Wie schon der erste Teil der im Filmbereich legendären „
Der Pate“-Reihe orientiert sich das Spiel an der Geschichte des Films. Doch im Vorgänger passte die Story um die Corleone-Familie besser ins Gefüge, denn in „Der Pate 2“ („P2“) erinnern nur meist nur noch die Charaktere und Schauplätze an die Vorlage, der Rest der Filmhandlung läuft eher parallel zum Spiel. Kein Wunder, denn diesmal steht nicht der Nachwuchsdon Michael Corleone im Rampenlicht, sondern Sie!
Als Aufpasser für den Protagonisten des ersten Teils, Aldo Trapani, reisen Sie zusammen mit Ihrem Cheffe, Michael Corleone und sämtlichen anderen relevanten Familienoberhäuptern nach Kuba, wo ein gewisser Herr Roth Großes plant. Seine Vision: Kuba als Mafiaparadies zu etablieren. Wo sonst stimmt für reiche Kriminelle einfach alles und auch die Zusammenarbeit mit der Regierung scheint gesichert. Dumm nur, dass während des Neujahrsfestes, das eigentlich eine neue Zeit für die Familien einläuten sollte, eine nur allzu bekannte Revolution starten soll. Fidel Castro und seine Getreuen denken nämlich, dass ihre Vorstellung von der Regierung Kubas besser sei, als die des diktatorischen Vorgängers.
So wendet sich das Blatt und die Mafiadelegation muss schleunigst fliehen. Die Flucht, als sehr nettes, interaktives
Tutorial verpackt, endet dramatisch, denn Ihr Freund und Vertrauter Aldo stirbt nach einem Schuss ins Herz kurz vor dem rettenden Flugzeug. Grässlich, denn somit fehlt Michael Corleone, der nebenher auch noch diverse Untersuchungsausschüsse am Hals hat, ein vertrauenswürdiger Mann, der seine Geschäfte in New York regelt. Hinzu kommt, dass sich noch während der Wirren um Kuba und den Corleone-Clan bereits andere Gruppen in der Hauptstadt der Immigranten angesiedelt haben. Was also liegt näher, als Ihnen, dem bereits erfahrenen Schläger Dominic, die Chance zu geben, Ihre eigene Familie zu gründen? Innerhalb kürzester Zeit werden Sie also selbst zum Don und damit beauftragt, den einstigen Glanz der Familie wiederherzustellen.
Beseelt vom dringenden Verlangen nach Satisfaktion für den Tod Aldos, der respektlosen Behandlung Ihrer Wenigkeit und der Dreistigkeit, Ihre Geschäfte zu klauen, nehmen Sie diese Ehre natürlich an und schon geht’s los. Eine neue Geschäftsstruktur ist zu errichten, Familienmitglieder sind anzuwerben und Geld ist zu verdienen. Wie das geht? Lesen Sie weiter!
Gameplay
Zu Beginn des Spiels stehen Sie ziemlich alleine da. Zwar lungern im örtlichen Corleone-Anwesen eine Menge zwielichtiger Gestalten herum, doch begleiten will Sie keiner. Nach einigem Hin und Her erlangen Sie endlich die Erlaubnis, einen „gemachten Mann“ zu rekrutieren. Diese Jungs füllen nach und nach Ihren Stammbaum und befolgen fleißig alle Befehle, die Sie ihnen zu Teil werden lassen. Außerdem sind sie stärker als reguläres Wachpersonal und können auf Lehrgänge geschickt werden, die Ihre Fähigkeiten im Umgang mit Waffen und Fäusten verbessern.
Zu Zweit schüchtert es sich bedeutend besser ein, das sehen wir im ersten Geschäft, dass wir übernehmen sollen. Wie schon im Vorgänger hängt Ihr wirtschaftlicher Erfolg von den Geschäften ab, die Sie „beschützen“, denn diese bezahlen am Ende jedes Tages brav Ihr Schutzgeld und sorgen so für steigenden Wohlstand. Um ein Geschäft zu übernehmen müssen Sie zuerst sämtliche Wachen des derzeitigen Besitzers, feindliche Clans, erledigen um anschließend dem lokalen Geschäftsführer zur Zusammenarbeit zu überreden.
Ersteres geht sehr einfach von der Hand. Dominic und seine Vasallen können so ziemlich alles, was man von bösen Kerlen erwartet. Neben konventionellen Schusswaffen und Nahkampfutensilien dürfen die Herren auch zur „Blackhand“ genannten Faustsprache greifen um ihren Forderungen etwas Nachdruck zu verleihen. Neben diverser Links-Rechts Kombinationen können Sie Ihren Gegenüber auch packen und gegen die Wand schleudern, über Geländer halten oder ihm einfach ein paar aufs Maul geben. So lassen sich Ladenbesitzer sehr schnell und effektiv davon überzeugen, dass Sie der bessere Geschäftspartner sind und von nun an geht der übliche Obolus an Sie. Jeder Vorarbeiter hat zudem eine bestimmte Schwachstelle, manche mögen es nicht, dass man ihre Einrichtung zertrümmert, andere haben Angst vor einer Lauföffnung im Gesichtsfeld. Das Finden des Schwachpunkts beschleunigt zum Einen den Überzeugungsvorgang und zum Anderen bringt es Ihnen mehr Geld, seien Sie also kreativ!
So nett die Prügelei auch sein mag, gegen bewaffnete Wachmannschaften greift man aber besser selbst zum Gewehr. Neben einer Pistole und einer handlichen Magnum finden sich noch ein Schrotgewehr, ein Präzisionsgewehr und ein MG im Arsenal. Alle Waffen hat Dominic immer am Mann, Ihren Kollegen dürfen Sie allerdings nur einen Schießprügel zuweisen. Die Gefechte laufen meist gleich ab, beim Druck auf die „L1“-Taste visieren Sie Ihr Ziel automatisch an, mit „R1“ verpassen Sie ihm eine Salve. Die Gegner handeln zwar nicht total dumm, aber Intelligenz kann man ihnen auch nicht unterstellen, so suchen sie zwar manchmal Deckung, stehen aber meist recht offen in der Gegend herum oder laufen blind auf Sie zu. Das und die Tatsache, dass Dominic ein wandelnder Panzer ist führen dazu, dass Feuerkämpfe meistens schnell vorbei sind und Sie am Ende als Gewinner dastehen. Nur der Angriff auf verfeindete Anwesen gestaltet sich etwas schwieriger, denn die gemachten Männer der anderen Familien wissen besser zu kämpfen.
Genau wie Ihre Familienmitglieder sind auch die der anderen Parteien viel stärker als der normale Pöbel. Manchmal schickt der gegnerische Don diese Jungs zur Verstärkung, wenn Sie eines seiner Geschäfte angreifen, meistens jedoch laufen sie Ihnen aber erst im Anwesen über den Weg. Aber auch nur, wenn Sie sich nicht genug umgesehen haben, denn die gesamte Familie lässt sich Mann für Mann ausschalten, wenn Sie erst einmal wissen wo und wie. Diese Informationen erhalten Sie als Gefälligkeit für kleine Aufträge, wie einen Laden anzünden oder jemanden umbringen, Tagesgeschäft eben. Haben Sie den Aufenthaltsort eines wichtigen Gegners ausgemacht müssen Sie diesen nur noch auf eine bestimmte Art unter die Erde bringen, denn einfach erschießen befördert ihn nur ins örtliche Krankenhaus. Diese Exekutionen sind sehr abwechslungsreich und vor allem brutal. Der Eine will mit einem Auto überfahren werden, der Andere geht nur unter Einfluss eines Molotov-Cocktails über den Jordan. Da sich diese Vorgehensweise allerdings unheimlich in die Länge ziehen kann, und der einzige Schwierigkeitsgrad des Spiels keinerlei Herausforderung für halbwegs geübte Spieler darstellt, ist es wesentlich effektiver, alle Geschäfte zu übernehmen und anschließend das Anwesen zu sprengen. Das Ergebnis ist das gleiche, die Familie ist tot.
Mit der ersten toten Familie haben Sie sich einige Zusatzrechte erarbeitet, so dürfen Sie nun einen Ihrer gemachten Männer zum Capo befördern, was Ihn noch stärker macht und zudem dürfen Sie ins zweite Gebiet reisen, nach Florida! Der Unterschied zu New York? Das Wetter! Spielerisch geht’s genau denselben Weg weiter. Geschäfte übernehmen, Familien ausrotten und Kartelle gründen. Kartelle sind insofern interessant, dass sie Ihnen einen gewissen Bonus bringen. So erhalten Sie für den Besitz aller Drogenschmuggel-Geschäfte doppelte Einnahmen aus diesen und für den Besitz aller Waffenschmuggel-Firmen einen netten Patronengurt, der Ihnen das Tragen von mehr Munition erlaubt. Neben Schutzwesten und Brandmunition gibt es noch einige andere Vorteile, die Sie sich verschaffen können. Die Feinde können das aber auch!
Steuerung
Sehr gut! Kämpfe, Autofahrten und Verfolgungsjagden zu Fuß spielen sich intuitiv und einfach. Die Tastenbelegung ist gut gewählt und ermöglicht es Ihnen, alle relevanten Aktionen schnell und präzise auszuführen. Besonders die zahlreichen „Blackhand“ Aktionen sind unterhaltsam und jeder Knopf bewirkt eine andere, ansprechend in Szene gesetzte Ausübung von Gewalt.
Wichtigste Neuerung allerdings dürfte wohl die „Don-Ansicht“ sein. In einer sehr anschaulich gestalteten Übersichtkarte können Sie schnell und einfach sämtliche Geschäfte verwalten, Statistiken abrufen, die Bücher konsultieren oder Ihrer Familie Aufträge erteilen. Sie müssen nämlich nicht jedes Geschäft selbst abklappern, es reicht einen Capo und einige Soldaten hinzuschicken. Weiters können Sie Bombenanschläge anordnen um gegnerische Kartelle zu zerschlagen, Wachen zum Schutz Ihrer Geschäfte abstellen und derzeit umkämpfte Geschäfte mit Verstärkung versehen.
Grafik und Sound
Grafisch wirkt „Der Pate 2“ zwar altbacken, allerdings passt das Ganze zusammen. Man kann die Texturen als detailarm, die Animationen als teilweise misslungen und das Leveldesign als spärlich bezeichnen, doch in Anbetracht des 50er Jahre Flairs des Titels wäre das ungerecht. Es stimmt natürlich, dass andere Titel wie „GTA 4“ oder „
Mercenaries 2“ viel mehr optischen Genuss in die freie Spielwelt bringen, allerdings störte mich das beim Spielen kein bisschen. Das Spiel wirkt insgesamt stimmig und darauf kommt es an. Als netter Nebeneffekt lief der Titel durchgehend flüssig und stürzte nicht ab. Reine Grafikenthusiasten werden allerdings enttäuscht sein, denn der Unterschied zu „Der Pate 1“ ist beinahe schon als marginal zu bezeichnen.
Beim Sound ist die Krux mal wieder die deutsche Vertonung. Die emotionslosen Gesichtsausdrücke werden von ebenso emotionslosen Sprechern unterlegt und stören somit die ansonsten sehr passende Kulisse. Musikalisch und Umgebungsgeräuschmäßig stimmt alles. Egal ob das Blubbern eines Mustangmotors, das Crescendo der Tommygun im Sturm auf ein Geschäft oder der Klang von brechenden Knochen und spritzendem Blut, es gibt kaum etwas auszusetzen. Wie so oft bleibt nur die Empfehlung, das Spiel auf Englisch zu spielen und sich nicht weiter mit der Thematik zu befassen, denn negative Auffälligkeiten bleiben aus.
Äußerst interessant ist die Möglichkeit, seine Solokarriere mit brennender Multiplayeraction zu pushen. Zum Einen wird sämtliches Geld, das Sie im Kampf gegen wesentlich herausforderndere, weil menschlich intelligente, Gegner verdienen, auf Ihr Solokonto überwiesen. Zum Anderen lassen sich die Waffenfähigkeiten Ihrer gemachten Männer verbessern. Ein Mann, in den Sie am Anfang viel Geld gesteckt haben wird später etwas benachteiligt, denn seine Waffenlizenz umfasst vielleicht keine höherstufige Bewaffnung. Sollten Sie sich aber entschließen, mit besagtem Kämpfer einige
Multiplayer-Matches zu bestreiten und gewisse Ehren zu erarbeiten, steigern Sie diese Waffentauglichkeit sehr schnell und vor allem auf spaßige Art und Weise.
Wie im Einzelspielerteil balgen sich zwei Parteien in den typischen Mehrspielermodi um Geld und Macht. Wirklich finanzintensiv wird das Ganze erst im „Don Control“-Modus, wo man, vorrausgesetzt man ist dämlich genug, auch sein gesamtes Singleplayergeld verzocken kann. Schreckliche Folge: Keine, denn Geld ist aufgrund des Schwierigkeitsgrades sehr unwichtig, was dann letztendlich leider auch den Reiz des Multiplayerteils etwas drückt.