Und auf den ersten Blick scheint es, als ob „Baja – Edge Of Control“ eine seriöse Abwechslung zu den eher humorvollen und wenig realistischen Konkurrenten darstellt. Weite Wüstenumgebungen, anspruchsvolle Steuerung und eine realistische Karriere mit Erfahrung, Geld und der Möglichkeit Ihren Boliden aufzurüsten. Doch leider…
Gameplay
…stellt sich schon während des ersten Rennens eine gewisse Ernüchterung ein. Die unendlichen Weiten der Wüste machen ihrem Namen alle Ehre, die Steuerung ist für Nicht-Rallye-Weltmeister viel zu anspruchsvoll und die KI sehen Sie schon vom Start weg nur noch von hinten.
Doch einmal von vorne: Sie haben die Wahl zwischen einem freien Rennen und der fordernden Karriere. Im freien Rennen können Sie alle verschiedenen Rennen, die das Spiel bietet, mit allen bereits freigeschalteten Autos ausprobieren, während Sie in der Karriere mit einem billigen Anfangsauto verschiedene Rennen fahren, um Punkte und Geld zu erwirtschaften und so Zugang zu leistungsstärkeren Autos und höher dotierten Rennen zu erhalten. Geld bekommen Sie durch das Erreichen der ersten drei Plätze oder durch abhängiges Sponsoring. Das bedeutet, dass Sie Werbeflächen Ihres Autos verkaufen können und dafür Geld bekommen. Jedoch nur, wenn die Werbungen nach dem Rennen auch noch auf Ihrem Auto zu sehen sind.
Ihr Geld können Sie jederzeit in ein neues Auto stecken oder aber in die Aufrüstung ihres aktuellen Vehikels. Leider muss man, um sich bei all den unzähligen Tuningoptionen auszukennen, mindestens Automechaniker sein, für den Ottonormalverbraucher bleiben die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten ein Mysterium.
Steuerung
Leider ist der Name Programm. Denn die meiste Zeit befindet sich das Spiel auf der „Edge Of Control“, also am Rande der Kontrollierbarkeit. Es hilft auch nichts, die Schaltung auf Automatisch zu stellen, denn trotzdem wird perfekte Kupplungsbeherrschung vorausgesetzt, denn ohne die haben Sie schon beim Start keine Chance mehr auf einen Tribünenplatz. Sie schleudern die meiste Zeit unkontrolliert durch die Wüste, drücken aufs Gas, doch dennoch kann Ihr Bolide seine zweifelsfrei vorhandenen Pferdestärken nicht ausnützen, denn die Konkurrenz bleibt immer ein Stückchen besser, selbst wenn diese das gleiche Auto fährt, also keinen technischen Vorteil genießt. So stellt sich sehr rasch ein Gefühl der Frustration ein.
Grafik und Sound
Die Grafik ist angesichts anderer Renntitel eine herbe Enttäuschung. Über solch fade Hintergründe und solch schwache Texturen mussten Spieler schon zu PlayStation 2-Zeiten die Köpfe schütteln. Unverständlich also, dass hier nicht mal annähernd das Potential der PlayStation 3 ausgeschöpft wird. Auch ein wenig seltsam mutet die Tatsache an, dass die Boliden auch nach den härtesten Rennen durch Matsch und Sand, teilweise glänzen wie im Showroom eines Neuwagenhändlers.
Zwar gibt es ein Schadensmodell, welches sowohl kosmetische als auch leistungsbezogene Konsequenzen mit sich bringt, doch gerade die kosmetischen Schäden wirken äußerst eigenartig. So ähnelt beispielsweise der namensgebende Baja Bug, nach einem kollisionsreichen Rennen, einem kaputten Schweizer Klappmesser, denn sämtliche beweglichen Teile klappen auf und zu. Dellen, Kratzer oder zerbrochene Scheiben sucht man vergebens.
Haben Sie es einmal ins Menü geschafft, überrascht Sie ein gänzlich unerwarteter Sound. Verträumte südliche Klänge erwecken Erinnerungen und Vorstellungen einer heißen Nacht im Süden, eine schwarzhaarige, äußerst attraktive Frau in einem leuchtend roten Kleid tanzt und blinzelt dabei verschwörerisch zu Ihnen herüber… Doch Moment, wir befinden uns hier doch wohl in einem Rennspiel…
Also schnell auf Rennen geklickt und fort ist die mediterrane Atmosphäre, ab nun begleiten Sie nur noch viel zu laute und furchtbare Motorengeräusche, die wenig Platz für Phantasie lassen.
Hier wurde versucht, einen seriösen und realitätsnahen Rivalen für „MotorStorm“ und Konsorten zu erschaffen. Leider muss man aber sagen, dass zu viel Realität und vor allem in den falschen Bereichen, nicht unbedingt immer positiv sein muss. Mit der übermenschlichen KI, der frustrierenden Steuerung und der schwachen Grafik bleibt „Baja – Edge Of Control“ weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und wäre selbst in PS2 Zeiten nur Mittelmaß.
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