Sie suchen ein realistisches Rennspiel mit tausenden Optionen und Einstellmöglichkeiten? Ebenso wollen Sie eine komplexe Innenansicht, eine richtige Story und ein Fahrverhalten, das jeden noch so kleinen Fehler gnadenlos bestraft? Dann sollten Sie besser weitersuchen, denn „Blur“ ist alles, nur eben Erwähntes sicher nicht.
Gas geben und Abschießen
„Blur“ ist einfach Spaß. Einsteigen ins Auto, Power-Ups sammeln und diese geschickt einsetzen ist oberste Priorität. Dass die Entwickler von tollen Rennspielen wie oben erwähntes „Project Gotham Racing“ bereits einige Erfahrungen gemacht haben, wird bereits bei der Präsentation sowie der Fahrmechanik deutlich.
Auch wenn Sie normalerweise keine Rennspiele spielen, so kommen Sie dennoch schnell ins Rennen rein. Doch Vorsicht – bitte nicht mit der Tastatur steuern, denn diese ist weder gut konfigurierbar noch sehr intuitiv. Am besten den Controller in die Hand nehmen, dann kann schon nichts mehr schief gehen.
Sobald Sie das erste Rennen starten wollen, erklärt Ihnen ein (nicht abbrechbares) Video, was Sie eigentlich zu erledigen haben. Natürlich geht es bei einem normalen Rennen darum, Erster zu werden. Doch Sie erhalten auch Zusatzpunkte für das Erledigen bestimmter Herausforderungen sowie spektakulären Manövern und das Abschießen von Gegnern.
Mit diesen Punkten werden wiederum neue Rennen freigeschaltet, und die nächsten Gegner verfügbar. Wobei man eines festhalten muss: Mindestens ebenso wichtig wie Punkte sind die „Fans“. Diese erhalten Sie im Laufe der Rennen durch Fanmissionen sowie für agressives Fahren. Haben Sie eine bestimmte Anzahl an Fans erreicht, stehen Ihnen neue Fahrzeuge zur Verfügung.
Die einzelnen Rennen sind hierbei nicht nur simple Rundkurse, bei denen Sie Erster werden müssen. Stattdessen gibt es auch noch Zerstörungsorgien, bei denen Sie einfach möglichst viele Gegner abschießen müssen oder auch Checkpointrennen, wo nur Sie auf der Strecke sind und eine gute Zeit abliefern sollten.
Die speziellen Drift-Events werden erst später im Spiel verfügbar gemacht und sind richtige Punkte- und Fanbringer. Auch während der Rennen gibt es Zusatzziele wie das Erreichen einer bestimmten Fananzahl oder das Durchfahren farbiger Tore. Dadurch kommt auch mehr Abwechslung ins Spiel, was einem Autorennen natürlich sehr gut tut.
Die Anzahl an fahrbaren Untersätzen ist großartig gelungen. Diese 55 Fahrzeuge sind nämlich komplett lizensiert und reichen von einer Dodge Viper über einen VW Käfer bis hin zu Toyota, Ford und Lotus. Diese sind auch komplett unterschiedlich in Bezug auf Leistung, Fahrverhalten und Ausdauer, wodurch es kaum ein Top-Auto gibt, das nicht auch kleine Nachteile mit sich bringt.
Jeder fahrbare Untersatz besitzt die Werte „Energie“ - was das Durchhaltevermögen betrifft, „Beschleunigung“, „Höchstgeschwindigkeit“ und „Power“. Witzig ist die Bezeichnung „Schwierigkeit“ was eigentlich das Gewicht des Autos bezeichnet und nicht wie schwierig das Auto ist. Ansonsten ist die deutsche Übersetzung aber durchaus gelungen.
Wesentlich spektakulärer als die Autos sind aber natürlich die Power-Ups, welche Sie auf der Strecke aufsammeln können. Diese unterscheiden nämlich „Blur“ von anderen Rennspielen wie „Need for Speed“ oder ähnlichem. Mit dem „Schock“ zum Beispiel können Sie Blitzwellen an die Spitze des Feldes senden, um diese auszubremsen.
Oder auch ein Stoß, welcher als Lenkrakete bezeichnet werden kann. Der Abräumer wiederum schleudert sämtliche Autos in näherer Umgebung weg, während die Mine selbstverständlich eher für hinter Ihnen liegende Gegner gedacht ist. Das Blitz-Power-Up kann drei Energiesalven abschicken und ist besonders bei den Zerstörungsrennen sinnvoll.
Eher passivere Power-Ups gibt es selbstverständlich auch noch. Das Nitro beschleunigt das Fahrzeug, der Schild schützt es und mittels Reparatur können Sie Ihr Auto wieder reparieren. Generell werden diese Extras durch extrem farbenfrohe und schön anzusehende Effekte nochmals aufgewertet, wodurch Sie öfter mal durch ein Blitzlichtgewitter fahren.
Die Grafik von „Blur“ ist an sich nicht sonderlich aufregend. Doch was die Strecken nicht hergeben, können die Effekte mehr als nur wieder wettmachen. Heftige Explosionen erschüttern das ganze Bild, Raketen mit Feuerschweif rasen durch das Feld und bei aktivierten Schild wird die Farbe aus der Umgebung genommen, wodurch ein ganz neues Fahrgefühl entsteht.
Der Detailreichtum abseits der Strecke lässt dafür ein wenig zu wünschen übrig. Hin und wieder fliegt zwar ein Flugzeug über die Fahrbahn oder wird ein Haus demoliert, etwas mehr Interaktivität wie etwa in „Split/Second Velocity“ wäre jedoch ein großer Pluspunkt. Natürlich werden Sie aber dadurch nicht abgelenkt und können sich voll auf das Rennen konzentrieren, was insbesondere in späteren Levels mehr als notwendig ist.
Sehr toll gelungen ist der Mehrspielermodus in „Blur“. Hier tragen Sie Online mit bis zu 19 weiteren Spielern Ihre Rennen aus. Sobald Sie auch hier genügend Fans erreichen, steigen Sie in der Stufe auf und können neue Autos, Herausforderungen, Blur-Events und Mods freischalten. Die Mods sind dabei Upgrades, welche das Auto oder die Powerups verstärken.
Für Ihr Fahrzeug gibt es dabei die Mods „Fan-Boost“, um mehr Fans zu erringen, mit „Energieschub“ erhalten Sie einen zusätzlichen Energieblock, „Leistung“ bewirkt einen Geschwindigkeitsschub, während die „Lackierungen“ Ihr Auto individueller gestalten. Fans erhalten Sie dabei durch das erfüllen von Herausforderungen sowie spektakuläres Fahren.
Sobald Sie einmal Rang 50 erreicht haben (was schon etliche Stunden in Anspruch nimmt), können Sie in den Legenden-Modus wechseln. Dadurch werden zwar sämtliche Autos, Herausforderungen und Upgrades wieder gelöscht, dafür erhalten Sie aber ein einzigartiges Legendenauto mit allen Upgrades. Da es jedoch zehn dieser Legendenstufen gibt, haben Sie schon einiges zu erledigen.
„Blur“ erzeugt besonders in späteren Rennen eine Atmosphäre, die nur mit „Burnout“ vergleichbar ist. So zucken Sie schon mal unwillkürlich zusammen, wenn Sie hinter sich eine Rakete im Rückspiegel sehen und dieser gerade noch im letzten Moment ausweichen können. Diese kann dann durchaus mal den Vordermann erwischen und dieser über Ihr eigenes Auto fliegen.
Solchermaßen geht es die ganze Zeit während des Rennens weiter und der Adrenalinspiegel steigt beim Spieler stark an. Besonders wenn Sie mit einem Turboboost über eine hohe Rampe fliegen, den Gegner vor Ihnen mit einem Blitz abschießen oder auch hinter Ihnen eine Mine zünden, lässt sich dies mit keinem anderen Rennspiel vergleichen.
Comic-Racer waren gestern, „Blur“ ist heute – zumindest – wenn Sie realistische Autos haben wollen. Klar ist es nicht jedermanns Sache, mit einem BMW gegen einen Ford zu fahren und sich gegenseitig mit Blitzen und Raketen zu bombardieren, doch wer beim Autofahren Spaß haben will und einen PC besitzt, wird kaum an diesem Spiel vorbeikommen.
Die Grafik an sich ist zwar relativ detailarm, was durch die Effekte wieder aufgewertet wird. Steigen Sie einfach ein und geben Sie Gas, besonders online werden Sie genügend Schadenfreude, aber auch Ärger empfinden, wenn Sie kurz vor dem Ziel abgeschossen werden und keinen Schild mehr besitzen, um den Schuss abzuwehren.
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