Sega veröffentlichte nun passend zum Start des Kinofilms „Iron Man 2“ ein gleichnamiges Videospiel, das für die Nintendo Wii, die PlayStation 3, die Xbox 360, den Nintendo DS sowie die PlayStation Portable erschienen ist. Ob dieser Videospielableger ein Hit ist oder doch ein „Griff ins Klo“, erfahren Sie im folgenden Review.
Das Intro des Videospiels orientiert sich am Kinofilm. Tony Stark, der Big Boss von Stark Industries, verkündet offiziell, dass er der Superheld „Iron Man“ ist und dank einer High-Tech-Rüstung zu diesen Heldentaten bereit ist. In diesem Intro bewegt sich Tony und das gezeigte Material wirkt ganz in Ordnung, für die Nintendo Wii sogar überdurchschnittlich. Es endet mit dem Anlegen der magischen Rüstung und dem Abflug zum ersten Einsatzort.
Vor Ort wird man in einem emotionslosen Tutorial, ohne Sound oder Musik, mit der Basis-Steuerung vertraut gemacht. Das Tutorial ist rein textbasiert und nicht weiter spektakulär. Und ehe man sich versieht, befindet man sich schon in der ersten Mission.
Bevor wir richtig mit dem Review loslegen möchten wir Ihnen einen Trailer zum Spiel vorstellen.
Das Gameplay gestaltet sich wie folgt: Sie nehmen in Ihrem Hauptquartier eine Mission an und wählen dann, ob Sie in der Rolle von Iron Man oder in der Rolle von War Machine in den Kampf ziehen wollen. Beide Rüstungen können am Ende jeder Mission mit gesammelten Tech-Punkten aufgewertet werden, die man in den vorherigen Missionen gesammelt hat. Diese Tech-Trophäen sind meistens schwer zu finden und stellen im Prinzip eine Belohnung für den fleißigen Sucher da. Mit den Upgrades kann die Waffenstärke, das Arsenal und vieles mehr bei den beiden Rüstungen verbessert werden. Dieses Aufrüstsystem funktioniert an sich ganz gut und motiviert auch ein wenig.
Kommen wir nun zum eigentlichen Spiel. Wie bereits erwähnt, gilt es, in den Missionen die Feinde der Welt aufzuhalten. Dabei können Sie sich stets auf die Hilfe des Computers Jarvis verlassen, der Sie stets mit klugen Ratschlägen unterstützt. Die Levels an sich erlauben nicht viele Freiheiten und auch das Leveldesign wirkt meiner Meinung nicht wirklich spannend. Sie rennen im Prinzip herum, schießen auf alles was sich bewegt, und hoffen, möglichst bald das Levelziel erreicht zu haben. Zwischendurch gibt es das eine oder andere Minispiel zu meistern. Diese Minispiele wurden zwar an die Möglichkeiten der Wii angepasst (etwa die Pointerfunktion), aber vom Schwierigkeitsgrad und dem Einfallsreichtum dieser Minispiele bin ich mehr als enttäuscht. Minispiele in Budget-Titeln haben meistens mehr Würze als das hier gebotene. Ein kleines Beispiel: Sie müssen ein virtuelles Zahnrad anklicken (mächtig schwer mit der Pointerfunktion der Wii-Remote) und dann die linke oder rechte Pfeiltaste auf der Wii-Remote drücken. Wenn dann das Zahnrad komplett leuchtet, müssen Sie sich das nächste Zahnrad vornehmen. Kurz und knapp Schwierigkeitsgrad 0,0!
Äußerst hilfreich ist die Kompassanzeige, die das nächste Levelziel kennzeichnet. Ohne diese Angabe hat man nahezu keine Orientierung. Wenn man beispielsweise ein neues Missionsziel erreicht und man einen Computer ausschalten muss oder ähnliches, fokussiert die Kamera auch während dem Kampf auf dieses Missionsziel. Damit wird der komplette Kampfrhythmus unterbrochen.
Da ich gerade beim Kampfmodus bin: Dieser ist meiner Meinung nach ebenfalls ein wenig schwach. Sie rennen pausenlos umher, schießen auf alles was sich bewegt, wobei Kopftreffer gleich bedeutend wie Schreifschüsse am Bein sind. Gezielt wird typischerweise mit der Pointerfunktion der Wii-Remote. Weiters verschaffen Sie sich mit der Pointerfunktion der Wii-Remote den nötigen Überblick, indem Sie auf den linken oder rechten Bildschirmrand zielen. Im Kampf stehen Ihnen eine Basiswaffe sowie eine Reihe von Sekundärwaffen wie beispielsweise Raketen zur Verfügung. Wie bereits erwähnt, können diese Waffensysteme nach Belieben verbessert und modifiziert werden. Neben dem normalen Geplänkel erwarten Sie im Kampf auch überdimensionale Bossgegner, die aus heiterem Himmel auftauchen. Ohne wirklich zu wissen, was zu tun ist, stürmen Sie auf diese Bossgegner los. Im Verhältnis Minispiele zu Bossgegner ist der Kampf gegen die Zwischen- und Endgegner mehr als fordernd.
Neben den normalen Levels gibt es auch noch Speziallevels, in denen Sie beispielsweise nur fliegend von A nach B kommen müssen und sich dabei in sogenannten Schlauchlevels fortbewegen. Dabei heißt die Devise: „Feuern was das Zeug hält“! Auch diese Levels sorgen nur für minimale Abwechslung. Alles in allem bin ich vom Gameplay ziemlich enttäuscht. Das Kampfsystem sowie der Levelaufbau und der Spielablauf sind nach der zweiten Mission mehr als langweilig und nicht wirklich herausfordernd.
Grafik und Sound
Wie bereits erwähnt, ist das Intro meiner Meinung nach überdurchschnittlich gut gelungen. Auch die Hightechrüstung von Iron Man strahlt und glänzt. Die Bewegungsabläufe von Iron Man an sich wirken ebenfalls authentisch und gelungen. Doch leider ist nicht alles Gold, was glänzt! Die Zwischensequenzen zum Beispiel sind schwächer als bei 0815-Budget-Titeln! Dabei erwarten Sie Standbilder von den Charakteren, die entweder in den Vordergrund gerückt werden, oder wenn sie nur zuhören, grau hinterlegt werden. Auch das Leveldesign sowie die Levelgestaltung wirkt ein wenig lieblos. Es scheint, als hätte das Grafik-Team ausschließlich an der Rüstung von Iron Man gearbeitet?
Beim Sound sieht es leider noch schlechter aus, doch werfen wir zuerst einen Blick auf die positiven Aspekte. Ein großes Lob gebührt den Entwicklern für die Synchronisation aller Gespräche. Diese wurden nicht nur mit Textboxen versehen, sondern auch akustisch neu vertont, doch leider wurden dafür zweit- und drittklassige Synchronsprecher verwendet. Beispielsweise hört man im Intro Tony Stark sprechen, während seine Lippen verschlossen sind (Bauchredner?). Auch die Tonqualität der Dialoge ist teilweise sehr schlecht! Doch die Spitze des Eisbergs ist meiner Meinung nach die abwechslungsarme und schwache Soundkulisse im normalen Spiel. Daran ändert auch die rockige Musik im Hintergrund nichts!
Steuerung
Gesteuert wird mit der Wii-Remote in Kombination mit dem Nunchuck-Controller. Die Steuerung ist nicht besonders schwierig und somit für jung und alt bestens geeignet. Doch ein Meistern der Steuerung benötigt mit Sicherheit ein wenig Übung. Schade finde ich es ausserdem, dass es keine „Schnelllauftaste“ gibt. Man rennt pausenlos herum, womit eine solche Taste meiner Meinung nach schon Sinn machen würde.
Es wäre zwar reizvoll gewesen, im Coop-Modus mit War Machine und Iron Man die Welt zu retten, doch leider wurde ein solches Feature nicht ins Spiel eingebaut. Es gibt kurz und knapp keinen einzigen Mehrspielermodus.
Atmosphäre
Eine Atmosphäre ist meiner Meinung nicht gegeben. Die fehlende Story, die schwachen Leveldesigns sowie die schwache Synchronisation verhindern das Aufkommen einer atmosphärischen Stimmung.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Nintendo Wii-Version von „Iron Man 2“ als kurzer Spaß für zwischendurch vielleicht okay ist, aber für längere Gamingsessions wohl nicht zu empfehlen ist. Selbst Hardcorefans werden mit diesem Titel ihre liebe Mühe haben. Die Gameplayschwächen sowie die vorher bereits erwähnten Nachteile trüben den Spielspaß enorm.
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