Anime-Serien sind für Sie ein Hit und Sie würden sich selbst als Strategen bezeichnen? Dann könnte „Spectral Force Genesis“ für Sie das Richtige sein. Lesen Sie unser Review!
Kennen Sie „Spectral Force“? Wenn doch, dann gehören SIe bestimmt zu einer kleinen Gruppe Wissender in Europa, ist doch diese Anime-Welt hierzulande noch weitestgehend unbekannt. Bei „Spectral Force Genesis“ handelt es sich um ein Strategie-Spiel für den NDS, das in typischer „Risiko“-Manier versucht, den Spieler zu begeistern. Ob dies gelingt, werden wir hier beleuchten …
Auf den ersten Blick hin ist es schon einmal seltsam, dass kein Mehrspieler-Modus implementiert wurde. Zu Beginn wählen Sie also eine von gesamt sieben möglichen Völkern der Welt Neverland aus (Die Flagge des Einhorns, Gudmani Dukedom, Republik Neverlands, Royal Ace, Die Heilige Armee Cosdalio, Die Maymai Allianz oder Das Einsatzgebiet), mit der Sie in den Kampf gegen die 39 (!) anderen Häuser ziehen wollen. Das Ziel des Spiels ist keineswegs eine zufällig bestimmte Mission wie bei dem beliebten Brettspiel, sondern vielmehr, alle anderen Herrschaftshäuser zu unterjochen oder auszulöschen. Ein Unterfangen das insgesamt ungefähr 8-9 Spielstunden in Anspruch nimmt.
Im Handbuch wird davon berichtet, dass sich jährlich die Ziele aktualisieren und Sie Ihren Charakter per „Experimentieren“ (!) an das gewünschte Ziel führen sollen. Davon ist im Spiel, das rundenbasiert abläuft und recht statisch ist, leider wenig zu merken. Seltsame Zwischensequenzen, die für einen Nicht-Fan wenig Sinn ergeben, runden das eckige Konstrukt auch nicht ab.
Das Spielgeschehen an sich läuft rundenbasiert ab, jede Runde steht für ein Monat im Jahreskreis, wobei seltsam erscheint, dass in jedem Monat nur eine bestimmte Aktion ausgeführt werden kann: So dürfen Sie in einem Monat handeln, im nächsten Einheiten rekrutieren und aufteilen und dann wieder Krieg führen. Die Reihenfolge der Runden wiederholt sich (etwas abgeändert und gemischt – ablesbar am oberen Bildschirmrand) in jedem Jahr, was einen gewissen Motivationsverlust zur Folge hat.
Rollenspiel und Echtzeit-Strategie?
Was auf der Packung noch vollmundig als Mischung aus Wirtschaftssimulation, Rollenspiel und Echtzeit-Strategie angepriesen wird, verliert schnell seinen Reiz: Wenn Sie nicht genügend Generäle haben, können Sie Ihr Reich nicht rasch genug ausbauen, wobei das Geld das geringste Problem darstellt. Das Rollenspiel reduziert sich somit auf das simple Vergleichen und Filtern von Tabellen, welcher General wohl am besten für welche Aufgabe oder Position ist. Die Kämpfe sind leider auch nicht sonderlich toll gelungen: So können Sie zwar die Einheiten an sich passend für das Gelände und die Route der Einheiten im Kampf am unteren Touchscreen festlegen, doch greifen diese weder selbstständig an, noch ist das Spiel durch die vielen Zauber und Sonderaktionen des Gegners (angeblich über 90 an der Zahl, die auf Generäle angewandt werden können) flüssig, sondern wird dauernd unterbrochen. Schade, da hätte man mehr rausholen können.
Durch Diplomatie können Sie dann auch Alliierte gewinnen oder gegnerische Generäle zum Überlaufen animieren. Schade, dass alle Inhalte und auch Charaktere sehr stark im Original belassen wurden, so dass nur Fans und Serien-Insidern die wirkliche Tiefe des Spiels eröffnet. Zwischensequenzen gibt es zwar in scheinbar zufälligen Abständen, wirklichen Sinn ergeben sie aber nicht und eine Geschichte wird hier auch nicht erzählt.
Wer auf der Suche nach einen Tutorial ist, wird enttäuscht: So werden Sie beim ersten Spiel durch Standbilder ins Spiel eingeführt, die aber – ganz dem japanischen Vorbild entsprechend – nicht gerade viele Erklärungen, sondern vor allem Informationsbruchstücke und einen groben Überblick bieten. Beim Rest heißt es: Ausprobieren und selbst herausfinden!
So läuft das gesamte Spielgeschehen leider sehr steril ab: Sie sammeln Gold (indem Sie die drei Waren bestmöglich kaufen und verkaufen – tolles Prinzip: Preis > 1 dann verkaufen, Preis < 1 dann kaufen), vergrößern Ihre Armee und vor allem Ihren Generalstab, um schnell Ihre Verteidigung und das Ansehen Ihrer Königreiche ausbauen zu können (jeweils nur durch Generäle möglich), greifen an oder verteidigen und besetzen Ihre wichtigsten Posten, wenn einer Ihrer Generäle verstirbt. Klingt nicht spannend, ist es auch nicht wirklich.
Seltsam ist auch die Anzeige am Speicher-Bildschirm: Hier wird immer „0/40“ angezeigt, obwohl man ja einige Länder bereits übernommen hat – eine Erklärung bleibt das Spiel schuldig.
Die Grafik orientiert sich in den Zwischensequenzen stark an handgezeichnetem, feinem Anime, im Spiel selbst an eher schlichten, detailarmen Figuren und Menüs. Schade! Auch die globale Übersicht und die Tabellen sind eher lieblos gestaltet und bieten zu wenig Information und Überblick.
Musikalisch ist „Spectral Force Genesis“ bestimmt kein Highlight, durch das angenehme Hintergrund-Gedudel muss man aber die Lautstärke nicht sofort auf Null herabregeln. Die Sound-Effekte verdienen im Endeffekt keine Bewertung und wollen lieber verschwiegen werden. Auf eine Sprachausgabe wurde verzichtet.
Die Steuerung ist für ein rundenbasiertes Strategie-Spiel simpel, da auch die Optionsvielfalt stark begrenzt ist. Im „Echtzeit-Strategie“-Teil ist die Kontrolle leider recht spartanisch und ungenau – sehr schade, hier hätte man mehr daraus machen können.
Zusammenfassung
Generell hat sich der Genre-Mix, der gleichzeitig zu „From the Abyss“ erschienen ist, interessant angehört. Leider bleibt aber unterm Strich nicht mehr als ein eintöniger, langatmiger „Risiko“-Verschnitt, der aber immerhin mehr Abwechslung als „Die Gilde DS“ bietet.
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