Bald ist es wieder soweit. Die Reise durch die Zeit geht wieder los. Diesmal verschlägt es Sie ins Italien in die Renaissance, genauer gesagt, in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ezio Auditore da Firenze ist der nächste Assassine, dessen Geschicke Sie steuern dürfen. In dieser Review erfahren Sie endlich mehr.
Benvenuto nella bella Italia! Endlich hatten wir das Vergnügen, eine Version vom neuen Schlager aus dem Hause Ubisoft spielen zu dürfen. Wenn Sie sich erinnern, im ersten Teil von „
Assassin's Creed“ schlüpften Sie in die Rolle des Assassinen Altaïr und in die Zeit des dritten Kreuzzuges 1191. Diesmal verschlägt es Sie ins Italien der Renaissance ins Jahr 1476. Die Rahmenhandlung ist gleich geblieben. Eigentlich sind Sie immer noch der Barkeeper Desmond Miles, der von der Firma „Abstergo Industries“ entführt wurde und durch ein Gerät namens Animus durch die Zeit, in der Rolle seiner Vorfahren schlüpfen kann. Diese Firma ist eine moderne Form des Templer-Ordens, die nichts anderes als die Weltherrschaft an sich reißen wollen. So viel dazu.
Diesmal schlüpft Desmond in die Rolle des heißblütigen, aus gutem Hause stammenden Italieners Ezio Auditore da Firenze. Dessen Vater war in Wirklichkeit jemand anderes, als er vorgab zu sein. Eigentlich war er ein Mitglied der Assassinen. Er wurde aber verraten und gemeinsam mit Ezios beiden Brüdern öffentlich hingerichtet. Ezio, der es selbst mitansehen musste, schwört nun Rache. Er übernimmt die Rolle seines Vaters und macht sich mit Hilfe der Bordellbesitzerin Paola und des großen Künstlers Leonardo Da Vinci auf den Weg quer durch Italien, um die Hintermänner dieses Komplotts ausfindig zu machen. Die Suche führt ihn nach Rom, Venedig, Florenz und in die Toskana. Den Feind kennen wir bereits aus dem ersten Teil. Wieder einmal stecken die Templer hinter alle dem.
Gameplay
Ein
Tutorial fällt erst einmal aus. Braucht es aber auch gar nicht. In der Rolle von Desmond Miles fliehen Sie zu Beginn des Spiels aus den Hallen der „Abstergo Industries“. Dank tatkräftiger und hübscher Unterstützung durch Lucy gelingt die Flucht. Wohin Sie fliehen, verraten wir natürlich auch nicht. Nur so viel: Neues Team neues Glück. Desmond findet ein paar neue Freunde und Lucy scheint auch nicht die zu sein, für die wir sie halten. Auf der Flucht, im Sinne von „learning by doing“, erfahren Sie die grundlegenden Bewegungen, wie Laufen und Kämpfen. Alsbald geht es aber durch den „Animus 2.0“ zurück in die Zukunft, äh Vergangenheit.
Willkommen bei Ezio Auditore da Firenze in Florenz. In den Gassen solch einer prosperierenden Metropole ist immer was los. So auch hier. Sie dürfen erstmalig Ezio steuern und stehen gleich einer Jugendbunde gegenüber mit der Ezio anscheinend im Clinch liegt. Gleich zu Beginn ist also kämpferisches Talent gefragt. Es geht ganz schön zur Sache aber natürlich ist Ezio der eindeutige Sieger.
Jetzt lernen wir erstmals einen Teil seiner Familie kennen, seinen Bruder. Er dient sozusagen als erster Instructor. Er legt uns nahe, doch lieber einen Arzt aufzusuchen, um Ezio heilen zu lassen. Warum keine einzige Schramme an ihm zu erkennen ist, ist schon komisch. Anno 2009 lässt sich so etwas doch ganz leicht machen. Aber zurück zum Spiel. Ärzte sind nicht gerade billig und darum heißt es zuerst die Taschen der Verprügelten zu plündern. Ezio bückt sich über und sucht sich ein kleines Taschengeld zusammen.
Die Leute, die in nächster Umgebung stehen, scheint das nicht wirklich zu stören. Außer ein wenig Gemurmel ist nichts zu hören. Nichtsdestotrotz, die erste Aufgabe ist erfüllt, ab geht es zum Doktor. Weitere Fähigkeiten erlernen Sie später auf ähnliche Weise. Wie schon gesagt, „learning by doing“. Wie es sich für einen italienischen Charmeur gehört, ist unser nächster Zwischenstopp bei einem Mädchen. Das Drücken der richtigen Knöpfe vorausgesetzt, bleiben wir gleich über Nacht.
Wie schon von Altaïr bekannt, ist der kürzeste Weg durch die Stadt natürlich, Luftlinie. Wir klettern Häuser hinauf, springen von Mauersims zu Mauersims und setzen die Bevölkerung in Erstaunen. Damit wir uns auch zurecht finden, haben die Entwickler Ezio eine gute Karte spendiert. Per Starttaste ins Menü und dann zur Karte oder auf dem direkten Weg über den Select-
Button. Auf der Karte sind alle wichtigen Orte verzeichnet. Ein Rufzeichen zeigt den Ort an, an dem die Haupthandlung weitergeht. Außerdem sind auch Personen, die Nebenaufträge vergeben oder die bereits aus dem ersten Teil bekannten Aussichtspunkte vermerkt.
Das ganze wirkt gut durchdacht und Sie werden sich gut zurecht finden. Überhaupt ist das Menü sehr gut strukturiert. Eine Datenbank fasst alle wichtigen Informationen zu den Aufträgen, Schauplätzen und Personen zusammen. Ebenfalls verwaltet werden hier die Ausrüstung, die Waffen und die Rüstung. Dank der Karte, aber auch beim Schlendern durch die Gassen, sind Kurieraufträge, Rennen und ähnliches zu finden. Wir haben zum Beispiel ganz verzweifelten Mädchen Briefe von Casanova überbracht oder ein paar untreue Ehemänner verprügelt.
Auch sonst ist viel los in der Stadt. In versteckten Kisten finden wir ein wenig Kleingeld und die Bewohner reagieren auf uns. Klettern Sie etwa wie ein Affe an den Fassaden herum, echauffieren sich die Leute schon einmal über Ihren jugendlichen Übermut. Bestehlen Sie jemanden und verweilen dann zu lange in dessen Nähe, kann es schon passieren, der er eine Wache ruft. Dann heißt aber schleunigst weg von hier.
Dann wird Ezios Vater öffentlich hingerichtet, samt beiden Brüdern. Da Ezio am Platz zu gegen ist und nicht still bleibt, heißt es Beine in die Hand nehmen und abhauen. Die ruhigen Tage sind nun gezählt, da die ganze Stadt nach Ihnen sucht. Jetzt kommt auch die Bordellbesitzerin Paola ins Spiel. Von ihr lernt Ezio die vielleicht wichtigsten Tricks neben dem Kämpfen. Wie tauche ich in einer Menge unter, wie bestehle ich jemanden und wie heuere ich ein paar Prostituierte an, die Wachen für mich ablenken. Die Sache mit dem Untertauchen fühlt sich hervorragend an.
Sobald Ezio sich einer größeren Traube von Menschen anschließt, ist er für die Wachen nicht mehr erkennbar. Von Leonardo Da Vinci bekommt Ezio dann die Klinge seines Vaters repariert. Eine Klinge, die er sozusagen aus dem Ärmel schütteln kann. Die Anleitung dazu war als verschlüsselte Botschaft auf einer Schriftrolle. Von diesen werden Sie noch mehrere suchen müssen, zu welchem Zweck sollten Sie aber selber herausfinden.
Nachdem wir aus Florenz in Richtung Toskana geflohen sind, trifft Ezio auf seinen Onkel, der ein gewaltiges Anwesen im Herzen einer kleinen Stadt hat. Eine Neuerung ist, das Ezio diese Stadt verwalten darf und so eine beträchtliche Einnahmequelle hat. So werten Sie die Stadt nach und nach auf und dürfen sich dafür an der Stadtkasse bedienen. Mit dem Geld kaufen Sie dann beim Laden um die Ecke neue Waffen oder auch Schatzkarten oder Bilder für Ihr Haus. Von dem Stützpunkt in der Toskana aus beginnt die Jagd nach den Übeltätern, die hinter dem Tod des Vaters stecken. Was Sie auf dieser Reise alles erleben, finden Sie aber am Besten selbst heraus.
Grafik und Sound
Italien ist wirklich schön. Wenn Ezio über Häuserdächer springt oder Fassaden hinauf klettert, zeigen sich die Städte von ihrer ganz besonderen Seite. Die Figuren sind sehr detailliert, sowohl was das Äußere als auch im speziellen die Mimik betrifft. Bei Gesprächen wirkt es nicht, als wäre vor uns eine Handpuppe, die den Mund auf und zu macht. Sogar Emotionen lassen sich aus den Gesichtern ablesen. Postkarten-Idylle lässt grüßen, wenn wir von einem Aussichtspunkt in die Ferne schauen. Von den Animationen brauchen wir gar nicht reden. Elegant und als wenn er von Kindertagen an nichts anderes gemacht hätte, schwingt sich Ezio über die Häuser.
Der Sound passt genau. In den erwähnten Gesprächen ist alles Lippensynchron. Super. Dadurch wirken die Gespräche richtig real und wir fühlen uns immer mehr in die Story hinein gezogen. In der deutschen Sprachausgabe hat das alles bestens geklappt. Die Figuren haben einen italienischen Akzent und werfen mitunter ganze Sprachfetzen auf Italienisch ein. Auch wenn das teilweise ein wenig klischeehaft wirkt, passt es irgendwie ins Spiel.
Steuerung
Die Steuerung ist kinderleicht. Sie bekommen zwar später im Spiel noch die Möglichkeit Ihre Kampffähigkeiten weiter zu trainieren, das ist aber nicht zwingend notwendig. Mit wenigen Tasten werden Kämpfe und das Klettern erledigt. Das Kämpfen hätte vielleicht abwechslungsreicher ausfallen können. Ezio hat zwar ein paar wirklich coole Moves drauf, jedoch nicht wahnsinnig viele. So kann es schon vorkommen, dass mehrere Gegner auf die gleiche Weise ins Gras beißen. Außerdem sind die Kämpfe nicht wirklich fordernd. Ezio hat zwar unterschiedliche Waffen, brauchen tut er aber meist nur seinen Ärmeldolch. Wer doch andere ausprobieren möchte, kommt über die rechte Schultertaste in ein Kreismenü und darf wählen. Atmosphäre
Italien ist wirklich einen Besuch wert. Quer durch die Stadt über die Häuser hauen, wie man so schön sagt. Was das Spiel wirklich gut macht ist, wie im ersten Teil, einfach die Story, die dahinter steckt. Von Anfang an, wenn Sie noch nicht wirklich wissen, was los ist, wird man gefesselt. Sie überbringen zum Beispiel Post an einen Freund Ihres Vaters. Durch den Türspalt sieht Ezio eine unheimliche Gestalt, die ihr Gesicht ebenfalls hinter einer Kapuze versteckt. Wer ist das? Solche kleinen Dinge halten den Spannungsbogen aufrecht, so das Sie trotz der vielen kleinen Nebenaufträge und den Städten, die es zu erkunden gibt, eigentlich wissen wollen, wie die Geschichte weitergeht.