Ein neues Jahr, ein neues "FIFA"- habe ich in meinem First Look zu schreiben begonnen. Nun hatten wir Zeit, dieses „FIFA 11“ ausgiebig zu testen und wollen Ihnen von unserem Erfahrungen am Rasen der die Welt bedeuten kann berichten. Lesen Sie dazu unser Review.
„FIFA“ oder „PES“? Kaum eine Frage spaltet die Spielergemeinschaft mehr, wenn es um die Fußball-Simulation Ihres Vertrauens geht. War es in den letzten Jahren meist so, dass „PES“ mit Ballphysik punkten konnte und es so verstand, die mangelnden Lizenzen wett zu machen, konnte die „FIFA“-Reihe gerade in diesem Bereich immer weiter Boden gut machen. Das „PES“ im Vergleich hierzu immer nur kleinere Verbesserungen präsentieren konnte, liegt aber weniger am Engagement der Entwickler, sondern vielmehr am Aufholbedarf im Hause Electronic Arts. Genau das haben die Jungs aber auch ernst genommen, und jedes Jahr an Ballphysik und Spielmechanik gearbeitet. Was dabei herausgekommen ist, zeigt zum Teil schon folgender guter Trailer. (Längerer oder kürzerer Einleitungstext zur Story bzw. zum Spiel selbst.)
Am Spielumfang selbst hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht viel verändert. Wer nur eine schnelle Partie spielen möchte kann gleich loslegen oder Sie suchen sich Ihren Lieblingsverein und begleiten ihn durch unzählige Saisonen, die UEFA Champions League oder den UEFA Cup. Hier konnte „FIFA“ schon immer mit ordentlich Umfang Punkten. Gleiches gilt für die Lizenzen aller wichtigen europäischer Ligen, egal ob Premier League, Serie A oder deutsche Bundesliga, kaum jemand wird auf einen seiner Lieblinsclubs verzichten müssen. Wer nicht nur Matches bestreiten möchte, versucht sich als Manager und kümmert sich auch Abseits vom Spielfeld um die Geschäfte eines Teamchefs. Hier bleiben dann Aufgaben wie Personalmanagement, Trainingsplanerstellung und andere eher mühsame Beschäftigungen an Ihnen hängen. Dafür erfährt man auch ein Mehr an Spielerfahrung als bloßes Kicken. Es wollen nämlich auch Spielerverträge und dergleichen bearbeitet werden. Ähnlich viel Verantwortung kommt im Karriere-Modus auf Sie zu, wenn Sie die Geschicke eines einzelnen Spielers übernehmen und ihn 15 Jahre lang durch Höhen und Tiefen des Geschäfts begleiten. 'Für mich zum Schotter' wusste schon Cuba Gooding Jr. in 'Jerry Maguire' zu sagen und so müssen Sie hier dafür Sorge tragen, dass bald bei einem ordentlichen Club unterschrieben wird. Für die Matches selbst, stellt Ihnen der Trainer dann verschiedene Aufgaben, die erfüllt werden sollten. Wie schon im Vorgänger, verrät auch hier ein Pfeil ob sie während des Spiels an der richtigen Position stehen, oder ob Sie so richtig daneben liegen. Behalten Sie das nicht im Auge, sind Sie nicht wirklich eine Hilfe fürs Team und können es gleich lassen. Jeder hat seinen Platz in einer Mannschaft.
Welche Modi es gibt wird Sie aber wahrscheinlich weniger interessieren, als das Spielgefühl. Wie funktioniert das Pass-Spiel, wie lässt es sich dribbeln und wie verhält sich der Ball? Das Schlagwort lautet hier Personality+. Spieler unterscheiden sich mehr voneinander und vor allem die sogenannten Starspieler stechen im neuen „FIFA“ deutlich hervor. Sie haben nun auch in der Videospielvariante diesen besonderen Zug zum Tor, der ihr Können so ausmacht. Dabei verhält sich ein Lionel Messi anders als zum Beispiel ein Wayne Rooney. Wie die echten Vorbilder auch, können Sie sich mit dem Briten richtig durch eine Verteidigung tanken und mit dem argentinischen Star die Verteidigung schwindlig spielen. Diese Art Momentum macht sich kurz vorm abdrücken bemerkbar. Dribbeln Sie sich in Richtung Strafraumgrenze durch, oder bekommen dort einen herrlichen Pass zugespielt, zeichnen sich die Stars durch ein kurzes Aufblitzen ihres besonderen Können aus. Optisch und gefühlt scheint es dann als wären Messi und Co. auf einmal zweimal so schnell wie die anderen und schon schießt auch eine Rakete Richtung Tor ab. Zum Glück greifen da die Tormänner auch besser zu. Abgesehen von gelegentlichen Aussetzern, machen die Hintermänner eine gute Figur und es braucht in den höheren Schwierigkeitsgraden wirklich Taktik, um den Ball hinters Netz zu bringen.
Auch die Ballphysik macht sich positiv bemerkbar. Egal ob beim Kurzpassspiel oder wenn Sie über die Flügel vorgehen, alles muss wirklich gut geplant werden. Einfach ganz oft hintereinander den Passknopf drücken und hoffen das der Gegner nicht mitkommt, funktioniert nicht mehr. Wenn Sie Ihren Mitspielern den Ball gegen den Lauf spielen oder ein Spieler bei der Annahme nicht gut steht, stockt der Motor und der Angriff kann sich ganz schnell in einen Konter verwandeln. Auch dieser Übergang, von Verteidigung zu Angriff und umgekehrt, wirkt irgendwie runder als in den Vorgängern. Wenn Sie sich erst einmal an dieses System gewöhnt haben, werden Sie aber schnell die Vorzüge davon genießen. Der Ball läuft dann über mehrere Stationen richtig flüssig, ein Spieler steht frei und Tor. Oder auch Pässe in die Tiefe dürfen noch genauer und ganz besonders wichtig, besser getimed eingesetzt werden. So lässt sich die gegnerische Verteidigung am Besten aufmachen. Wichtig ist nur, dass Sie die Spielweise an die jeweilige Mannschaft anpassen. Denn nicht nur die Spieler selbst unterscheiden sich nun stärker voneinander, sondern auch die Teams. Das macht nicht bei den Vereinen halt, sondern betrifft auch die Nationalteams. Mit Spanien werden Sie zum Beispiel mit dem Kurzpassspiel besser vorankommen und mit anderen eher auf Konter spielen müssen. Je nachdem welchen Stil das reale Vorbild bevorzugt, so sollten auch Sie vorgehen. Es sei denn, Sie stellen alle Attribute einer Mannschaft um. Denn auch das ist wieder möglich. Startformationen, taktische Vorgaben, Spielerwerte, alles kann, den entsprechenden Spielmodus vorausgesetzt, individuell angepasst werden.
Grafik und Sound
Die Animationen gehören mitunter wieder zum Besten, was Sie in Sportspielen finden werden. Egal ob Ballanahme, Schüsse oder die Paraden der Torhüter, alles sieht flüssig und geschmeidig aus. Zudem verfügen die Spieler sozusagen über mehrere Moves, nicht jede Parade oder jeder Sturz nach einem Foul sehen gleich aus. Sogar kleine Details wie die Bewegungen der Schieds- und Linienrichter passen gut ins Bild. Aber das leidige Thema der Fankulisse wurde auch in der aktuellsten Ausgabe von FIFA nicht wirklich verbessert. Dabei könnten sich die Entwickler eigentlich Hausintern, bei „NHL11“, abschauen, wie es richtig gemacht gehört. Ansonsten hat mir der Soundtrack gut gefallen, bei der Songauswahl hatte EA aber immer schon ein gutes Händchen. Auch wieder mit von der Partie und immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen Liebe und Hass wandelnd, die Kommentatoren. Diesmal setzte man auf frische Stimmen und verpflichtete die beiden Herren Manni Breukmann und Frank Buschmann. Falsche Aussagen gibt es zwar noch immer, die liegen aber eher an den Entwicklern – wenn der Kommentar von Eckball spricht, obwohl es abseits ist – auch wenn die Schuld die Männer hinter dem Mikrofon die Schuld bekommen.
Steuerung
Hier würde eigentlich ein Verweis zum Vorgänger genügen. Passen, Schiessen, Laufen und Rennen, jeder der bereits einmal FIFA gespielt hat, findet sich sofort zurecht. So einfach wie ganz früher ist es dabei bekanntlich nicht, dank der beiden Sticks, lässt es sich herrlich tricksen und dergleichen. Daneben hat man aber das Spiel ohne Ball weiter verbessert und vor allem die Körper dürfen jetzt noch effektiver eingesetzt werden. Bei EA nennt man das 360° Zweikampf. Der ballführende Spiele darf sich gegen Attacken abschirmen und wenn ein Ball ins Torout rollen soll, können Sie den gegnerischen Spieler per Körpereinsatz daran hindern, an den Ball zu kommen. Aber Vorsicht vor zu viel Körpereinsatz, die Augen der Schiris sind ziemlich gut und Fouls werden streng aber gerecht geahndet. Wenn wir gerade vom Regelbruch sprechen, die Abseitsfalle lässt sich, zumindest dem Gefühl nach, besser managen als im Vorgänger.
Stellen Sie sich einmal vor wie das wäre, wie in der Realität zu elft gegeneinander anzutreten. Geht nicht! Geht doch! In “FIFA 11” ist es erstmals möglich, gemeinsam alle Positionen zu besetzen. Möglich macht das der Umstand, dass nun auch der Torwart gesteuert werden darf. Daneben gibt es die aus den Vorgängern bekannten Online-Ligen und die Möglichkeit nach Lust und Laune Ranglisten-Matches zu bestreiten oder einfach online Freunde einzuladen. Wie immer bei dieser Art Spiel gilt auch hier, ein Match gegen die KI hat ihren Reiz und macht, vor allem wenn Sie eine ganze Saison spielen wollen, richtig Spaß. Eine echte Herausforderung wird es aber erst gegen echte Spieler. Es macht einfach besonderen Spaß, wenn Sie sich vor einem TV treffen und Streitigkeiten am Spielfeld austragen. Ständige Seitenhiebe und lautstarker Jubel bei einem Treffer gehören da ebenso dazu, wie das Einschüchtern des Kontrahenten, der neben Ihnen sitzt.
Atmosphäre
Das beste „FIFA“ aller Zeiten. Auch wenn ich mich tunlichst davor drücken wollte, diese Floskel zu verwenden, nach den ersten sechs oder sieben Matches gegen Kollegen und die KI, fällt mir leider nichts anderes dazu ein. Auch wenn „FIFA 10“ schon richtig gut war und die WM-Version noch um einiges besser, in Puncto Spielmechanik legt „FIFA 11“ ein Schäuflein nach. Die Ballphysik wurde weiter verbessert und die Mannschaften, und damit Spieler, unterscheiden sich noch deutlicher voneinander. Die Attribute die Spielern und Teams zugeordnet werden, haben ihren Weg sehr genau ins Spiel gefunden. Um das gebührend zu testen, musste natürlich das WM-Finale 2010 her. Die Holländer, gesteuert vom Kollegen Beck, gingen diesmal zwar nicht so hart ins Spiel, dennoch war das Match heiß umkämpft. Dank der wieselflinken spanischen Spieler, allen voran Iniesta, Xavi und David Villa, konnte ich die Partie aber für mich entscheiden. Wenn Sie bei den Tugenden einer Mannschaft bleiben, in meinem Fall beim Kurzpassspiel, gelingen die Kombinationen tatsächlich wie auf echtem Rasen vorgemacht. Es wird geferselt und durchgelassen, dass es eine Freude ist. All das funktioniert aber nur mit geschicktem Einsatz des rechten Sticks.
Die Erläuterungen zur Atmosphäre bringen es bereits auf den Punkt. Neben der Unmenge an Lizenzen, kann „FIFA 11“ abermals mit einer hervorragenden Spielmechanik aufwarten. Jeder Fußballfan wird mit diesem Spiel seine helle Freude haben. Für alle jene, die ebenso wie der werte Redakteur beim Fußballspiel zwei linke Füße beweisen, können Ihrem Hobby hier bestmöglich nachkommen.
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