Krieg hat sich geändert. Im Jahr 2171 sind die menschlichen Soldaten in der Unterzahl, und den Großteil der Schlachten fechten moderne Kolosse aus, die Wanzer genannt werden. Die mobilen zweibeinigen Panzer sind beeindruckend, doch ist es auch „Front Mission Evolved“? Lesen Sie unser Review!
2171: Das All wird langsam, aber sicher in ein Netzwerk von Stützpunkten für die diversen Militärstützpunkte auf den Planeten verwandelt. Mittlerweile haben die Maschinen das Kampfgeschehen übernommen, und Soldaten sind nur noch selten auf dem Schlachtfeld anzutreffen. Panzer, Helikopter und Wanzer (kurz für Wanderpanzer) sind nun die Stars im Krieg, und Sie spielen einen von ihnen. Ein Wanzer ist nichts anderes als ein Panzer auf zwei Beinen, ähnlich wie die Protagonisten aus der "Mechwarrior"-Serie. Bevor wir ins Detail gehen, haben wir hier einen Trailer für Sie!
Sie spielen einen jungen Mann namens Dylan Ramsey, dessen Vater bei einem Anschlag auf das nationale Research-Labor spurlos verschwindet. Ist er tot? Wurde er verschleppt? Nichts scheint sicher, und aus Rache schließen Sie sich einer militärischen Bewegung an und kämpfen mit einem nicht näher typisierten Wanzer-Prototyp an der Seite mit Kollegen gegen das Böse. Der völlig individualisierbare Wanzer lässt sich mit zwei Hand- und zwei Schulterwaffen, diversen Rüstungszusätzen und Boni ausstatten, was einen Großteil der Action in "Front Mission Evolved" ausmacht. Der Wanzer namens Wiz hat von Dylan ein paar besondere Specials spendiert bekommen, so kann sich das Gerät in bestehende Netzwerke hacken und bestimmte Frequenzen überwachen. Ebenso gibt es ein erweitertes Ortungssystem, das den normalen Wanzern der anderen Kollegen so nicht zur Seite steht.
Der Ausgangspunkt der Geschichte ist nicht nur der Angriff auf das National Research Lab, sondern auch die weiterführende Attacke auf den Weltraumlift Parcival, der den Planeten mit dem gigantischen All-Netzwerk verbindet. Dieser Lift hatte das Leben um so viel einfacher gemacht, und nun scheint alles verloren: Parcival droht am Beginn der Geschichte auf das fiktive New York zu stürzen. Ob Sie das noch verhindern können? Im selben Atemzug lernen Sie den ebenfalls einzigartigen E.D.G.E.-Modus Ihres Prototypen kennen, der Ihr Arbeitsgerät schneller und durchschlagskräftiger macht. Durch das Anzapfen des Neuronensystems des Piloten werden der Mensch und die Maschine für kurze Zeit eins, was aber nicht überall für positive Rückmeldung sorgt - viele haben Angst um die Schäden, welche ein solches Vorgehen mit sich bringen kann. Dylan ist das herzlich egal, immerhin hat sein Vater diese Methode entwickelt, und so vertraut er voll und ganz auf das E.D.G.E.-System.
Mit Ihrem Wanzer an Ihrer Seite (Vorsicht, nicht alle Missionen werden aus einem Wanzer gespielt!) dürfen Sie also nach Herzenslust Maschinen ausschalten, wie Sie möchten. Beispielsweise dürfen Sie via Schultergeschoss entweder ein Maschinengewehr, zielsuchende Raketen oder exotischere Waffen abfeuern, während Sie auch im Nahkampf mit einem kräftigen Haken den meisten Gegnern mit nur einem Schlag die Lichter ausblasen. Falls Sie einmal in die Fänge eines gegnerischen Raketen-Anvisier-Systems kommen sollten, wird Ihnen das in einem schönen Rot angezeigt, und Sie dürfen einen eingebauten Boost nutzen, um entweder schneller voranzukommen oder rasche Ausweichmanöver zu starten. Im Verlauf des Spiels treten Sie dem Militär bei und dürfen so Ihren Wanzer weiter aufrüsten, es ist also keineswegs ausgeschlossen, dass Sie bei einer Mission mit zwei Maschinengewehren auf Ihren Schultern voll losballern dürfen! Auch Missionen zu Fuß und in anderen Vehikeln warten auf Sie, und so dürfte auch für die Abwechslung zumindest geringfügig gesorgt sein. Dennoch beinhalten die Missionen so gut wie immer „Finden und zerstören“, ein „Entkomme rechtzeitig“-Akt ist ebenso eingestreut, und die Geschichte bietet immer sinnige Übergänge zwischen den einzelnen Levels. Klingt doch nicht so schlecht!
Grafisch wartet das Spiel mit zwei Höhepunkten auf: Die Animationen laufen butterweich ab, und es vermag durchaus zu gefallen, wie die Wanzer aussehen. Auf Hochglanz poliert kann jeder für die Story relevanter Wanderpanzer echt überzeugen, doch die Gegner sehen bestenfalls nur schrottreif aus. Zwei Raketen später sind sie es auch! Die Umgebungstexturen wurden im Vergleich zur Preview-Version etwas verbessert, kommen aber über einen guten Durchschnitt nicht hinweg: Zu leer und trist wirken die Städte, was zwar einerseits Absicht sein mag, aber andererseits auch nicht wirklich viel Abwechslung fürs Auge bietet.
Beim Fallen ins Meer beispielsweise offenbart sich ihnen eine einzelne bläulich gehaltene Textur, die das Meer darstellen soll, Bäume sehen ziemlich zweidimensional aus und auch die Explosionen, wenn Sie über ein Auto marschieren, können nicht zu hundert Prozent überzeugen. Auch, wenn Sie von einer Brücke ins Nichts fallen, sehen Sie eine Mini-Explosion (eines Wanzers völlig unwürdig) auf einer meist einfärbigen Textur. Dennoch gibt es nicht nur Schatten, sondern auch Licht: Zielsuchende Raketen ziehen einen schönen Rauchschweif hinter sich her, zerstörte Wanzer fallen korrekt auseinander und hinterlassen oftmals ein leuchtendes Feuerwerk, und die Zwischensequenzen können sich bis auf die Charaktere sehen lassen!
Der Sound schneidet am besten ab, da sich wirklich überall etwas tut. Explosionen, sich bewegende Wanzer, Raketen, die durch die Luft schwirren: Einfach alles scheint ein Geräusch zu verursachen und sorgt für eine bewegende Akustik! Auch hier gilt aber, dass Sie sich mit der Zeit nicht nur sattsehen, sondern ebenso satthören. Da die Geräuschkulisse äußerst bleihaltig ist und nur durch gelegentliche Einwürfe der ordentlichen Synchronsprecher unterbrochen wird, werden Sie nach einer gewissen Spielzeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Lautstärkepegel nach unten korrigieren.
Nicht nur die Akustik, auch die Steuerbarkeit des Titels ist durchaus vorzeigbar: Sehr angenehm und intuitiv steuert sich der Wanzer, spätestens mit dem Abschließen des Tutorials haben Sie das Handling des Kriegsgeräts mehr als nur intus. Ein integrierter Boost ermöglicht es Ihnen, kurzzeitig zu schweben oder geringfügig länger an Land herumzubrausen, kombiniert mit einer Nahkampfattacke eines eingebauten Schwerts teilen Sie so gut wie jeden Gegner mit einem Hieb in zwei Teile. Es warten auch zusätzlich Maschinengewehre, Schrotflinten, zielsuchende Raketen und ein Ausweichmanöver auf Sie: Der Controller ist voll belegt und fordert gerade so viel, wie es gut ist. Die Schwierigkeitsstufen sind fair gesät und lassen Neulingen sowie Kampferprobten immer ausreichend viel Raum für Experimente!
Teambasiertes Gameplay wird in „Front MIssion Evolved“ ganz groß geschrieben, und am häufigsten treten die 4 gegen 4-Kämpfe auf. Doch hier wäre es am besten, wenn Sie sich das Ganze selbst ansehen können! Hier haben wir noch ein Entwickler-Video für Sie:
Der Versuch ist zweifelsohne zu erkennen: Zwischensequenzen, ein markiger Hauptheld und die obligatorische Beziehungskiste werden allesamt in eine schöne Form gebracht, ohne großartig zu glänzen. Die Gameplay-Passagen überwiegen die Sequenzen bei weitem, und dies fördert die Geschichte rund um den Verfall von New York im Jahre 2171 überhaupt nicht. Spätestens, wenn Sie vorgesetzt bekommen, welcher Geheimdienst einen Präventivschlag an welcher Stelle durchgeführt hat, werden nur noch die wahren Fans die Puste haben, „Front Mission Evolved“ bis an sein Ende durchzuspielen.
Auch, wenn die Story etwas schwächelt, bleibt „Front Mission Evolved“ dennoch ein solider Shooter ohne große Glanzpunkte. Verschiedene Waffen, ein durchdachtes Kampfsystem sowie eine sinnvolle Tastenbelegung zeigen, dass die Basis stimmt. Roboter-Fans haben hiermit wieder Futter für die nächsten Wochen erhalten, doch die Shooter-Fans unter Ihnen sollten zuvor zumindest einmal antesten, ob Ihnen gefällt, was „Front Mission Evolved“ zu bieten hat.
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