Der graue Sportwagen rast mit 160 km/h über die Hauptstraße. Die drei Polizeiwagen im Rückspiegel rasen ihm mit Blaulicht und Sirenen hinterher. Waghalsig kurvt der Fahrer des Fluchtwagens um die Zivilfahrzeuge der friedlichen Bevölkerung herum und biegt in eine Nebenstraße ein. Der Fahrer drückt das Gaspedal durch und will über die Kreuzung fahren, doch er hatte nicht mit dem Polizeiwagen gerechnet, der von links kommt und ihm den Weg abschneidet. Der Verdächtige verreißt das Steuer, fährt über einen Busch, der Wagen überschlägt sich und fängt Feuer. Der Fahrer rollt sich aus dem Wagen und rennt einige Meter davon - da erzittert die Stadt durch die ohrenbetäubende Explosion.
Der Verdächtige wird zu Boden geschleudert, zwei Polizisten lassen bei der Explosion ihr Leben. Die übrigen Polizisten ziehen ihre Pistolen und versuchen den Verdächtigen in Schach zu halten. Doch dieser zieht plötzlich eine Pumpgun und erschießt zwei weitere Polizisten in seiner Nähe. Die anderen eröffnen das Feuer. Der Flüchtige reißt aus seinem Hosenbund eine Uzi und hetzt, wild und ungezielt in die Richtung der Polizisten ballernd, in eine schmale Seitengasse. Er wirft noch zwei Granaten, um die Polizisten aufzuhalten und steht plötzlich wieder auf der Hauptstraße. Das erstbeste Auto, das vorbeikommt, bringt er mit einem Schuss seiner Pumpgun zum Stehen, reißt den überraschten Fahrer vom Sitz und klemmt sich hinter das Steuer.
Gerade als die Polizisten aus der schmalen Gasse kommen, um die Verfolgung aufzunehmen, rast er los. Sicherlich hätte er die Polizisten durch diese Aktion abhängen können, die ja nun weit von ihren Fahrzeugen entfernt sind, doch in diesem Augenblick erscheint über ihm ein Polizeihubschrauber, der ihn sofort mit dem Suchscheinwerfer erfaßt. In wenigen Metern Höhe fliegt der Hubschrauber schräg über dem Fluchtfahrzeug, etliche Streifenwagen im Schlepptau. Rücksichtslos rammt der Flüchtige jeden Wagen zur Seite, der sich ihm in den Weg stellt. Plötzlich taucht vor ihm eine Straßensperre auf, doch der Verbrecher läßt sich dadurch nicht beirren. Mit Vollgas rast er auf die quer stehenden Polizeiwagen zu: Die Polizisten eröffnen das Feuer.
Der Fluchtwagen durchbricht die Sperre und rast weiter. Gekonnt biegt der Fahrer in eine kleine Gasse ein. Der Hubschrauber kann ihn hier nicht mehr verfolgen, die Polizisten verlieren ihn aus den Augen. Sofort wird eine groß angelegte Fahndung gestartet, doch sie bleibt erfolglos.
Gleichzeitig fährt ein Auto gleichen Typs mit neuen Nummernschildern und in anderer Farbe, das ansonsten sehr an das Fluchtauto erinnern könnte, langsam aus einer Garage und mischt sich unauffällig in den Verkehr.
Die Flucht
In "Grand Theft Auto 3" schlüpfen Sie in die Rolle eines kleinen Gangsters, der bei einem großangelegten überfall von seiner Freundin verraten und deshalb von der Polizei verhaftet wird. Bei dem Gefangenentranport kommt es zu einem Zwischenfall und der Gangster kommt frei. Ein Mitinsasse, der sich selbst "8-Ball" - nach der schwarzen Billardkugel, die ja bekanntlich die achte ist - nennt, bringt ihn zu einem Mafioso, der ihm seine ersten Aufträge erteilt. Zuerst braucht man noch keine Waffengewalt, um die Aufträge zu erfüllen, man muß meist nur die eine oder andere Prostituierte von Punkt A nach B bringen. Bald jedoch ändert sich das Klima in der fiktiven Gangstermetropole Liberty City. Bandenkriege und die Polizei machen Ihnen zu schaffen.
Natürlich dreht sich, wie schon in den ersten beiden Teilen, wieder alles um das Begehen von Verbrechen. Das fängt beim vergleichsweise harmlosen Autodiebstahl an und geht über das Erschießen diverser Zielpersonen bis hin zum fröhlichen In-die-Luft-Jagen von Autos und Gebäuden. Dass dabei der Humor nicht zu kurz kommt, dafür haben die Entwickler gesorgt. So muss man zum Beispiel in einer der ersten Missionen ein Auto eines Schuldners des Bosses stehlen und eine Bombe einbauen lassen. Dann stellt man das Auto wieder zurück. Danach kommt ein Videoclip, in dem man sieht wie der Schuldner aus dem Lokal kommt und sich in sein Auto setzt. Kurz bevor das Vehikel explodiert, schwenkt die Kamera und man sieht ein Schild mit dem Namen des Restaurants und dem Slogan "Eat 'till you explode!". Außerdem gibt es noch diverse andere Anspielungen auf Filme, Spiele und Bücher. An einer Hauswand klebt zum Beispiel ein Plakat, das Werbung für den Film "BadFellas" macht (in Anspielung auf den Mafiafilm "GoodFellas" mit Robert DeNiro).
Aufträge erhält man zunächst nur von Luigi, dem Mafioso, zu dem man von 8-Ball gebracht wird. Bald jedoch lernt man dessen Freunde kennen, zum Beispiel den schmierigen Autohändler Joey. Auch diese Freunde geben Ihnen mehr und mehr Aufträge. Natürlich ist es wieder das Hauptziel 1.000.000 Dollar zu verdienen, um den nächsten Abschnitt erreichen zu können. Speichern dürfen Sie wieder nur an bestimmten Stellen, nämlich immer im Hauptquartier.
Das Waffenarsenal, das Ihnen zur Verfügung steht, ist beeindruckend. Es reicht vom Baseballschläger über eine Uzi bis hin zum Raketenwerfer. Diese Waffen können Sie entweder finden oder kaufen. Sollten Sie einen Polizisten oder einen anderen Gangster erschießen, können Sie ihm seine Waffen abnehmen.
Nett sind auch die verschiedenen Mini-Spiele innerhalb des Titels. Zum Beispiel kann man ein Taxi stehlen, um dann in bester "Crazy Taxi"-Manier Kunden durch die Stadt zu kutschieren. Oder man besorgt sich ein Polizeiauto und jagt mit Blaulicht Verbrechern hinterher. Man kann aber auch als Feuerwehrmann oder Arzt auftreten und Brände löschen bzw. Verwundete verarzten. Und dann gibt es noch in der ganzen Stadt versteckte Gimmicks, wie zum Beispiel Sprungschanzen. Für besonders gekonnte Stunts gibt es einen Haufen Extrapunkte. Wenn man einen tollen Stunt geschafft hat, erscheint auf dem Bildschirm außerdem die Meldung "Irrsinns-Stunt-Bonus".
Die Grafik
Die Grafik wurde seit der PlayStation 2-Version teilweise kräftig aufgebessert. Da macht sich vor allem bei der Weitsicht bemerkbar. Während die Stadt auf der Konsole teilweise stark aufbauend war und Pop-Ups im Hintergrund oft vorkamen, ist in der PC-Variante lediglich ein leichter Nebel zu sehen und auch dieser befindet sich erst in größerer Entfernung.
Wenn es regnet, wird die Fahrbahn sichtbar nass - auch das Fahrverhalten der Autos leidet dann. Die Lichteffekte sind dafür teilweise etwas mager, denn auch wenn man mehrere Autos gleichzeitig in die Luft jagt, gibt es nur eine kleine und vor allem kurze Explosion. Außerdem gibt es leider einige Bugs, die zum Beispiel das Ändern der Auflösung zum Problem machen. Einige bereits erschienene Patches schaffen da jedoch Abhilfe. Apropos Auflösung: Diese kann man bis zu 1600 x 1200 Pixeln hochschrauben, allerdings reichen auch 1280 x 1024 vollkommen aus.
Der Sound
Soundtechnisch haben die Entwickler eine Meisterleistung abgeliefert! Die Motoren brummen realistisch, die Schüsse klingen authentisch. Wenn man mitten auf der Straße einen Schuss abgibt, laufen die Leute kreischend auseinander. Wirklich toll ist jedoch die Musik, die in dem Spiel aus den Radios der Autos kommt. Es gibt mehrere verschiedene Sender, die von Klassik über Pop, Rock, Country und Talkshows alles bringen, was das Herz begehrt. Ganz besonders freut es einen dann natürlich, dass man auch eigene MP3s zu einer Radiosendung zusammenfassen kann. Dazu kopiert man einfach die gewünschten MP3s in ein bestimmtes Verzeichnis und wählt dann im Spiel den Radiosender "Player MP3". Es ist einfach ein besonders tolles Gefühl zum Oasis-Kracher "Morning Glory" durch eine pulsierende Großstadt zu rasen. Somit ist der Sound des Spiels praktisch beliebig erweiterbar. Gratulation an die Entwickler!
Die Steuerung
Auch über die Steuerung kann man nicht klagen. Die Tastatur-Maus-Steuerung klappt hervorragend, "GTA 3" steuert sich fast wie ein Ego-Shooter. Beim Autofahren gibt es auch keine Probleme - mit W, A, S, D gibt man Gas, bremst und lenkt, mit der rechten Maustaste zieht man die wichtige Handbremse! Die Tastatur ist frei belegbar, die Sensibilität der Maussteuerung kann man sich natürlich einstellen. Leider gibt es auch hier Bugs, die jedoch ebenfalls bereits durch Patches ausgebügelt wurden. Solch ein Fehler ist zum Beispiel, dass der Protagonist plötzlich rückwärts läuft und sich nicht mehr ordentlich steuern lässt.
Zusammenfassung
"Grand Theft Auto 3" (kurz: "GTA 3") ist ein Meisterwerk. Es verbindet Spielwitz mit Spannung und bleibt dabei immer ein reinrassiges Actionspiel. Die Grafik ist sehr schön, der Sound ist wirklich genial. Die eigenen MP3s ins Spiel einzubinden war eine brilliante Idee. Ansonsten haben die Entwickler auf viele Details geachtet: Bei einer Explosion laufen die Schaulustigen zusammen, die Stadt ist wunderbar designt. In finsteren Hinterhöfen liegen Dreck und Unrat herum, an anderen Stellen gibt es richtige Nobelviertel! Die Steuerung ist nach der Installation der Bugfixes einwandfrei und die Minispiele erneuern und steigern immer wieder die Motivation. Die K.I. der Polizei und anderer NPCs ist in Ordnung, aber auch nicht sonderlich toll. Wirklich interessante Tricks hat die K.I. nicht auf dem Kasten: Normalerweise handeln die Gegner nach relativ leicht durchschaubaren Mustern. Die Masse macht hier die Klasse, denn je nach höherem Fandungslevel sind einfach immer mehr Polizisten hinter dem Spieler her. Interessant ist, dass diese Polizisten ein sehr rabiates Verhalten an den Tag legen und das Auto des Spielers rücksichtslos rammen! Abgesehen von diesen kleinen Schwächen ist "GTA 3" ein tolles Spiel, das die Konsolenvariante durch einige nette Gimmicks wie das MP3-Radio oder die bessere Grafik übertrifft. Wir können gespannt sein, ob "Mafia" gegen einen dermaßen starken Konkurrenten aus dem eigenen Haus bestehen wird. Bis dahin gibt es im Gangstermilieu keine Alternative!