Eine Schlacht ...
Die Stadt ist von Gegnern umzingelt. Irgendwo, nicht weit entfernt, lagert der Feind. Die Stadt hat zuwenige Verteidiger, als dass sie einem ernstgemeinten Angriff standhalten könnte. Man muss also improvisieren. Arthas, der Anführer des kleinen Trupps an Soldaten, welche die Stadt gerade erreicht haben, lässt von den Bewohnern in Windeseile Vorkehrungen treffen. Die drei Eingänge in die Stadt werden durch Wachtürme gesichert, unterstützt von Kanonentürmen. In den Baracken werden Nah- und Fernkämpfer ausgebildet. Doch noch während der Bauarbeiten an den Türmen erfolgt der erste Angriff der Untoten-Armee - doch glücklicherweise er nur ein schwacher Vorstoß. Arthas und seine Leute können ihn ohne Verluste abwehren.
Während der restlichen Bauzeit erfolgen noch weitere Angriffe von Westen und Nordwesten her, doch die Stadt hält stand. Die Zahl der Verteidiger wird immer weiter aufgestockt, doch es ist klar, dass der große Angriff noch bevorsteht. Der Feind will lediglich mehr über die Truppenstärke der Menschen herausfinden. Während die Aufbauarbeiten in vollem Tempo vorangehen, erreicht Arthas eine Nachricht, die ihn noch sorgenvoller stimmt: Eine Karawane der Untoten, beladen mit verseuchtem Getreide, zieht nördlich der Stadt die Straße entlang und wandelt ein Dorf nach dem anderen in untote Gestalten um.
Arthas beschließt, diesem Treiben nicht Einhalt zu gebieten, denn er fürchtet immer noch einen größeren Angriff. Doch dann passiert einige Zeit lang nichts. Nur hin und wieder wird die Stadt von einigen wenigen, versprengten Einheiten der Untoten angegriffen - keine echte Gefahr für die Verteidiger. Dann jedoch werden die Angriffe stärker, der Feind schickt gewaltige zweiköpfige Monstren, die an der Seite der normalen Fußsoldaten kämpfen. Die Verteidigung gerät ins Straucheln, die Wachtürme werden stark beschädigt und einmal werden zwei sogar zerstört; aber die Stadt hält weiter stand.
Es sieht fast nach einem Sieg der Menschen aus, doch da setzen die Untoten ihre ganze fürchterliche Armee ein. Von zwei Seiten gleichzeitig wird die Stadt angegriffen, doch diesmal sind es nicht vereinzelte Einheiten - der Feind greift mit seiner ganzen Armee an. Während die Bodentruppen vorwärts stürmen und sich einen erbitterten Kampf mit den Nahkämpfern der Menschen liefern, beginnen aus den hinteren Reihen gewaltige Katapulte die Stadt zu beschießen. Arthas, der als Paladin auch magische Fähigkeiten besitzt, Jaina, eine befreundete Magierin, und zwei Priester geben ihr Bestes, um den Verteidigern alle nur mögliche Hilfe zukommen zu lassen. Während Arthas in Windeseile per Magie die Kämpfer heilt, schleudert Jaina den Feinden furchterregende Feuerbälle entgegen und beschwört außerdem noch ein Wasserwesen, das sie nach vorne in die Schlacht schickt. Die beiden Priester helfen mit ihren Blitzen inzwischen am anderen Eingang der Stadt aus, wo der Angriff nicht ganz so stark ist.
Und tatsächlich sieht es fast so aus, als würden Arthas' Menschen erneut siegreich bleiben, denn die Verteidiger treiben den Feind langsam, aber sicher zurück. Davon noch einmal angestachelt, werden auch noch die Arbeiter der Stadt zu den Waffen gerufen - und mit vereinten Kräften wird die Untoten-Armee bekämpft. Es sieht wirklich alles nach einem Sieg der Menschen aus, doch plötzlich taucht hinter der Feindarmee ein gekrümmt gehender Mann auf, der seltsame Zaubersprüche zu murmeln beginnt. Und ehe es sich Arthas versieht, stehen die gefallenen Feinde wieder auf und kämpfen weiter. Es ist klar: Der seltsame Mann ist ein Necromancer, ein Magier, der Tote wieder auferstehen lassen kann.
Das Schlachtenglück wendet sich: Die Untoten dringen in die Stadt ein. Die letzten Verteidiger sehen sich einer unbezwingbaren übermacht gegenüber. Alles scheint verloren, doch da erbebt die Erde von Hufschlägen. Eine Staubwolke von Reitern rast durch den dritten Eingang in die Stadt, dem einzigen Eingang, der nicht angegriffen worden war. Endlich trifft das Entsatzheer ein und fällt über die Feinde her. Und ehe man es sich versieht, haben die Reiter den Feind in die Flucht geschlagen - keine Minute zu früh!Die Hintergrundgeschichte
Diese Schlacht, die etwas nach der Schlacht in Helms Klamm im zweiten Teil des Buches "Der Herr der Ringe" von dem Altmeister J.R.R. Tolkien klingt, ist eine der ersten Missionen des neuen Echtzeit-Strategiespiels "WarCraft III - Reign of Chaos" von Blizzard Entertainment. In diesem Spiel können Sie endlich die spannende Geschichte rund um Azeroth und Lordaeron weiterspielen. Wir erinnern uns: In "WarCraft II - Tides of Darkness" hatten die Orks ohne Vorwarnung oder echte Gründe das Königreich Azeroth überfallen.
Ein Bündnis aus Menschen, Zwergen und Elfen war daraufhin gegen die Orks in den Krieg gezogen und hatte schließlich das Dunkle Portal, durch welches die Orkschergen gekommen waren, zerstört. Doch nun, im dritten Teil der "WarCraft"-Saga, lauert eine viel größere Bedrohung, der auch die Orks, die seit ihrer Niederlage am Dunklen Portal in der Verbannung leben, nicht gewachsen sind. Die Untoten, die zum ersten Mal in diesem Spiel vorkommen, wollen die Weltherrschaft. Thrall, der nominelle Häuptling der Orks, hat im Traum eine Vision: Er sieht, wie zwei gewaltige Armeen der Menschen und Untoten sich auf einem öden Schlachtfeld bekämpfen, während vom Himmel brennende Meteoritenschauer niedergehen. Denn hinter dem Krieg der Untoten steht eine noch viel größere und unheilvollere Macht!
Ein Seher fordert Thrall auf, die Ork-Clans wieder zu vereinen und über das große Meer nach Kalimdor zu segeln, einem weit entfernten und vergessenen Kontinent. Das ist auch das Tutorial des Spiels. Während man den Orks zur Flucht verhilft, lernt man die Steuerung und die Handhabung der Helden. Ein Rollenspiel?
Der Seher versucht auch die Menschen zur Flucht zu überreden, doch vergebens. Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Arthas, der Sohn des Königs, macht sich auf den Weg, um die Untoten zu besiegen. Doch Sie steuern nicht im ganzen Spiel nur die Menschen. Nach einigen Missionen wechselt das Spielgeschehen zu den Untoten - die Gründe dafür will ich hier nicht verraten. Danach spielen Sie die Orks und helfen ihnen dabei, Kalimdor zu erforschen, welches den Nachtelfen gehört, die wenig erfreut über den unerwünschten Besuch sind. Und schließlich und endlich führen Sie die Nachtelfen bei ihrem Feldzug an.
In allen Schlachten wird Ihr Trupp durch einen Helden angeführt. Dieser Held ist stärker als die anderen Einheiten und beherrscht Zaubersprüche. Außerdem kann er, wie in Rollenspielen, im Level aufsteigen. Durch die Levelaufstiege bekommt der Held Punkte, um welche man ihm neue Sprüche beibringen kann. Diese Sprüche gibt es in drei Stärken. "Holy Light" zum Beispiel heilt einen Kämpfer in der ersten Stufe nur zu etwa einem Drittel, in der Zweiten schon zur Hälfte und in der dritten komplett. Arthas kann außerdem noch andere Zauber erlernen - ab einem höheren Level kann er zum Beispiel ebenfalls Tote auferstehen lassen, sich für einige Zeit vollkommen unverwundbar machen oder alle Krieger in seiner Nähe stärker werden lassen. Natürlich kosten solche magischen Tricksereien Mana - je nach Stärke des gesprochenen Zaubers mehr oder weniger. Da der jeweilige Held aber durch jeden Levelaufstieg mehr Mana bekommt, ist das kein sonderlich großes Problem.
Oft findet man auf dem Weg auch Schriftrollen oder Heiltränke, die der Held in seinem kleinen Inventar mit sich herumtragen kann. All diese Kniffe mit dem Helden machen "WarCraft 3" teilweise fast schon zu einem Rollenspiel. Andere Helden, wie zum Beispiel die eingangs erwähnte Jaina, beherrscht andere Sprüche: So kann sie, wie bereits erwähnt, ein Wasserwesen beschwören und Feuerbälle schleudern. Als Komfort-Plus kann man außerdem nennen, dass man bei jedem Helden einstellen kann, welche Macht er automatisch anwenden kann. Wenn man also bei Arthas "Holy Light" auswählt, heilt er automatisch die anderen Truppen - die anderen Kräfte kann man nach eigenem Gutdünken einsetzen.
Die Missionsvielfalt ist beeindruckend: Es kommen tatsächlich nur sehr wenige Missionen vor, die nach dem üblichen Muster - Basis bauen, Leute ausbilden, Gegnerbasis zerstören - funktionieren. Einmal muss man eine Stadt von einer Belagerung befreien, ein anderes Mal eine Stadt 30 Minuten lang halten, bis Verstärkung eintrifft - und wieder ein anderes Mal eine eigene Stadt zerstören, bevor der Feind alle Bewohner zu Untoten macht.
Der Basisbau erinnert sehr stark an die alten "WarCraft"-Titel und an den Klassiker "StarCraft". Es gibt nicht sonderlich viele Gebäude, allerdings kann man einige upgraden: So wird zum Beispiel das Hauptgebäude zuerst zum Schloss und danach zur Festung. Man kann, wie schon in "Age of Empires", in den verschiedenen Gebäuden diverse Upgrades an Waffen oder Schutzvorrichtungen erforschen. Ein anderes Beispiel für ausbaufähige Gebäude sind Türme. Der erste Turm, den man bauen kann, ist ein einfacher Spähturm, der sich noch kaum selbst verteidigen kann, sobald er jedoch fertig gebaut ist, kann man ihn zu einem Wachturm oder einem Kanonenturm ausbauen.
Aber auch sonst gibt es beim Basisbau diverse Unterschiede zwischen den verschiedenen Rassen. Die Menschen bauen traditionell und können auch mehrere Arbeiter zum Bau eines einzigen Gebäudes abkommandieren, was bei den Orks nicht möglich ist. Die Untoten beschwören die Gebäude. Auch werden die Rohstoffe jeweils anders abgebaut: Während Menschen und Orks Bäume fällen, fliegen die Irrwische der Elfen durch die Bäume und bekommen Holz ohne den Bäumen etwas antun zu müssen. Sehr realistisch ist auch, dass man seine Truppen ernähren und bezahlen muss. Ab einer bestimmten Truppengröße kommen Sie in den "Low Upkeep", was bedeutet dass bei jeder Goldlieferung aus einer Mine ein Teil abgezwackt wird - wenn die Größe des Heeres noch weiter steigt, erreichen Sie irgendwann den "High Upkeep", durch den noch mehr von jeder Gold- oder Holzlieferung abgezweigt werden muss.
Interessant sind auch die Gebäude der Nachtelfen, denn sie bestehen nur aus Bäumen. Per Mausklick kann man diese entwurzeln und die Baumhäuser herumspazieren lassen. Sie können tollerweise sogar kämpfen!Die Grafik
Die Grafik hat einige positive und einige negative Aspekte. Negativ anzumerken wäre da vor allem, dass die Figuren allesamt sehr eckig aussehen und die Bäume sind für meinen Geschmack zu comicartige geraten. Andererseits überwiegen die positiven Aspekte, denn vor allem die Effekte der Zaubersprüche sind wunderbar anzusehen. Auch wenn die Scharfschützen schießen oder die Kanonen der Menschen zu feuern beginnen, geht die Post ab! Die Gebäude sind sehr liebevoll gestaltet - zum Beispiel drehen sich am Turm des Hauptgebäudes wirklich die Zeiger der Uhr. Die 3D-Grafik können Sie zoomen und per Tastendruck um 90´° drehen, was jedoch nur sehr selten wirklich Sinn macht.
Die Animationen der Kämpfer sind sehr detailliert, die Texturen verschwimmen nicht beim Näherzoomen, wie es bei "Empire Earth" der Fall war. Die Filmsequenzen sind teilweise beeindruckend gerendert, viele Missionen werden durch tolle Sequenzen in Spielgrafik aufgelockert. Insgesamt wirkt "WarCraft 3" grafisch teilweise wesentlich schöner als "Empire Earth" und kann mit "Battle Realms" problemlos mithalten. Der Sound
Fantastische Musik untermalt die Schlachten in "WarCraft 3". Die epischen Melodien tragen viel zur unbeschreiblichen Atmosphäre bei. Die Sprecher sind zumindest in der englischen Version, die uns zum Test vorlag, ausgezeichnet ausgewählt worden. Bei Gesprächen in den Zwischensequenzen gibt es immer Untertitel, die das Verstehen der englischen Version nicht sonderlich schwer machen. Sobald uns auch eine deutsche Version vorliegt, werden wir Sie natürlich über die Unterschiede in der Lokalisation unterrichten.
Die sonstigen Soundeffekte suchen teilweise wirklich Ihresgleichen. Die Kanonenschüsse donnern aus den Lautsprechern, die Zaubereien klingen, so weit das bei einem Fantasy-Spiel möglich ist, sehr authentisch. Alles in allem ist der Sound genauso fantastisch wie das gesamte Spiel.Die Steuerung
Die Steuerung ist über weite Strecken sehr konventionell: Mit der linken Maustaste wählen Sie Einheiten an, mit der rechten geben Sie Befehle. Kleine Änderungen hat Blizzard Entertainment jedoch vorgenommen: So kann man zwar wie üblich per Strg + Zahl Gruppen zusammenstellen, allerdings kann man diese nicht so wie normalerweise üblich mit Alt + Zahl wieder zentrieren und anwählen. Stattdessen muss man zwei Mal auf die Zahl drücken. Nach einer kurzen Umgewöhnungsphase ist das jedoch sehr sinnvoll, weil es etwas schneller geht als mit der üblichen Alt-Technik. Ansonsten zoomen Sie mit dem Mausrad und drehen die Map durch Drücken der Ins-Taste um 90´°.
Im Battle.net wird "WarCraft 3" vermutlich sehr schnell zum beliebtesten Spiel werden und "StarCraft" bzw. "Diablo 2" ablösen. Zu Recht, wie uns scheint, denn im Netzwerk hat das Spiel in unserer Redaktion einen unglaublichen Spaß gemacht. Durch die Helden wird dem Spiel mehr Tiefe verliehen. Der Basisbau ist zwar nicht so stark ausgeprägt wie bei "Age of Empires 2 - Age of Kings" oder "Stronghold" und es wird nicht so sehr auf Massenschlachten gesetzt. Stattdessen gibt es kleinere, gut zusammengestellte Trupps, die von einem oder, was selten vorkommt, mehreren Helden unterstützt werden. Im Batte.net gibt es wieder wie gewohnt eine Weltrangliste.
Zusammenfassung
Wenn nicht alles schief geht, wird " WarCraft 3 - Reign of Chaos" wie eine Bombe einschlagen. Das neue Meisterwerk von Blizzard überzeugt durch gute Grafik, fantastische Musik und mitreißende Kämpfe. Das Heldensystem ist toll umgesetzt und vermengt geschickt Echtzeit-Strategie mit Rollenspielelementen. Die spannende Geschichte könnte einem Film entnommen worden sein - es gibt auch einige unerwartete Wendungen, soviel sei verraten. Die Vielfalt der verschiedenen Zaubersprüche ist ebenso faszinierend. Die K.I. präsentiert sich ordentlich - und vor allem die Wegfindungs-K.I. ist ausgezeichnet! So kompliziert "WarCraft 3" vielleicht auch hier klingt, gibt es keinen Moment im Spiel, in dem man sich nicht auskennt. Die mitreißende Story treibt einen durch das Spiel und lässt den Spieler nicht mehr los. Es wird spannend im Echtzeit-Lager, denn der erste Herausforderer des neuen Spitzenreiters lässt nicht mehr sehr lange auf sich warten. Ob " Age of Mythology" " WarCraft 3 - Reign of Chaos" vom Echtzeitthron stürzen wird, können wir Ihnen jetzt noch nicht sagen. Aber sicher ist, dass es sehr hart wird für den inoffiziellen "Age of Kings"-Nachfolger, die Serie der glorreichen "AoE"-Familie fortzuführen. Bis "AoM" erscheint, wird "WarCraft 3" vermutlich nicht zu schlagen sein. Und auch danach vielleicht nicht. Ich kann Ihnen also nur eine absolute und vollkommen uneingeschränkte Kaufempfehlung für "WarCraft 3" geben!
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