Marquis unterjocht, den Sie – sofern Ihnen im damals noch recht unbekannten Sandbox-Setting danach ist – aufzufinden versuchen, um Rache zu üben und Ihre vermissten Familienmitglieder aufzuspüren, nachdem sie nur mal schnell während der Überfahrt in die neue Welt eine Meuterei anführen, um ein Schiff an sich zu reißen.
„Sid Meier’s Pirates!“ ist purstes Sandbox-Feeling, denn Ihre Aufgabe, den Erzbösewicht zu jagen, wird zu Beginn des Spiels stets nur sehr vage vermittelt, und wer will nicht zuallererst einfach drauf los in See stechen und das erstbeste Handelsschiff kapern? So können Sie unter einer von vier nationalen Flaggen segeln und durch Kampf gegen eine oder mehrere verfeindete Nationen in der Gunst des lokalen Gouverneurs (und seiner Tochter) aufsteigen, oder in echter Piratenmanier Schiffe aller Länder von ihren lästigen Dublonen erleichtern. Auf Ihren Beutezügen sollten Sie auch stets genug Verpflegung bei sich haben, um Ihre Crew nicht zu verstimmen, da diese nicht davor zurück schreckt, im schlimmsten Fall mit einem Schiff Ihrer Flotte davon zu segeln. Selbst die Möglichkeit, durch friedfertigen Handel zu gutem Reichtum zu gelangen bietet sich, sollte man vom eigenen Gewissen heimgesucht werden.
Die zehn berüchtigtsten Seeräuber der karibischen See warten außerdem darauf, sich um ihren Rang innerhalb der Piratenzunft zu duellieren; all dies steht Ihnen frei, bis Sie sich dazu entschließen, in einen schönen Hafen einzulaufen, die Beute zu teilen, und die Segelkarriere an den Nagel zu hängen, was eine nette Zusammenfassung dessen mit sich bringt, was nach Ihren Abenteuern aus Ihrem Charakter geworden ist. Fünf Schwierigkeitsgrade bieten unterschiedlich erfahrenen Spielern so jedes Niveau – von gegnerischen Schiffen, die ihre Ladung fast freiwillig hergeben, bis zu taktischen Seeschlachten, in denen jede Kanonensalve Ihr Ende sein könnte.
Grafik und Sound
Als „Sid Meier’s Pirates!“ 2004 auf dem PC erneut die Segel setzte, wartete es mit schöner Grafik auf. Unglücklicherweise hat sich diese bis zum Einlaufen in Nintendos Hafen nicht verändert und wirkt selbst für die begrenzten Kapazitäten der Wii überholt. Die zeitlose Musikuntermalung hat hingegen nichts von ihrem Charme verloren und trägt zum Piratenambiente bei.
„Pirates!“ wird durch große Teile des Spiels nur über das D-Pad der WiiMote gesteuert. Durch Menüs navigieren Sie auf und ab, und Ihr Schiff lassen Sie so einfach nach Backbord oder Steuerbord segeln. Die Knöpfe bringen Sie ins Menü, starten Angriffsmanöver auf feindliche Schiffe oder raffen die Segel – so einfach, so makellos. Wie bei etlichen anderen Wii-Titeln wirkt es allerdings, als wäre die bloße Existenz der Bewegungserkennung der Fernbedienung eine Verpflichtung dieses Eingabeschema – wenn auch noch so zwanghaft – ins Spiel einzubauen. Wo, wenn nicht bei den Säbelduellen mit den Kapitänen geenterter Schiffe?
Durch gezieltes Schwingen können Sie so hohe, tiefe oder gerade Angriffe ausführen oder auf Knopfdruck ausweichen. Zum Glück kommt es eher aufs Timing als auf die Richtung an, da die Bewegungserkennung so schwammig ist, dass Sie auch zielloses Wackeln zum Sieg führt. Weniger Glück haben Sie leider bei den Tanzeinlagen mit den Gouverneurstöchtern, da hier die Steuerung beinahe komplett versagt. Neu auf der Wii sind allerdings die zwei einzigen gut steuerbaren Minigames: der Beschuss feindlicher Städte von Seeseite, und das Knacken Ihres Zellenschlosses, sollten Sie einmal von Piratenjägern erwischt werden.
Der Multiplayer von „Sid Meier’s Pirates!“ ist leider zu vernachlässigen. Der zweite Spieler kann lediglich das Raffen der Segel übernehmen oder bei Duellen in Form eines Papageien mitkämpfen. Diese Implementierung des Mehrspielers ist nicht sehr sinnvoll, da sie für den begleitenden Spieler vor allem langweilig ist.
Atmosphärisch ist „Pirates!“ ganz stark; sowohl die Gier nach Gold und vergrabenen Schätzen als auch die Diplomatie mit den regierenden Nationen ziehen einen sofort in ihren Bann. Neben dem Aufstieg zum meistgefürchteten Piraten und dem Ausbau des eigenen Schiffes und der Flotte geht die eigentliche Rahmenhandlung sogar unter.
Zusammenfassung
„Sid Meier’s Pirates!“ ist Kult – daran ändert sich nichts. Das Spielerlebnis ist genauso gut wie anno 2004 bzw. genauso schlecht. Bugs und Eigenheiten, wie das Schneckentempo beim Segeln gen Osten sind immer noch da, aber das tolle Spielerlebnis bleibt. Ein Grafikupdate hätte in den sechs Jahren aber gut getan!
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