Auf Grund mangelnder Erfahrung können wir nicht mit Sicherheit sagen, wie es sich wirklich anfühlt durch die Tunnel der Moskauer U-Bahn zu wandeln. Aber dank „Metro 2033“ können wir es uns jetzt zumindest vorstellen – im postapokalyptischen Sinne zumindest. Lesen Sie hier unser Review.
Bevor wir richtig mit dem Review starten, möchten wir Sie mit dem Launchtrailer so richtig auf den Titel einstimmen.
Atjom wurde in Moskau geboren, doch an die Welt vor dem nuklearen Krieg kann er sich nicht erinnern. Als einer von 40.000 Überlebenden versucht er sich zwanzig Jahre später als junger Mann durchzuschlagen und nutzt alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, um der Bedrohung durch Mutanten und Banditen Herr zu werden. Doch nun erscheinen weitere, weit gefährlichere Monster, die im Alleingang ganze Gruppen töten können – die Schwarzen.
Metro
Opfer, die einen Angriff der Schwarzen überlebt haben, können nicht gerade behaupten, eine hohe Überlebenschance zu haben, denn durch die übernatürlichen Attacken psychisch zerstört, drehen sie irgendwann durch, schreien Sätze wie „Nein, bleib weg!“, während Sie ihre Körper vor lauter Schmerzen verkrampfen und sterben einen qualvollen Tod – nur nicht Atjom, denn der ist seltsamerweise immun.
Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht verwunderlich, dass dem Spieler ein klein wenig unwohl wird, wenn Atjom zusammen mit einigen anderen Männer auf einer Drainage sitzend den beschwerlichen Weg in zur nächsten Station auf sich nehmen, dann aber auf Grund eines „steckengebliebenen“ Wagens eine Ausweichroute durch einen leider unbeleuchteten Tunnel nehmen müssen.
Wie erwartet wird die kleine Gruppe von Mutanten überfallen. Ihre Aufgabe ist es mit einer selbstgebauten Maschinenpistole und einer Schrotflinte dafür zu sorgen, dass die Monster nicht zu nahe kommen. Vorerst scheint dies zu funktionieren, doch wenige Augenblicke später stürzen Ihr Alter Ego vom Fahrzeug und scheint den abartig aussehenden Monstern ausgeliefert zu sein, kann sich aber schlussendlich doch noch über die Absperrung der Zielstation retten, von wo aus die dortigen Wachen wenige Sekunden später ein kleines Feuerwerk zünden, in dem sie mit ihren Flammenwerfern die anrückende Horde abfackeln.
Handwerkskunst
Innerhalb der Befestigungen erwartet Sie ein atmosphärisches Bild. Bars voller Männer, die sich gegenseitig Geschichten erzählen und Kinder, die mitten unter ihnen am Boden hocken und mit Kreide Zeichnungen auf eben diesen schmieren. Bei Händlern können Sie neue Waffen und Ausrüstungsgegenstände erwerben oder sich mit einer Frau auf ein vermeintliches Schäferstündchen einlassen.
Als Zahlungsmittel kommt im Moskauer Untergrund der Zukunft eine bestimmte Art von Munition zum Einsatz, Militärmun genannt. Diese aus der Zeit vor der atomaren Zerstörung stammenden Patronen sind deshalb wertvoll, weil Sie nicht mit diesem selbstgemischten, dreckigen Pulver gefüllt sind. Natürlich können Sie Ihre Waffen auch mit dieser Munition laden und verursachen so mehr Schaden, was Sie sich aber zweimal überlegen sollten, da eine neue Waffe vielleicht schneller ein Monster oder einen Banditen in die Knie zwingt als Ihre alte mit der guten Munition.
Noch vor der Szene mit dem handbetriebenen Wagen erhielt Atjom von Hunter, einem erfahrenen Kundschafter, den Auftrag sich bis zur Station Polis durchzuschlagen, um dort von den Schwarzen zu berichten. Natürlich kann eine solche Reise nur von Erfolg gekrönt sein, wenn der Reisende über die nötige Ausrüstung verfügt. Eine Taschenlampe, deren Batterien mit einem von Hand betriebenen Ladegerät gefüllt werden, eine Gasmaske, Erste-Hilfe-Päckchen und später sogar ein Nachtsichtgerät – diese zählen neben Ihrem Feuerzeug und dem auf einem Klippboard befestigten Kompass zur Auswahl an Accessoires für den Reisenden in der traurigen Zukunft.
Abwechslung
Natürlich erwarten Sie nicht nur die finsteren Tunnel des U-Bahnnetzes. An der Oberfläche, die Sie von Zeit zu Zeit mit aufgesetzter Gasmaske erkunden dürfen, spielt sich „Metro 2033“ aber ebenso nervenaufreibend. Geflügelte Mutanten, die sich von Dächern teilweise zerstörter Häuser auf Sie stürzen, machen Ihnen das Leben schwer. Angenehm „ruhig“ geht es in den kurzen Schleicheinlagen zu, die in den Lagern der Gesetzlosen spielen. Hier gilt es Lichtquellen auszuschalten oder mit Wurfmessern lautlos zu töten, um sich anschließend an den Vorräten der glücklosen Herren zu bedienen.
Grafik und Sound
Auf Grund des düsteren Settings sollten vor allem die Licht- und Schattenspiele einiges hermachen – und das tun Sie auch. Schon alleine um zu sehen, wie sich vom Mündungsfeuer der Maschinenpistole immer wieder kurz beleuchtete Wesen auf sich stürzen, ist es Wert von Zeit zu Zeit auf das Verwenden der Taschenlampe zu verzichten. Ebenso wurden die Charaktere und Schauplätze detailliert umgesetzt. Das volle Potenzial spielt „Metro 2033“ auf einem System mit DirectX11 unterstützenden Grafikkarten aus.
So wie die Grafik passt auch das Soundbild super zum Setting. Immer wieder können Sie Schreie oder Grunz-Laute aus dunklen Ecken vernehmen und die Effekte der Waffen wirken sehr authentisch. Das Spiel enthält außerdem eine deutsche Synchronisation, die, dank des gespielten russischen Akzents der Charaktere, auch sehr gut passt.
Hier gibt es kaum etwas zu bemängeln. Die WASD-Standardkonfiguration erfüllt wie gewohnt ihren Zweck. Erweitert wurde diese mit einigen Funktionen, wie zum Beispiel mit dem ausrüsten des Ladegerätes, in dem Sie die Taste „F“ gedrückt halten. Ebenfalls einfach funktioniert der Handel. Auf ein Inventar, aus dem Sie rollenspieltypisch irgendwelche Gegenstände in einen Warenkorb legen, wurde verzichtet. Sie sehen sich einfach die angebotenen Waffen und Objekte an und wählen diese aus.
Ein Mehrspieler-Modus hätte „Metro 2033“ nicht schlecht getan, da die Story bereits nach sechs bis sieben Stunden abgeschlossen ist.
Atmosphäre
So viel ist klar: Wenn Sie im Dunkeln oder in engen Räumen Angst haben, sollten Sie vielleicht einen Bogen um „Metro 2033“ machen. Außer eine andere Person spielt für Sie diese Abschnitte und Sie übernehmen an der Oberfläche die Kontrolle, denn dort ist der Gruselfaktor nicht ganz so hoch.
Davon abgesehen ist vor allem das Leben in den Stationen sehr gut präsentiert. Wie schon in „S.T.A.L.K.E.R.“ treffen Sie auf zusammensitzende Söldner, die sich gegenseitig Geschichten erzählen oder dem Spiel der Gitarre lauschen, während sie sich mit Vodka volllaufen lassen.
„Metro 2033” bietet eine etwas zu kurz geratene, Schocker-reiche Story, die dank der super Grafik und der dichten Atmosphäre sehr gelungen wirkt. Und ich nehme jetzt meine Taschenlampe mit, wenn ich mit der U-Bahn fahre – man weiß ja nie …
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