Nicht ganz so ernst und düster nimmt sich der neueste Ableger des „Der Herr der Ringe“-Franchises, und zwar ist dieser Teil, der sich ganz und gar Aragorn widmet, sogar gut auf die Jungen unter uns zugeschnitten. Farbenfroh und comiclike: Wie passen diese Attribute zum edlen Streicher? Lesen Sie unser Review!
15 Jahre nach den Ereignissen von Buch und Film hat sich im Auenland einiges getan: Samweis Gamdschie, der Hobbit an der Seite seines besten Freundes Frodo, ist zum Bürgermeister von Beutelsend ernannt worden. Aragorn wurde zum König ernannt, und der Ringträger Frodo ging bekanntlich mit den Elben weit weg. Nach einem coolen Intro und einer kurzen Gameplay-Sequenz, wo Sie als Aragorn an der Seite von Gimli, Gandalf und Legolas gegen Trolle und andere Bösewichte kämpfen, gibt es einen etwas überraschenden Schnitt. Bevor wir weitere Einzelheiten aufklären, haben wir hier einen Trailer für Sie!
Die Geschichte beginnt so richtig, als Sie sich unversehens in Beutelsend wiederfinden: Samweis Gamdschie muss nämlich das Dorf auf die Ankunft des neuen Königs Elessar (der elbische Name für Aragorn) vorbereiten, da dieser auf Besuch kommen will. Sie übernehmen die Steuerung von Frodo, dem Sohn von Sam, und als mutigstes Kind im ganzen Dorf laufen Sie natürlich mit Schwert und Schild aus Holz durch die Gegend. Die Vorbereitungen für das Fest dienen Ihnen als Tutorial, und so werden Sie sanft in die Grundlagen des Spiels eingeführt. Mittels Schwerthieben, Schildblockaden und Ausweichmanövern schaffen Sie es problemlos durch die ersten Kämpfe, und eine Zwischensequenz später stehen Sie vor der Kneipe „Zum tänzelnden Pony“. Ja, dort traf der Waldläufer Aragorn erstmals auf die Gefährten des Rings, und weil Samweis eine gute Geschichte erzählen will, sind Sie nun am Zug: Als Aragorn (als Hauptspieler) können Sie gemeinsam an der Seite von Gandalf (als zweiter Spieler, jederzeit ein- und auszusteigen) den Hauptpunkten der Story folgen.
Nachdem Sie erfolgreich vor den Nazgul geflohen sind, wartet noch eine Vielzahl von weiteren Schlachten auf Sie! Sie bestreiten das Geschehen aus der Third Person-Perspektive, und im Falle einer auftretenden Verwirrung dürfen Sie jederzeit einen aus leuchtenden Kügelchen bestehenden Tipp aktivieren, der Ihnen genau verrät, wo es hingeht. Mit dem Schwert in der Hand und dem coolen Sound im Ohr schneiden Sie sich also durch die Feindesreihen, um auch in Sams Geschichte den Ring seinem ehrwürdigen Ende näherzubringen.
Grafik und Sound
Ein Mix aus Realismus und Comic würde die Optik bestmöglich beschreiben: Während Legolas einem Orlando Bloom täuschend ähnlich sieht, wurde bei Gimli und Gandalf beispielsweise kaum nach den Schauspielern modelliert. Mit einigen Blur-Effekten und zuckersüßer, kunterbunter Comic-Grafik kann „Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn“ bei dem harten Core-Gamer kaum punkten, doch als Partyspiel würde der Titel wunderbar funktionieren. Noch ein kleiner Beweis gefällig?
Der Pluspunkt an dieser Sache ist jedoch, dass die Engine auf der PS3 niemals ruckelt. Nie. Denn da die Grafikabteilung anscheinend völlig unterfordert ist, läuft das Geschehen sehr flüssig ab und geht auch dann nicht in die Knie, wenn Sie zu zweit gegen einen Riesenhaufen an Gegnern ankämpfen! Allerdings hat die PS3-Version einen entscheidenden Nachteil: Die Gesichter, Umgebungen und auch die Animationen sehen so aus, als ob die Wii-Version als erstes entwickelt worden wäre und Sonys Konsole nur eine Portierung spendiert bekommen hätte. Die hochauflösenden Sequenzen sehen zwar ganz ordentlich aus, doch was ein richtiger PS3-Titel ist, könnte schon Spielgrafik auf diesem Niveau darstellen! Auch an der Soundfront wurde qualitativ etwas gespart, zwar gibt es gute Sprecher, die ihre Arbeit ganz sorgfältig erledigt haben, doch die Sprachausgabe klingt oft etwas verhunzt. Die Effekte wiederholen sich schon mal ganz gerne, und alles in allem haben Sie das Gefühl, als ob die PS3 nicht wirklich ausgereizt wird. Zu Recht!
Steuerung
“Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn“ kommt ebenfalls für die Wii in den Handel, und so war es naheliegend, dass das Spiel auch PlayStation Move unterstützt. Doch seien Sie gewarnt: Von der Perfektion wie bei „Sports Champions“ oder einem „Heavy Rain“ ist man bei diesem Game weit entfernt. Die Eingaben werden oft falsch interpretiert, so funktionieren Aufwärtshiebe nur umständlich und die präzisen Hiebe überhaupt erst schlecht, und ein weiterer Punkt ist etwas seltsam geraten: Haben Sie nämlich keinen Navigationscontroller an Bord, müssen Sie tatsächlich mit einem Dualshock-Controller, den Sie mit nur einer Hand halten, navigieren. Der linke Stick ist für die Bewegung zuständig, während Sie mit der L2-Taste den Schild aktivieren: Wäre dies nicht besser auf dem Move-Trigger gelegen? Am allermeisten machte das Spiel mit der ausschließlichen Sixaxis-Steuerung Spaß, denn nicht mal der Navigationscontroller reißt die unterirdische Move-Erkennung noch heraus. Allerdings ist nicht alles verloren, denn es gibt auch Positives zu vermelden, nämlich den...
Der Mehrspielermodus ist das Highlight des Spiels! Mittels Start-Taste kann ein Mitspieler jederzeit einsteigen und als Gandalf an Ihrer Seite so richtig die Magie entfesseln. Mit einem magischen Schild sowie mit mächtigen Feuerbällen bewaffnet erweist sich der Weiße Magier als tatkräftige Unterstützung, und die Kamera versucht so gut wie immer, beide Parteien optimal im Geschehen zu halten. Es ist ganz nett für zwischendurch, da sich mit einem erneuten Druck auf die Start-Taste der Zauberer einfach in Luft auflöst, doch wenn Sie die gesamte Kampagne zu zweit spielen wollen, ist das Abenteuer - ob für Kinder oder nicht - gesamt besehen einfach zu leicht geraten.
Atmosphäre
Wenn Sie ein Fan von Film und Buch sind und sich vom halbwegs qualitativen Comic-Look nicht abschrecken lassen, kann Sie das Abenteuer aus der Erzählung von Samweis Gamdschie durchaus ein wenig fesseln. Kinder, die sich mit Hobbits und den tapferen Recken auseinandersetzen wollen, finden in diesem Spiel ebenso eine würdige Spielumsetzung, doch der wahre Fan wird ob dieses Zugangs eher die Nase rümpfen. Die Geschichte wird gut und in den Kernpunkten stimmig rübergebracht, doch da die Zielgruppe eher die jüngere Käuferschicht ist, wurde natürlich einiges gekürzt: Brutale Szenen, Blutbäder, derbe Witze - diese Aufbereitung des Herrn der Ringe ist sehr kindgerecht ausgefallen. Wenn Sie dennoch einen Blick riskieren wollen, nur zu! Schlecht ist dieses Spiel keineswegs, nur um einiges anders, als man es von Buch und Film erwarten würde.
Vermutlich passt das Spiel besser zur Nintendo Wii, das sei gleich vorweg gesagt. Doch der Mehrspielerpart macht auch auf Sony‘s PS3 ziemlich Laune, und die Engine ist trotz deftigem Comic-Look ohne wirkliche High Definition immer auf einem stabilen Pfad. Ein ganz netter Ansatz für die junge Zielgruppe, doch der wahre Fan wird sich nicht unbedingt in dieses Spiel verlieben. Dass die Move-Steuerung dennoch so verkorkst worden ist, wird nicht so einfach verziehen: Es kann nicht sein, dass die WiiMote besser erkannt wird als Move. Und so geht das Warten auf einen echten „Der Herr der Ringe“-Spielkracher weiter ...
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