Seit über zwanzig Jahren erscheinen regelmäßig Ableger der „Final Fantasy“-Reihe, die gleichzeitig zu den Aushängeschildern der japanischen Rollenspiele gehören. Wir haben den dreizehnten Teil der Serie gespielt und präsentieren Ihnen unsere Wertung.
Beginnen möchten wir wie im Spiel mit einen Hochglanz-Trailer der Sie so richtig auf das Review einstimmen soll.
Cocoon, die fliegende High-Tech-Metropole über der Erdoberfläche von Pulse, wirkt ein wenig wie das Paradies der Zukunft. Es gibt allerdings seltsame Kristallwesen namens Fal’Cie, die über die Macht verfügen, Menschen außergewöhnliche Fähigkeiten zu verleihen. Mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ist gemeint, dass die l’Cie genannten Auserwählten Magie wirken können. Klingt eigentlich gar nicht so übel, wäre da nicht die Sache mit der Bestimmung.
Der Fluch
Jeder der Gezeichneten – von den Fal’Cie Erwählte – trägt eine spezielle Tätowierung – erhält eine Aufgabe, die er erfüllen muss. Wird diese nicht erfüllt verwandeln sich die l’Cie in Monster, schaffen sie es, werden sie zu Kristall. So oder so scheint das Leben also zu enden, weshalb diese Gabe gleichzeitig als Fluch angesehen wird. Die Regierung von Cocoon verbreitet deshalb die Botschaft, dass alle l’Cie Feinde der fliegenden Stadt seien und hat den Plan, die Auserwählten in die Unterwelt, also nach Pulse, umzusiedeln. Das ist zumindest die offizielle Version, denn in Wirklichkeit sollen alle mit den Fal’Cie in Berührung gekommenen getötet werden.
Zu Beginn schlüpfen Sie in die Rolle von Lightning, einer mit rosaroten Haaren gesegneten ehemaligen Angehörigen des Militärs, die sich auf der Suche nach ihrer Schwester freiwillig meldet, nach Pulse umgesiedelt zu werden. Der zweite Charakter, den Sie steuern, ist Snow, Anführer einer jugendlichen Bande, die den Sicherheitskräften Widerstand leisten und sich für den Verbleib der Gezeichneten in Cocoon einsetzen. Er ist ebenfalls auf der Suche nach einer Person, seiner Verlobten Serah. Weitere Charaktere spielen ebenfalls eine Rolle zu Beginn des Spiels, etwa der junge Hope, dessen Mutter bei einem Angriff des Militärs getötet wird und glaubt, dass Snow seine Mutter nicht beschützen wollte.
In einem Schiff, das nach Cocoon geholt wurde, um die anscheinende Umsiedlung vorzunehmen, treffen all diese Personen aufeinander. Wie sich herausstellt, ist Serah nicht nur Snows Verlobte, sondern gleichzeitig Lightnings Schwester. Die Charaktere wussten dies natürlich, aber der Spieler wird erst in diesem Moment eingeweiht. Bis Sie diese Stelle erreichen, haben Sie bereits einige der taktischen Kämpfe und jede Menge Video-Sequenzen hinter sich.
Die Kämpfe
Wie für die Serie üblich finden die Auseinandersetzungen mit Gegnern in eigenen Instanzen statt. Treffen Sie beispielsweise auf feindliche Soldaten, wird die tatsächliche Umgebung als Schauplatz des eigentlichen Gefechts übernommen, das aber in einer von der tatsächlichen Welt abgetrennten Arena stattfindet.
Je nach Charakter verfügen Ihre Helden über verschiedene Waffen und Fähigkeiten, deren Einsätze unterschiedlich viele Punkte kosten. Jeder Abschnitt der ATB-Leiste (Active Time Battle) entspricht einem dieser Punkte. Ist die Leiste voll oder die notwendige Punktezahl erreicht, führt Ihr Charakter den angegebenen Angriff aus.
An einer separaten Anzeige können Sie nach jedem Treffer beobachten, wie sich eine Art Schmerz-Anzeige des jeweiligen Gegners füllt, sich dann aber wieder langsam leert. Schaffen Sie es, diese komplett zu füllen, verfällt Ihr Feind in einen Schock-Zustand und nimmt wesentlich mehr Schaden – bei großen Feinden können das weit über 800 Prozent sein. Damit Sie dies schaffen brauchen Sie aber die richtige Taktik.
Sie steuern zwar stets nur einen Charakter, können den Mitgliedern Ihres Teams aber Rollen zuteilen. Gegen einen starken Feind empfiehlt es sich, zuerst eine Taktik zu wählen, in der ein Augmentor vertreten ist. Dieser kann mit seinen Kräften die Attribute seiner Verbündeten und der Gegner beeinflussen, denen zum Beispiel die Resistenz gegen physische Angriffe nehmen. Derweil greifen die Gegner aber munter an und Ihr Trupp nimmt Schaden. Also, wird die Taktik gewechselt. Zumindest ein Heiler sollte sich nun damit beschäftigen, alle Teammitglieder wieder fit zu machen, um anschließend gemeinsam den Gegner zu schwächen. Ein weiteres Mal wird gewechselt. Charaktere, die über die Eigenschaften eines Brechers (Nahkämpfers) verfügen, stürmen nun los, um den Gegner in Schock zu versetzten, während Verheerer, eine Art magische Fernkämpfer, mit Zaubersprüchen zu Werke gehen.
Ist der Gegner erst mal in Schock versetzt, dauert es meist nicht mehr lange bis er bezwungen ist. Sollte es doch nicht so reibungslos funktionieren, dürfen Sie auf eine mächtige Waffe zurückgreifen: die Eidolons. Das sind besonders mächtige Wesen, die Sie allerdings erst in einem Kampf bezwingen müssen. Lightning beschwört zum Beispiel Odin, der sich, wie alle der Eidolons, in ein Transportmittel, in seinem Fall ein Pferd, verwandeln kann. Nutzen Sie diesen Modus ändert sich kurzzeitig die Steuerung und Sie dürfen in dieser Zeitspanne mächtige Angriffe mit einfachsten Tastenkombinationen auslösen.
Serah verwandelt sich zu Kristall, nachdem Sie die Truppe dazu aufgefordert hat, Cocoon zu beschützen. Der erste „schwere“ Gegner der Truppe ist der Fal’Cie, der sich im zuvor erwähnten Schiff befindet. Nachdem Sie ihn bezwingen, bekommen Sie in einer Video-Sequenz zu sehen, wie dieser alle Charaktere zeichnet und ihnen in kurzen, schnell nacheinander folgenden Bildern Ihre Bestimmung mitteilt. Von diesem Fluch heimgesucht macht sich die Truppe auf, um das Beste aus der Situation zu machen.
Abgesehen von der Möglichkeit die Fertigkeiten und Attribute der Charaktere, sowie deren Waffen zu verbessern, bietet „Final Fantasy XIII“ wenig Rollenspiel-Elemente. Es gibt zum Beispiel keine offene Welt, die der Spieler erkunden könnte. Wann und wo Sie neue Rollen lernen oder sich den jeweiligen Eidolons stellen, bestimmt einzig der Strang der Handlung. Außerhalb der Kämpfe beschränkt sich das Spiel auf einfachste Aufgaben und darauf, dass Sie durch schlauchartige Levels laufen und sich möglichst ungesehen dem nächsten Gegner nähern, da Sie auf diese Weise einen Präventivschlag ausführen dürfen, der die Schock-Leiste aller Feinde bis zum Anschlag füllt.
Die Handlung wird in Kapitel eingeteilt und beschäftigt Sie 50 bis 60 Stunden, von denen ungefähr zehn aus Video-Sequenzen bestehen. Rückblenden auf die Geschehnisse vor dem eigentlichen Beginn der Handlung verdeutlichen ziemlich gut, warum die verschiedenen Charaktere dem jeweiligen Ziel nacheifern und verleihen ihnen zusätzliche Tiefe. Vanilla zum Beispiel ist eine junge, mädchenhafte Frau, die sich über nichts Sorgen macht und immer gut drauf ist, sich aber nachts weinend mit dem Rücken an andere schmiegt.
Grafik und Sound
Grafisch macht „Final Fantasy XIII“ einen sehr guten Eindruck. Die fantasievollen und unterschiedlichen Umgebungen, etwa ein kristallisierter See oder die fliegende Stadt, machen einiges her. Die für japanische Spiele typischen Effekte während den Kämpfen und die überzeichneten Charaktere sind zwar nicht jedermanns Sache, aber wer in den vorangegangenen Spielen der Serie kein Problem damit hatte, wird es auch in Teil dreizehn genießen. Was ein wenig stört ist die nach jedem Kampf eingeblendete Statistik und der dem Kampf vorangehende Panorama-Schwenk der Kamera. Da Kämpfe gegen schwache Gegner keine fünfzehn Sekunden dauern und oft mehrmals und kurz hintereinander erfolgen, bremsen diese beiden Features das Spiel ein wenig.
Spieler im deutschsprachigen Raum müssen sich mit den englischen Sprechern und deutschen Untertiteln zufrieden geben. Dafür passen die Stimmen aber sehr gut zu den jeweiligen Charakteren, weshalb dies dem Spielspaß keinen Abbruch tun sollte, und bilden zusammen mit den Soundeffekten ein stimmiges Bild.
Außerhalb der Kämpfe bedarf die Steuerung keiner Erklärung. Sie laufen einfach mit dem linken Stick und Ihr Charakter springt an vorgegebenen Stellen automatisch. In den Kämpfen geht es schlicht darum, die für den jeweiligen Gegner richtige Taktik zu wählen, was gleichzeitig der Schwerpunkt der Kämpfe ist. Fähigkeiten, Angriffe, Items und Gegner werden aus dem kleinen Menü im unteren linken Bildschirmrand mit der X-Taste ausgewählt. Der Angriff an sich wird ohne weiteres Zutun ausgeführt. Abwechslung bringt der Morph-Modus der Eidolons, in dem Sie zusätzlich zur X-Taste den Analogstick in eine Richtung neigen. Sie merken also, dass die Steuerung sehr einfach zu handhaben ist, was jungen Spielern sehr entgegenkommt.
Atmosphäre
Die Geschichte rund um die Fal’Cie, L’Cie und die Beziehungen der Charakteren zu einander, sowie die verschiedenen Orte, an die es den Spieler verschlägt, lassen mich ein ums andere Mal doch noch eine Stunde länger spielen. Ich bin nur einfach nicht mehr sicher, ob „Final Fantasy XII“ nun ein abgespecktes Rollenspiel oder ein erweitertes Action-Adventure ist.
Die Genre-Grenzen sind zwar nicht mehr wirklich erkennbar, doch trotzdem macht „Final Fantasy XIII“ viele Stunden lang Spaß. Dafür sind vor allem die schicke Grafik, die hoch interessante, wenn auch etwas verworrenen Handlung und die einfache Steuerung verantwortlich. Außerdem ist es eine Weile her, dass mich ein Spiel für so lange Zeit an der Stange hielt.
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