Nach dem großen Erfolg des Vorgängers bescheren uns die Entwickler von Ruffian Games mit einer Fortsetzung. Ob „Crackdown 2“ das Zeug hat, mit dem ersten Teil mitzuhalten und ob der Spielspaß wieder großgeschrieben wurde, lesen Sie in unserem Review.
Die Story von „Crackdown 2“ ist schnell erzählt. Spieler kehren zurück in die Stadt Pacific City, die abermals von vielen Gefahren bedroht wird. Das Agenten-Klonprogramm hat nicht nur Unterstützer gefunden, und so ist Ihr Mentor auch immer wieder skeptisch, was Ihre Fähigkeiten betrifft. Nichtsdestotrotz braucht die Stadt die Superagenten. Nach den Vorgängen in Teil eins wurde ein bösartiger Virus freigesetzt, der alle Infizierten – Freaks genannt – in von Raserei getriebene Monster verwandelt. Filme wie „28 Days Later“ und dergleichen lassen grüßen. Darüber hinaus hat aber auch eine Untergrundorganisation namens The Cell ihre Zelte in Pacific City aufgeschlagen und macht es der Agency nicht gerade leicht, die Virusgefahr unter Kontrolle zu bringen. Die Cell hat das Vertrauen in die Fähigkeiten der Agency verloren und sabotiert deren Aktionen, wo sie nur kann. Als Spieler ist es nun Ihre Aufgabe, dem Freak-Problem ein Ende zu bereiten und nebenbei vielleicht auch noch die Cell zu beseitigen. Zum Glück sind Sie so etwas wie ein Supersoldat, von dem die Armeen dieser Welt nur träumen können.
Starten Sie das Spiel zum ersten Mal, durchlaufen Sie das Agenten-Trainingsprogramm, das Sie mit allen Feinheiten des Spiels bekannt macht. Springen, Laufen, Schießen, Granaten werfen und so weiter lernen Sie hier. Danach geht es ab mit dem Helikopter nach Pacific City. Bereits der Flug wird ungemütlich, da Cell-Anhänger Sie nicht gerade mit Blumensträußen willkommen heißen. Während des Transports erklärt Ihnen zudem eine Stimme, wie es um die Stadt steht und was von Ihnen erwartet wird. Am Markantesten in Pacific City sind die Tag-Nacht-Wechsel. Je nachdem, ob Sie im Licht der Sonne oder des Mondes unterwegs sind, hat das Auswirkungen auf Ihr Sicherheitsgefühl. Während bei Tag nämlich nur die Cell auf Sie feuert, kriechen Nachts die ganzen Freaks aus ihren Löchern, und dann geht es erst wirklich heiß her. Zum Glück verlässt Sie die freundliche männliche Stimme, die Sie bereits durchs Trainingsprogramm geleitet hat, das ganze Spiel über nicht und informiert stets über Aktuelles.
Ihre erste Aufgabe ist es, den von der Cell gestohlenen Prototypen der neuen Superwaffe Sunburst wiederzubeschaffen. Nichts leichter als das. Ein strategischer Punkt der Terroristen muss dazu eingenommen werden, um dann per Back-Taste Helikopterunterstützung anzufordern. Bereits nach ein paar Minuten in der Spielwelt fallen die grünen, auch Orbs genannten Kugeln weit oben auf Containern und Häusern auf. 500 dieser Dinger gibt es in Pacific City zu sammeln, und jeweils nach einer bestimmten Anzahl steigt die Fitness Ihres Agenten. So ein Supersoldat bleibt in seiner Entwicklung bekanntlich nicht stehen. Fünf Kategorien – Fitness, Waffentalent, Stärke, Sprengstoff und Fahrkünste – können im Spielverlauf hochgelevelt werden. Jede stellt aber andere Herausforderungen.
Während für die Fitness die erwähnten grünen Orbs gesammelt werden müssen, verbessert sich der Stärkewert durch geführte Nahkämpfe. Das gleiche gilt für den Einsatz von Waffen und Granaten. Um die Fahrkünste zu verbessern, erscheinen, wenn Sie mit einem Fahrzeug unterwegs sind, an manchen Stellen violette Orbs zum Einsammeln. Aber Vorsicht, diese stehen nicht nur so da, sondern wollen gefangen werden. Das Aufrüsten lohnt sich. Verbesserte Fitness erlaubt zum Beispiel größere Sprünge und schnellere Laufgeschwindigkeit, bei den anderen Kategorien locken vor allem die neuen Waffen und Fahrzeuge, die so freigeschaltet werden.
Zurück zur Mission. Ein Cell nach dem anderen wird erledigt, und zum Schluss der Taktikpunkt eingenommen. Die Agency ist nun wieder im Besitz ihrer Superwaffe. Wichtigste Aufgabe wird ab nun die Energieversorgung der Sunburstkanone sein. Über die ganze Stadt verteilt gibt es Energieversorgungseinheiten, die zum Betrieb der Waffe notwendig sind. Jeweils drei davon müssen aktiviert werden, um danach ein Freak-Nest leerzufegen. Natürlich werden alle Einheiten von Cell-Anhängern bewacht, die Arbeit wird also nicht leicht. Damit hat es sich auch schon erledigt mit dem Missionsdesign. Ihre Aufgaben beschränken sich auf das Einnehmen von Punkten, einziger Unterschied ist deren Beschaffenheit. Entweder es muss ein Freak-Nest gesäubert, eine Energieeinheit aktiviert oder ein taktischer Punkt den Cell abgekämpft werden. Und das quer durch ganz Pacific City. Dabei sind jene Teile der Stadt, in denen Sie schon mehr erledigt haben, friedlicher als andere. Je nachdem, wie motiviert Sie sind, können Sie sich aber auch gleich zu Beginn des Spiels in die gefährlichen Stadtteile vorwagen. Die Größe der Stadt hat aber auch ihre Nachteile. Das Spiel wird nicht wirklich von einem roten Faden durchzogen, vielmehr reihen sich die Eroberungskämpfe aneinander.
Grafik und Sound
Wie bereits im Preview erwähnt, ist die Grafik zwar ganz nett, wirklich vom Hocker haut sie jedoch nicht. Hier hat sich seit dem ersten Hands-On auch nicht wirklich etwas getan. Die schwarze Umrandung der Figuren, die dem Ganzen einen netten Comic-Look verpasst, setzt das Spiel aber gut in Szene. Explosionen der vielen Benzinfässer und Gasflaschen sind passabel umgesetzt und können auch gut zum Erledigen von größeren Feindverbänden verwendet werden. Leider glänzt auch die Stadt nicht mit allzu vielen Details, hat aber zumindest zwei Gesichter. Ein Tag-Nacht-Wechsel lässt sie einmal so und einmal so erstrahlen. Vergleicht man das Spiel mit dem Vorgänger, sind aber doch die etwas größere Weitsicht und generell die Lebendigkeit der Stadt anzumerken.
Steuerung
Die Steuerung bleibt dem 3rd Person-Genre treu, und das ist auch gut so. Mit der rechten Schultertaste wird gefeuert, mit der linken die Zielvorrichtung bedient. Nachladen funktioniert zunächst ungewohnt mit der LB-Taste, macht aber nichts, denn alle Einstellungen können nach Belieben selbst vorgenommen werden. Die Fahrzeuge fahren sich sehr arcadelastig, das passt aber zum Spiel. Sie brettern mit einem Mordstempo durch die Straßen und können so bereits im Vorbeifahren zahlreiche Gegner erledigen. Vor allem mit der immer besser werdenden Fitness Ihres Agenten wird das Herumlaufen dann lustiger, Sie sind dann fast schon ein kleiner Felix Baumgartner. (Das ist der Typ von Red Bull der die verrücktesten Sprünge macht.)
Auch wenn das Spiel im Single-Player eine Menge Spaß macht, wird es erst im Multiplayer so richtig spannend. Die Kampagne muss nämlich keine Solo-Action bleiben. Pacific City ist mehr oder weniger Ihr Spielplatz, Ihre Sandkiste, und so dürfen Sie an beliebigen Plätzen in die Spielwelt einsteigen. Vor der ersten Mission legen Sie zudem fest, ob andere Spieler – sofern Sie mit XBOX-Live verbunden sind – sich in Ihrer Stadt tummeln dürfen oder nicht. So können Spieler gemeinsam an einer Kampagne spielen, in verschiedenen Städten ihr Unwesen treiben, oder gemeinsam an der Säuberung einer Stadt arbeiten. Außerdem finden sich neben den anderen Orbs an bestimmten Punkten auch durch den LIVE-Schriftzug gekennzeichnete Mehrspielerkugeln, die eine Coop-Aktion starten. Dazu brauchen Sie nur einen Freund einladen. Weiterer Aspekt des Online-Abenteuers sind die PvP-Kämpfe. Drei Spielmodi – Raketenjagd, Deathmatch und Team-Deathmatch – warten auf bis zu sechzehn Spieler. Ein eigenes Rangsystem sorgt hier für Überblick über den Spielerfortschritt. Wenn Superagenten sich gegenseitig ans Leder wollen, wird es dann richtig schnell und intensiv.
Atmosphäre
An Spaß mangelt es “Crackdown 2” wirklich nicht. Die riesige, sofort frei zugängliche Welt bietet an allen Ecken und Enden Action von der feinsten Sorte. Besonders nett ist es, wenn Sie sich in einem Gebiet voller Freaks absetzen lassen, als Fahrzeug den Agency-Buggy nehmen, der geht wirklich ab, und dann volles Rohr durch die Mutierten fetzen. Dann kracht und platscht es, dass es eine Freude ist. Aber Vorsicht, sollten Sie Selbiges Tagsüber bei den Zivilisten versuchen hat Sie die Agency am Kieker. Auch wenn der eine oder andere Kollateralschaden verziehen wird, sobald zu viele Einwohner der Stadt daran glauben mussten, werden die Peacekeeper, sozusagen die gemeinen Fußsoldaten der Agency, auf Sie gehetzt. Weitere Punkt der zur Atmosphäre beiträgt sind die Radios, die bei den Cell-Anhängern herumstehen. Diese beschallen die Umgebung immer mit den Worten der Cell-Anführerin und lassen sich auch auf Stumm schalten.
Alles in allem bietet „Crackdown 2“ eine Menge Spielspaß, bei dem nicht zu viel Hirnarbeit von Nöten ist. Einfach Konsole aufdrehen, einsteigen und Spaß haben lautet hier die Devise. Das dürfte auch das beste Argument für das Spiel sein. Auch wenn es nicht wirklich eine Story gibt und der Unterschied zu Teil eins eher gering ausfällt, bietet die Welt dermaßen viel zu entdecken, dass ausreichend Material für viele Spielstunden zur Verfügung steht.
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