Sie sorgen gerne für Chaos? Explosionen sind Ihre Spezialität? Dann sollten Sie sich an die Fersen von Rico Rodriguez heften und gemeinsam machen Sie dann so richtig Kleinholz aus einem eigentlich beschaulichen Inselstaat. Lesen Sie weiter.
Starten möchten wir gleich mit dem actionreichen Launchtrailer zum Spiel!
Irgendwo in Südostasien liegt der kleine, aber fiktive Inselstaat Panau. Der dortige Präsident war eigentlich immer auf Uncle Sam's Seite, nun hat sich der Wind aber gedreht. Sein Sohn Pandek Panay ist unter nicht ganz familienfreundlichen Umständen in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Das wäre insofern in Ordnung, wenn er nur weiter nach der USA-Pfeife tanzen würde. Macht er aber nicht und deshalb herrscht Stunk.
Zu allem Überfluss scheint es, als wäre ein ehemaliger Agent Ihrer Agentur darin verwickelt, Tom Sheldon, der noch dazu Ricos ehemaliger Ausbildner ist. Das alles verrät Ihnen die nette Lady, die neben Ihnen im Hubschrauber sitzt. Sollten wir es noch nicht erwähnt haben, Sie befinden sich nämlich gerade auf dem Weg nach Panau, die Informationen waren das Missionsbriefing. Als dann der Kollege neben Rico gerade die wichtigen Daten auf dessen PDA laden will, wird der Flug unsanft gestört. Besagter Kollege bekommt auch gleich Springsucht und befindet sich in freien Fall Richtung Dschungel. Blöderweise hat er die wichtigen Datendiscs fallen lassen. Sollten diese in die falschen Hände geraten, könnte das fatal enden und deshalb bleibt Ihnen nichts anderes übrig als hinterher zu springen. Und außerdem, wer braucht schon einen Fallschirm.
Die Datendiscs haben sich über Feindesland verstreut und bevor sie in falsche Handy geraten können, muss Rico sie sich schnappen. Zum Glück sind sie alle mit Peilsendern versehen, so dass Sie nicht die sprichwörtliche Heunadel suchen müssen. Diese erste Mission dient sozusagen als Tutorial und macht Sie mit der Steuerung vertraut. Ihr wichtigster Ausrüstungsgegenstand wird der Enterhaken sein. Mit diesem feinen Tool lässt sich so manches Problem ganz einfach lösen. Egal, ob unliebsame Scharfschützen, die Sie auf große Entfernung von ihren Plätzen reißen können oder Hubschrauberbesteigungen, alles kein Problem. Details aber später.
Nachdem die kleinen CDs eingesammelt sind, holt Sie Ihre Kollegin per Helikopter wieder ab und bringt Sie zum nächsten Einsatz. Tom Sheldon muss noch immer gefunden werden und das so bald wie möglich. Ein ehemaliger Entwicklungshelfer namens Carl Blaine könnte wissen, wo Tom sich aufhält und deshalb statten Sie ihm einen Besuch ab. Leider sind Blaines Tage als guter Samariter schon lange vorbei, er vertreibt sich die Zeit jetzt lieber im Casino und mit Schnaps. Aber dennoch braucht Rico seine Hilfe. Beim Casino angekommen glauben Sie auf einmal Sie sind in Malaysia. Das Gebäude sieht sehr verdächtig nach den Petronas Towers in Kuala Lumpur aus. Zumindest wissen wir jetzt, wo die Designer ihre Inspiration haben.
Lifte sind für Weicheier, also wird das Gebäude per Enterhaken erklommen. Oben angekommen schnell noch ein paar Bomben entschärft, einen Hubschrauber abgeschossen und nebenbei auch noch diesen Blaine befreit. Rico in Action, so macht das Spaß! Wieder festen Boden unter den Füßen ziehen Rico und Blaine es vor, lieber abzuhauen. Er fährt und Sie stehen auf dem Dach seines Wagens. Die Verfolgungsjagd zählt dann zu den ersten Highlights des Spiels. Sie hängen mit einer Hand am Kühlergrill in Deckung und nehmen die Verfolger von der Seite aufs Korn. Die lassen sich ganz schnell erledigen. Ein Schuss auf einen Vordereifen und schon Überschlägt sich das Auto mehrfach. Ein absoluter Hingucker. Haben Sie es einmal geschafft, wollen Sie es nur mehr so machen.
Blaine liefert Ihnen wie gewünscht Informationen. Sie sollten sich mit den drei auf der Insel befindlichen Rebellentruppen anfreunden. So werden Sie die gewünschte Person finden. Um auf sich aufmerksam zu machen, werden Sie als internationaler Söldner verkauft. Die Masche klappt auch einwandfrei. Egal, ob kommunistische Reapers, eingeborene Ular Boys oder mafiose Roaches, jede Truppe nimmt dankbar Ricos Hilfe an. Die Missionen bietet zwischen den drei Gruppierungen nicht viel Variation. Meist nehmen Sie irgendwelche Einrichtungen wie Festungen, Häfen oder kleine Basen ein. Dazu müssen Sie zunächst einen Techniker beschützen, der im Anschluss die Anlage übernimmt. Oder Sie entschärfen Bomben unter Zeitdruck.
Als großen Freund haben Sie einen netten Kerl namens Sloth Demon, der ist Schwarzmarkthändler und versorgt Rico mit allerhand Nützlichem wie Fahrzeugen oder Ausrüstung. Sofern die Bezahlung stimmt natürlich. Geld erhalten Sie durch das Stiften von Chaos, dazu aber gleich mehr. Sloth Demon spielt nämlich noch eine weitere wichtige Rolle. Panau ist unendlich groß. Man hat sich wirklich Mühe gemacht, eine riesige Welt zu kreieren. Das heißt aber auch, die Distanzen zwischen Missionen sind mitunter ziemlich beachtlich. Zu Fuß nicht zu schaffen, mit dem Auto noch immer zu lange unterwegs, nur mit Flugzeug oder Hubschrauber wirklich zu überwinden. Da Sie selbige nicht immer gleich zu Hand haben, können Sie eine Exfiltration beim Händler beantragen. So geht es in Windeseile von A nach B. Einzig, der Zielort muss schon einmal besucht worden sein.
Bang, Boom, Bang
Nur wer für ordentlich Chaos in Panau sorgt, kommt voran. Die für die Story relevanten Agenturmissionen, werden immer erst ab einem bestimmten Chaos-Wert freigeschaltet. Das heißt, Sie dürfen Ihrer Zerstörungskreativität freien Lauf lassen. In die Luft jagen lassen sich dabei zahlreiche Regierungseinrichtungen. Um diese erkennen zu können, sind sie dankenswerter Weise mit einem weisen Stern versehen. Nehmen Sie zum Beispiel eine Festung ein, wird Sie aber erst dann komplett soldatenfrei sein, wenn alle Regierungsgebäude zerstört sind. Und ganz wichtig, in den Ortschaften und Festungen liegen kleine Kisten, enthalten Rüstungs- oder Waffenteile, herum die ebenfalls gesammelt werden müssen, damit die Erkundungsskala auf 100 Prozent geht. Die gesammelten Teile dürfen dann dafür in Waffen- und Fahrzeug-Upgrades investiert werden.
Material gibt es genug. Zahlreiche Waffen, von der Uzi bis zum Raketenwerfer und C4 Päckchen, ist alles dabei. Wie bereits erwähnt ist das wichtigste Teil aber Ihr Enterhaken. Der dient nicht nur zum Häuser erklimmen, sondern ist um einiges praktischer. Zusätzlich verfügt Rico nämlich über einen Fallschirm, der stets auf seinem Rücken darauf wartet, dass jemand die Reißleine zieht. Basejumpen ist also kein Problem und bei den vielen Hochhäusern ein echter Spaß. Außerdem dürfen Sie jederzeit aus allen Fahrzeugen, auch Fliegern, austeigen. Gleiten Sie dann so fröhlich vor sich hin, können Sie dem Flug per Enterhaken jederzeit neuen Schwung geben und so lange in der Luft bleiben.
Da steckt mehr dahinter
Zurück zur Story. Haben Sie sich die Freundschaft der drei Rebellentruppen verschafft und genug Chaos verursacht, schaltet sich die nächste Agenturmission frei. Es gibt Anzeichen, dass ein Terrorist, der sich selbst „weißer Tiger“ nennt, eigentlich der gesuchte Tom Sheldon ist. Also macht sich Rico auf in die Wüste um sich diesen Typen vorzuknöpfen. Zuerst müssen Sie aber einen seiner Freunde befreien, der Sie dann zu ihm bringt. Einen wilden Ritt auf einem Crossbike später stehen wir inmitten dessen Stützpunkts und schon wieder fliegen Rico die Kugeln um die Ohren. Die Regierung war anscheinend schneller. Ruckzuck den Kommandanten der Soldaten umnieten und eine Datenkarte in eigenen Besitz bringen. Darauf zu finden die Koordinaten des unbekannten Terroristen, der eine seltsam vertraute Stimme hat. Bei einem gemütlichen Spanferkel erfahren Sie dann was wirklich los ist in Panau. Wir verraten natürlich nichts, das müssen Sie schon selbst herausfinden.
Grafik und Sound
Ein Feuerwerk auf Ihren TV-Gerät. Gewaltige Explosionen, sich dutzendfach überschlagene Fahrzeuge, abstürzende Hubschrauber und Sie mittendrin statt nur dabei. Von der Nähe betrachtet sieht Panau einfach wunderbar aus. Malerische Strände, Schneebedeckte Berge, tropische Dschungel und karge Wüsten. Jede Landschaft ist gut inszeniert lädt zum Verweilen ein. Ausnahmen sind manche Dörfer, die ziemlich steril daher kommen. Aber dafür sind die Strände mit Sand und den schön grünen Palmen ein echter Hingucker. Beim gemütlichen Tauchgang im Meer finden wir dann Korallenriffe, nur leider keine Bewohner. Unterm Wasser nichts los also.
Bei der Weitsicht wird es dann allerdings ein wenig problematisch. Die gibt es nicht. Wenn sie mit dem Auto oder Flugzeug dahin fetzen, poppen Gebäude erst spät auf und auch die Schärfe lässt zu wünschen übrig. Auf größere Entfernung gibt es nur vermatschte Texturen. Ob der riesigen Ausmaße der Insel drücken wir aber ein halbes Auge zu. Beim Sound lässt sich „Just Cause 2“ dafür nicht lumpen. Egal ob die Geräuschkulisse oder die Sprachausgabe, beides ist echt gelungen.
Steuerung
Die Steuerung von Rico aus der Third-Person Perspektive geht gut von der Hand und dank des Zielerfassungssystems bleiben die Feinde auch nicht vor Ihnen verschont. Es wurde gut genug integriert, damit Sie auch ja alle Bösewichte erledigen können. Die Sache mit dem Enterhaken ist ebenso mühelos wie eingängig. Sobald ein kleines Rechteck rund um Ihr Fadenkreuz zu sehen ist, hat der Haken was zum Festhalten und Sie können ihn von der Leine lassen bzw. etwas Auslauf geben. Rico schwingt sich dann gekonnt zum Ziel. Und selbst Hubschrauber lassen sich damit erklimmen. Oben angekommen befördern Sie sich nach einem Quicktime-Event selbst auf den Pilotensitz und ziehen Richtung Sonnenuntergang davon.
Die Steuerung der Fahrzeuge ist dafür so eine Sache. Hubschrauber gehen da noch am besten, da Sie Seiten und Höhenruder bedienen dürfen. Autos fahren sich wirklich nicht gut, wir waren da lieber mit dem Motorrad unterwegs. Aber auch hier heißt es zaghaft vorgehen. Die Flieger sind prinzipiell ganz in Ordnung, solange Sie kein Rennen damit starten. Zum Glück fällt dafür das Landen flach, da Rico einfach per Fallschirm aussteigen darf.
Panau ist ein Tropenparadies, in dem wir es länger aushalten. Die Welt ist groß, belebt und lädt zum Erkunden ein. Es ist wirklich immer etwas los. Halten wir uns zum Beispiel länger in einem Dorf auf, weil wir auf der Suche nach allen erwähnten Kisten sind, kann es vorkommen, dass eine kleine Rebellengruppe auftaucht und das Feuer auf die patrouillierenden Regierungstruppen eröffnet. Auch beim gemütlichen Cruisen am Highway der Küste entlang treffen wir immer wieder auf Gegenverkehr und überholen andere Fahrzeuge. Und selbst in der Luft fliegen wir an anderen Flugzeugen vorbei. Es gibt also viel zu entdecken, aber dennoch wird es mit der Zeit etwas langweilig, da die Agenturmissionen immer lange auf sich warten lassen.
„Just Cause 2“ hat mich wirklich überrascht. Die offene Spielwelt und der lustige Enterhaken machen gewaltig viel Spaß. Zwischendurch will man einfach mal so mit seinem Schirm in Richtung Sonne gleiten. Auf der anderen Seite bin ich von der Story doch ein wenig enttäuscht. Die große Welt bietet so viele Möglichkeiten, eine packende Geschichte zu erzählen, tut es aber leider nicht. Hier wurden einfach Chancen verspielt. Aber dennoch, Panau ist ein schöner Inselstaat und wir werden sicher noch die eine oder andere Reise dorthin unternehmen.
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