Vor dem Start einer Meisterschaft suche ich mir als erstes einen Fahrer samt Auto aus. Die Fahrer unterscheiden sich durch die Eigenschaften Erfahrung, Wissen und Zuverlässigkeit. Spielerisch wirken sich diese jedoch nur geringfügig aus. Ich entscheide mich für Steven Goldstein im „AUDI RS4“. Nebst dem schicken Rennflitzer hätte ich noch aus anderen wählen können wie „BMW M5“, „Jaguar S Type R“ oder dem „Scorpio IZ4“ der im Spiel den „Mercedes C63 AM“ ersetzt, da Codemasters nicht die Rechte für alle Fahrzeuge besitzt. Trotzdem erkennt man welches Vehikel der „Scorpio“ darstellen soll, da er seinem Vorbild zum verwechseln ähnlich sieht. Jetzt noch schnell die Rundenanzahl der Rennen festlegen, der KI (Künstlichen Intelligenz) einen Fähigkeits-Level zuweisen (ich entscheide mich für „mittel“) und auf geht’s ins erste von zehn Rennwochenenden.
Samthandschuhe
Ein klassisches Rennwochenende besteht auch in Italien aus zwei freien Trainings, einem Qualifying sowie, schlussendlich, dem Rennen. Vallelunga heißt die erste Strecke auf der ich meinen Boliden an seine Belastungsgrenzen heranführen will, vorerst aber Vorsicht walten lasse.
Ich greife in jenem Moment ins Geschehen ein, in welchem der Auto-Pilot das Auto gerade durch die vorletzte Kurve lenkt, um auf der Geraden danach zu beschleunigen. Um die anstehende Runde schnellst möglich zu beenden, gebe ich ordentlich Gas. Zwei Dinge fallen mir sofort positiv auf. Zum einen die hübsche Grafik, die besonders das Fahrzeug und die Sonnenreflektionen auf der Strecke wunderschön darstellt, zum anderen die Steuerung. Die geht selbst mit der Tastatur sehr gut von der Hand. Der Wagen verhält sich in den Kurven stets nachvollziehbar und selbst das Abwenden eines Ausfluges in die Auslaufzonen ist, dank der Fahrhilfen (Anti Blockier System, Electronic Stability Control, Traktionskontrolle), nicht sonderlich schwer.
Die Elemente der Benutzeroberfläche sind übersichtlich angeordnet, auch nehmen sie nicht mehr Platz ein als nötig. Besonders praktisch: In der oberen Bildschirmmitte erscheint vor jeder Kurve ein Pfeil, der mich warnt wenn ich Gefahr laufe, zu schnell in die nächste Kurve einzufahren. Dann leuchtet dieser nämlich rot auf und gibt mir so zu verstehen, dass ich von der Bremse Gebrauch machen sollte. Durch diese kleinen Hilfen habe ich bald ein gutes Fahrgefühl entwickelt und drehe meine Runden. Trotzdem komme ich aber nicht an die Spitzenreiter heran. Also, am Ende der nächsten Runde ab in die Box.
Schraubenschlüssel
Wieder zurück in der Werkstatt des Teams mach ich mich ans Feintuning. Die Federungen etwas härter, den Heckspoiler etwas steiler und die weichen Reifen aufgezogen. Das bringt mehr Gripp und in den Kurven zusätzliche Geschwindigkeit. Wieder zurück auf der Strecke, um zu überprüfen wie sich die Veränderungen auswirken, und siehe da, die Rechnung geht auf und ich schiebe mich an die Spitze. Wegen der Freude darüber übersehe ich die darauffolgende erste Kurve so dass ich doch noch abfliege. Am Rand des Kiesbettes kommt mein Wagen nach einer schneidigen Drehung zum Stillstand.
Da fällt mir zum ersten Mal die Detailarmut an den Streckenbegrenzungen auf. Streckenposten oder Kameramänner suche ich hier vergebens. Zudem besteht das Publikum aus zweidimensionalen Pixelansammlungen, was mich aber kaum stört, da ich sowieso keine Augen dafür habe, wenn ich mit gut 200 Sachen an ihnen vorbeischieße.
Nach dem absolvierten zweiten freien Training folgt das Qualifying. Das Wetter hat leider von „sonnig“ auf „nass“ umgeschlagen, wodurch sich die Bedingungen verschlechtert haben. Dies sind auch schon die zwei einzigen Wetterarten, die sich im Spiel finden. Die dunklen Wolken am Himmel sehen recht schick aus und das Grollen des Donners durch den Basswürfel lässt meinen Schreibtisch ein wenig vibrieren.
Die Soundeffekte sind gut aufeinander abgestimmt und sorgen für eine ordentliche Atmosphäre. Musik werden Sie auf der Strecke nie hören. Befinden Sie sich im Menü ist die Sounduntermalung eher minimalistisch doch während der Wiederholungen und während dem Introvideo bekommen Sie Deathmetal vom Feinsten um die Ohren geschlagen, der zumindest mein Herz höher schlagen lässt.
Dieses Mal läuft es nicht so gut, weshalb ich auf dem vierzehnten Platz lande. Trotzdem überspringe ich die restliche Zeit in freudiger Erwartung auf das Rennen.
Vor dem Rennen werden die Schlüsselstellen der Strecke kurz vorgestellt sowie die Startaufstellung eigeblendet. Aber ich will mir das nicht ansehen. Schnell die Leertaste gedrückt und schon stehe ich in der Startaufstellung, bereit meinen Kontrahenten mein Heck zu präsentieren in der Hoffnung dies sei das Einzige, was sie von mir nach der ersten Runde zu Gesicht bekommen.
Der Start läuft gut und in der ersten Kurve hab ich mich schon um zwei Plätze verbessert. Nächste Kurve. Wieder überhole ich und das ganz ohne Gegenwehr. Die lange Gerade. Wieder zwei überholt. Nun offenbart sich also die Schwäche der KI-gesteuerten Fahrer. Während das fahren auf Zeit noch einigermaßen fordernd ist, fahren die Computergegner auch auf dem höheren Schwierigkeitsgrad nicht besonders schlau.
Zum Beispiel weichen die Rivalen äußerst selten von der Ideallinie ab. Auch wenn sie außen überholt werden. Und wenn sich in den Kurven etwas auf der schnellsten Linie befindet, wird einfach hinein gefahren. Daraus folgt dass ich innerhalb von zwei Runden an der Spitze liege und dann auf und davon fahre. Schade, hier hätten sich die Entwickler etwas mehr Mühe geben können um die Überholmanöver etwas anspruchsvoller zu gestalten.
Abgesehen davon machen die Rennen allerdings großen Spaß. Durch ein kleines Fenster in der linken unteren Ecke bleibe ich immer auf dem Laufenden was außerhalb meines Sichtfeldes passiert. Vorgänge wie Überholmanöver und der Abstand zum Vordermann werden hier eingeblendet. Abkürzungen, die mir einen Vorteil verschaffen, wie zum Beispiel das Geradeaus-Fahren in den Schikanen, werden bestraft indem meine Geschwindigkeit für fünf Sekunden auf 60 km/h gedrosselt wird. Rammattacken bleiben dagegen ungesühnt.
Weil ich nun das Rennen gewonnen habe und weil ich noch gar keinen Unfall verursacht habe, entscheide ich mich beim nächsten Training, nach der Start-Ziel-Geraden doch einfach mal mit 230 Sachen in die Mauer zu rasen, um mir ein Bild über das Schadensmodell zu machen. Doch selbst nach diesem Horror Crash bleibt unser Wagen von außen bis auf eine herabhängende Stoßstange unbeschädigt(!). Keine Trümmer, keine Scheiben, die springen, keine zerfetzten Reifen. Nichts! Im Handling des Autos machen sich die Schäden hingegen schon bemerkbar. Das Getriebe ist leicht beschädigt und die Lenkung verzogen.
Neben der Meisterschaft werden auch noch andere Modi wie zum Beispiel die Lizenz-Prüfungen angeboten die sehr nett zu spielen aber auch nicht wirklich fordernd sind. Im Zeitfahr-Modus können Sie ein Abbild Ihrer selbst um die Strecke jagen und der Multiplayer-Modus sorgt immer wieder für kurzweiligen Renn-Spaß. Auf lange Zeit gesehen wird der Titel vor allem für erfahrene Rennspieler zu leicht und dadurch auch ein bisschen langweilig. Für Spieler die den kurzen Nervenkitzel suchen, bietet sich jedoch eine schön präsentierte und preiswerte Möglichkeit dem Motorsport zu frönen.
Als Simulation taugt „Superstars V8 Racing“ nicht, da sich durch das Wegschalten der Fahrhilfen zwar das Fahrverhalten ändert, aber keineswegs wirklich schwierig wird. Kombiniert man diese Einstellungen mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad sollten Sie zumindest ein Gamepad zur Steuerung benutzen. Arcade-Spaß für zwischendurch!
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