“Dead Space” hat Ihnen gefallen? Nun kommt “Extraction” als Vorgeschichte auf der Wii, bevor 2010 dann “Dead Space 2” kommt. Lesen Sie unser ausführliches Review.
Sam Caldwell und Lexine Murdoch sind ein Paar – ein außergewöhnliches noch dazu. Er ist Erdbauspezialist, sie Wissenschafterin. Die beiden hat es auf den verlassenen Planeten Aegis VII verschlagen, da Sam dort mit seiner Mannschaft einen “Marker”, den es auch auf der Erde gegeben hat, bergen soll. Dabei geht es um ein vermutlich außerirdisches, uraltes Artefakt, das rot strahlend auf der Planetenoberfläche steht. “Dead Space Extraction” ist die Vorgeschichte zum Sci-Fi-Grusel-Shooter “Dead Space” aus dem Jahr 2008 – damals für PS3 und Xbox 360. Nun sollen exklusiv Wii-Spieler auf Ihre Kosten kommen.
Das Spiel, in dem Sie in die Rolle mehrerer Charaktere (auch einer neuen weiblichen Protagonistin) schlüpfen, beginnt, als Sam mit der Extraktion (daher auch der Name) des Markers beginnt. In einer Art kleinem Tutorial lernen Sie die wichtigsten Bedienelemente des Rail-Shooters: Nur in den seltensten Fällen können Sie sich frei umschauen, eine freie Bewegung ist nie möglich, Sie fahren aus der Ich-Perspektive auf meist vorbestimmten, manchmal verzweigten Wegen durch die Umgebung und müssen herannahende Gegner per Plasma-Cutter, Nietpistole und Gewehr blutig bis ekelhaft beseitigen, Objekte blitzschnell aufnehmen oder Rätsel bzw. Mini-Geschicklichkeitsspiele lösen.
Schon zu Beginn merkt man, dass besonders der Soundtrack kinoreif den Spieler mitten ins Geschehen versetzt und zu fesseln weiß: Geschickt platzierte Spannungselemente zusammen mit einer guten Synchronisierung in Original-Englishc mit deutschen Untertiteln weiß zu gefallen. Nachdem Sam Schienen repariert und das Extraktionsfahrzeug gelötet hat, beginnt die Aushebung – da passiert etwas Furchtbares: Der Marker fängt an zu glühen, die Infektion der Necromorphs, der Gegner im Spiel, greift auf alle Anwesenden über und Sam muss sich seinen Weg zum Machinenraum gegen Zombie-ähnliche Ex-Kollegen durchkämpfen, geplagt von Visionen und Stimmen ... unter anderem von Lexine! Im Maschinenraum muss er eine Stase einbauen und somit die Entstehung eines schwarzen Lochs verhindern.
Achtung! Spoiler
Überspringen Sie diesen Absatz, wenn Sie die Geschehnisse des ersten Abschnitts nicht weiter wissen möchten. Nachdem unser Protagonist dann auch noch die Luftversorgung für die Quartiere wiederhergestellt hat, wird er auf dem Rückweg von den eigenen Leuten niedergestreckt und getötet. Es stellt sich heraus, dass scheinbar Sam Caldwell selbst als Amokläufer alle Kollegen getötet hat.
Wie bereits eingangs erwähnt, schlüpfen Sie in verschiedene Rollen: Als nächstes müssen Sie als Detective der P-Sec (= Sicherheitskräfte auf der Kolonie) namens Nathan McNeill den Selbstmord zahlreicher Sektenmitglieder der Church of Unitology am Hauptplatz der Kolonie untersuchen. Action und Spannung sind garantiert. Sie schlagen sich bis zu Ihrem Shuttle durch, das Sie zum Schiff Ishimura bringen soll ... mehr will ich hier jedoch nicht verraten. Die Story hat einige Wendungen und spannende Elemente zu bieten – toll!
Typische Elemente wie die Schwerelosigkeit oder die Möglichkeit, die Zeit langsamer werden zu lassen, sind auch wie beim Vorgänger abwechslungsreiche Gameplay-Elemente. Allerdings ist das Kinesis-Feature, mit dem Sie Objekte heranziehen können, gleich von Beginn an verfügbar – mit diesem können Sie Schalter betätigen, Items aufnehmen etc.
Laden, Upgrades und Spielmodi
Das Nachladen in diversen Spielabschnitten wurde sehr gut mittels statischer Bildschirme vor Türen oder in Aufzügen gelöst und bricht den Spielfluß, der sonst sehr schnell ist, überhaupt nicht. Der Story-Modus kann auch jederzeit (Drop-In und Drop-Out immer möglich) zu zweit bestritten werden, wobei in den Statistiken am Ende eines der circa 15 Minuten langen Abschnitte dann ersichtlich wird, welcher der beiden Spieler besser abgeschnitten hat. Rollenspiel-Flair kommt vor allem durch Waffen-Upgrades auf, die man unterwegs neben Text-Logs (zum Hintergrund der Geschichte), Munition und Lebensenergie einsammeln kann. Die Waffen-Upgrades verbessern die Waffen dauerhaft vor allem in Bezug auf Nachladegeschwindigkeit und Magazingröße. Interessant: Wie beim Vorgänger auf den Next-Gen-Konsolen können Sie – diesmal per Handbewegung – den Plasma-Cutter vertikal oder horizontal ausrichten und den Gegnern gezielt Gliedmaßen abtrennen.
Durch das Aufsammeln von möglichst viel Objekten und den Story-Fortschritt schalten Sie nicht nur neue Waffen frei, sondern auch Bonus-Material wie den “Dead Space”-Comic in verschiedenen Episoden und den Challenge-Modus, wo Sie einzelne Kapitel auf der Punktejagd nocmals spielen.
Die Grafik ist für Wii-Verhältnisse nicht nur sehr detailliert und äußerst gut gelungen, sondern auch sehr erwachsen und reif. Neben Blutigen Attacken über detaillierte Aliens bis hin zu feinen Texturen haben sich die Entwickler von Visceral Games (“Der Pate II”, “Dante's Inferno”) wirklich für das Maximum auf der Wii eingesetzt.
Der Soundtrack ist mystisch-futuristisch und zieht den Spieler von Beginn an ins Gameplay. Die Synchronisation ist zwar teilweise im britiscen Englisch gehalten, kann aber mit den Untertiteln dennoch gefallen. Die Soundeffekte reichen von gut umgesetzt bis grausig realistisch.
Gesteuert wird “Extraction” mittels Wiimote, die Sie zum Schießen, aber auch zum Aufnehmen verwenden können. Praktisch: Mit dem Nunchuk laden Sie nach oder führen Waffenwechsel und auch Nahkampf-Attacken durch. Auch für Einsteiger sollte die Steuerung im Nu erlernt sein. Neben der klassischen Wiimote können Sie auch den Wii Zapper verwenden.
Mit “Dead Space Extraction” liefert EA endlich ein erwachsenes Sci-Fi-Spiel mit innovaten Rail-Elementen. Manche werden über diese linearen Züge freilich stöhnen, aber insgesamt kann das Spielprinzip abwechslungsreich und spannend gefallen – vor allem, wenn man die Story mit einbezieht. Der Titel ist natürlich nicht für die selbe Zielgruppe wie der Vorgänger primär ausgelegt, wird aber die erwachsenen Wii-Spieler überzeugen oder sogar manche zum Kauf einer Wii treiben. Viel Spaß mit einer tollen, kinoreifen Inszenierung!
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