Sie wollen an der Ehre gepackt werden? „Medal of Honor“ lässt Sie in die Rolle eines Soldaten schlüpfen, der brav sein Heimatland sowie seine eigene Haut retten will. Wollen Sie sich mit den westlichen Mächten verbünden und bekriegen Sie die Taliban und Al-Qaida? Lesen Sie unsere Eindrücke in unserem Review!
Das Soldatendasein ist schwer, zumindest, wenn es um die Verteidigung eigener Interessen geht. Schon in der ersten Mission wird klar, dass Ihr Vorhaben kein Spaziergang wird: Völlig unerwartet werden Sie und Ihre Kumpanen vom Himmel geholt, und vom Start weg heißt es, per pedes Boden gutzumachen. Schon früh wird klar, dass hier jemand gegen Sie arbeitet, so werden Sie, als Sie Ihre Kontaktperson Tariq retten wollen, aufs Härteste sabotiert und unterwandert. Zum Glück haben Sie schlagkräftige Argumente und jede Menge Munition mitgenommen, und so ballern Sie sich durchs Feindesland. Hier haben wir einen Trailer für Sie!
Überraschend leichtgängig und mit einer sehr kurzen Eingewöhnungsphase präsentiert sich „Medal of Honor“ sowohl für Einsteiger als auch für Veteranen als sehr sportlicher Kamerad. Natürlich müssen Sie in diesem Titel auf die große Action nicht lange warten, und so können Sie schon nach etwa einer Viertelstunde bereits den ersten Flak-Schützen flankieren und ihn binnen Sekunden außer Gefecht setzen - das, was er bei Ihnen nur zu gerne versucht hätte! Schnell wird klar: Sie sind ein Elite-Soldat, und Ihr Codename Rabbit täuscht über Ihre Fähigkeiten mehr als nur hinweg. Als Meister der Waffen geht es für Sie entweder in den Tier 1-Modus (den Online-Modus) oder in die Einzelspielerkampagne, und ohne große Umschweife werden Sie in letzterer mit einer hochqualitativen Introsequenz eingeführt. Die erste Mission lautet gleich, einen gewissen Tariq zu retten und zu befragen.
Der extreme Realismus fällt schon nach wenigen Minuten auf, so werden Einzelkämpfer nahezu sofort mit einem schnellen Tod bestraft, wenn diese meinen, einem Stand-Maschinengewehr im Nahkampf gegenübertreten zu müssen. Vielmehr sollten Sie auf die Ratschläge Ihrer Kameraden hören, und wenn Sie nicht ausreichend in Deckung gehen, passiert der Exitus ebenfalls schneller als gedacht! Haben Sie sich aber erst einmal an die vorsichtige Herangehensweise gewöhnt, spielt sich „Medal of Honor“ äußerst angenehm und verwöhnt Sie mit vielen Details, wenn Sie genau hinsehen. Teamplayer können sich von den Kollegen Munition besorgen, und neben Granaten, einer Pistole, Nahkampfattacken, Schrotgewehren und diversen Maschinengewehren gibt es auch die Möglichkeit, mittels Richtungstasten entweder den Ein-Schuss-Modus (bei halbautomatischen Flinten) oder das Nachtsichtgerät zu aktivieren.
Grafik und Sound
Die Grafik (wenngleich auch sehr düster gehalten) ist eine Augenweide, der Sound schallt rund um Sie, selbst wenn Sie nur die Fernseher-Lautsprecher verwenden. Die Gesichter Ihrer Teammitglieder spiegeln den Gemüts- und Gesundheitszustand gut wieder, und in einem Feuergefecht wird die vormals unbeleuchtete Kulisse im Takt der Munition rasch beleuchtet, sehr eindrucksvoll! Die nahtlosen Übergänge von und in die Zwischensequenzen haben Referenzniveau.
Auch an der Soundtechnik gibt es gar nichts auszusetzen, so wurde an dieser Front größtes Hauptaugenmerk darauf gelegt, dass auch auf normalen TV-Boxen so etwas wie Surround-Gefühl aufkommt. Heimkino-Besitzer werden ohnehin begeistert sein, da die Positionen der Teammitglieder jederzeit wechseln, diese aber ständig in Kommunikation mit Ihnen stehen und Ihnen in schwierigen Momenten auch mal etwas zuflüstern. Die Waffentypen klingen allesamt anders und sind auch vom Zielverhalten unterschiedlich, und die Anweisungen Ihrer Teammitglieder klingen auch in hektischen Situationen klar und deutlich über die Lautsprecher. Viel besser geht es nicht, und so fängt „Medal of Honor“ Sie zweifelsohne schon in einer Stunde locker ein!
Steuerung
Diese funktioniert wie aus einem Guss. Nach nicht mal fünf Minuten Eingewöhnung sprinten, ducken, rutschen und feuern Sie wie aus dem Effeff, wobei das Spielgefühl hierbei wirklich dazu beiträgt, dass Sie schon fast mit dem Hauptcharakter mitleiden! Auch das Gefühl für die richtige Entfernung kommt binnen Minuten auf, egal, ob Sie sprinten oder normal gehen. Zwar wurde der Controller komplett belegt, doch die Tastenbelegung macht auf jeden Fall Sinn, und die logischen Befehle sind jederzeit sehr gut erreichbar.
Auch das Zielen, wohl eines der wichtigsten Punkte im Spiel, funktioniert einwandfrei: Der Analogstick spricht umgehend auf Ihre Eingaben an, und wenn Sie nur minimal antippen, fährt das Fadenkreuz um genau diese Idee in die Richtung Ihrer Wahl. Natürlich ist es knifflig, wenn Sie gleichzeitig laufen und feuern wollen, aber zu leicht sollte „Medal of Honor“ bestimmt nicht werden. Eine gute Balance wurde hier gefunden, und dies gefällt durchaus!
Der Tier 1-Modus hat einen geschichtsträchtigen Hintergrund: Die Tier 1-Operatoren sind direkt der nationalen Befehlsgewalt unterstellt, und die Tier 1-Fraktion ist relativ unbekannt. In ihr sind auserwählte Kämpfer versammelt, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn die Mission keinesfalls scheitern darf. Wie es für einen gewaltigen Mehrspieler-Modus sein soll, benötigt „Medal of Honor“ hierfür zwei Fraktionen, wobei diese einerseits die guten amerikanischen Streitkraft ist, und auf der anderen Seite die Taliban.
Aufgrund Diskussionen mit Hinterbliebenen von Kriegsgefallenen wurde aber nun ein kleiner Rückzieher gemacht, und die böse Fraktion nennt sich von nun an nur noch „Opposing Force“, zu gut Deutsch eben feindliche Streitmacht. Der Schauplatz, Afghanistan, ist jedoch unverändert und lässt Sie weiterhin die gelungene Mehrspieler-Action hautnah erleben!
Atmosphäre
“Medal of Honor“ macht hierbei schon fast alles richtig, denn die Story nimmt nach kurzer Zeit an Fahrt auf, und diverse Einlagen sorgen dafür, dass das Gameplay so schnell nicht fad wird. Wer nur hirnloses Ballern sucht, wird hier nicht fündig! Die überragenden Sprecher, die gelungene und betont düster gehaltene Optik, das Engegefühl in der feindlichen Basis und die Auswahl an coolen Waffen bringen das Kriegsgeschehen optimal an das andere Ende des Bildschirms.
Hier wird es aber Zeit für Kritik auf hohem Niveau: Bei „Medal of Honor“, das so sehr auf Realismus und Authenzität ausgelegt ist, kann es fast nicht sein, dass (gerade in Schneegebieten) die Charaktere keine Fußabdrücke hinterlassen. Ihre Beine sind schlichtweg nicht vorhanden und die Umgebungen sind zwar teilweise beschädigbar, aber keineswegs zerstörbar. Im Endeffekt sieht dies so aus, dass ein Feind hinter einer beliebigen Fassade hocken bleibt, und Sie nach Leibeskräften Ihre Magazine auf das Hindernis abfeuern. Sie sehen zwar, dass sie bröckelt, und noch mehr bröckelt, und schließlich schon sehr mitgenommen aussieht: Dem Feind dahinter geht es aber überraschend gut! Dieser Umstand kann glücklicherweise auch für Ihren Vorteil ausgenutzt werden, und es bewährt sich manches Mal, das Team arbeiten zu lassen, während Sie in Sicherheit das Feuer auf sich ziehen.
Die Frage nach der Zielgruppe zu diesem „Medal of Honor“ ist knifflig zu beantworten: Einerseits wurde viel vom Flair beibehalten, dennoch gibt es einige kleine Veränderungen, die Fans bestimmt auffallen werden. Auch der Schwierigkeitsgrad ist so eine Sache, zwar steigt dieser im Verlauf des Abenteuers an, aber dennoch werden die richtigen Hardcore-Spezialisten stets unterfordert bleiben. Shooter-Fans, die auch andere Spiele („Call of Duty: Modern Warfare 2“ etwa) kennen, dürften ebenso bemerken, dass bei den einen oder anderen Praktiken etwas verstohlen zum Konkurrenten hingesehen wurde. Abgesehen davon präsentiert sich aber hier ein wirklich guter Shooter, der vor allem Einsteigern und Gelegenheitssoldaten genau das bietet, was sie suchen: Knallharte Action vom Feinsten, die Sie so schnell nicht mehr loslassen will!
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