Man fährt wieder Bahn! Was "Railroad Tycoon" vor einigen Jahren vorgemacht hat, nämlich mit einem ungewöhnlichen Spiel Erfolg zu haben, das will Virtuel X-citement Software mit ihrem neuen Spiel nachmachen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, seine Karriere zu starten: Man kann zum Beispiel die Karriere diverser Transport-Magnaten nachspielen oder in einem bestimmten Land, zum Beispiel Frankreich oder England, sein Glück versuchen.
Am interessantesten wirkt bisher jedoch die Europa-Kampagne, in der man in irgendeiner Stadt anfängt und ganz Europa vernetzen muss. Dabei hat man die Möglichkeit, zwischen Bahn- und LKW-Transport zu wählen. Nachdem man einen Firmensitz in irgendeiner Stadt gebaut hat, kann man gleich daran gehen, seinen ersten Bahnhof zu bauen, was prompt zu einer Schlagzeile in der Zeitung führt.
Ein Zugdepot und eine Gleisverbindung später errichten Sie Ihren zweiten Bahnhof in einer anderen Stadt und können Ihren ersten Zug kaufen. Sie müssen dabei selbst entscheiden, ob Sie lieber die teure Luxuslok wollen, die dafür ordentliche Geschwindigkeiten fährt, oder die billigere Ausführung, die dafür etwas langsamer ist. Von der ersten, "
Locomotion" genannten Lokomotive des Engländers Stevenson bis zum modernsten ICE sind jede Menge Züge vorhanden.
Grafisch gibt sich der "Trains and Trucks Tycoon" (deutscher Titel: "Schiene und Strasse") derzeit bieder. Vor allem aus der Nähe wirken die Texturen noch sehr nachbesserungswürdig. Allerdings gefällt mir die Möglichkeit, in Zügen und Lastautos in 3D mitzufahren. So etwas haben wir bisher noch nicht gesehen. Außerdem gibt es eine große Anzahl von Animationsstufen. Zum Beispiel schalten die Fahrzeuge bei schlechter Sicht selbständig ihre Scheinwerfer ein. Dampf-Lokomotiven stoßen Rauch aus, die Antriebsstangen bewegen sich beim Fahren.
Die
Map ist in 11 Stufen kipp- und stufenlos drehbar. Zoomen kann man auch in der uns vorliegenden Version schon - nur verändert sich automatisch der Winkel der Kamera zum Erdboden, was durchaus als etwas störend und nicht als wirkliche Zoom-Funktion gesehen werden darf. Auch einige vordefinierte Kamera-Einstellungen sind mit von der Partie. Multiplayermodus wird vermutlich keiner integriert, obwohl so ein Spiel im Netzwerk oder über das Internet sicherlich Spass machen würde.
Eigene Städte zu bauen wird leider nicht möglich sein, allerdings gibt es natürlich vorgefertigte Städte, die aus über 150 Gebäudetypen bestehen - unter anderem gibt es auch Hochhäuser, Kirchen und Hotels. Je nach Szenario orientieren sich Städte an realen Vorbildern. Allerdings erkennt man die einzelnen Städte nur an ihrem Wahrzeichen: Paris ist mit dem Eiffelturm ebenso integriert, wie London mit Big Ben und erfreulicherweise sogar Wien mit dem Riesenrad!
Neben den normalen Szenarien gibt es auch einen Sandkasten-Modus, in dem der Spieler nach Herzenlust seine Träume von der eigenen Eisenbahnlinie verwirklichen kann, ohne auf das Geld achten zu müssen. Die
Maps sind ansonsten in sehr verschiedenen Gebieten angesiedelt. Neben verschiedenen Phantasiestrecken gilt es einige Länder einzeln zu vernetzen (Frankreich, England, USA, Australien). Erfreulicherweise gibt es auch eine eigene
Map für ganz Europa. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man die Bürger zu Wucherpreisen quer durch ganz Europa, von Wien nach Berlin, von Belgrad nach Warschau oder von Paris nach Madrid, kutschiert.
Neben Personentransporten muss der Spieler auch verschiedenste Güter von ihren Produktions- zu ihren Verarbeitungsstätten bringen. Insgesamt soll es im fertigen Spiel über 25 verschiedene Güter aus verschiedensten Gewerben zu transportieren geben und zwar in über 50 historischen und auch aktuellen Zügen. Dabei erstreckt sich die Zeitlinie von 1820 bis ins schöne Jahr 2020.
Allerdings muss noch bei der Steuerung einiges verbessert werden, denn die entwickelt sich mit zunehmender Spielzeit zu einem echten Spasskiller. Die Scrollgeschwindigkeit ist furchtbar langsam und bisher nicht zu verändern. Viel schwerer wiegt jedoch die Fuzzelarbeit beim Verlegen der Schienen: Man braucht minutenlang um die Schiene mit dem Bahnhof zu verbinden. Dabei ist es grundsätzlich eine gute Idee, von dem seit Jahren ewig gleichen Kachel-Look wegzukommen.
Bei langen Strecken über die ganze Karte zu scrollen, ist nicht sehr spaßig. Außerdem sollten die Entwickler noch die Möglichkeit einbauen, bei einem Klick auf die
Map direkt zum gewünschten Punkt zu springen, nicht nur auf der Minimap. Außerdem befindet sich noch zumindest ein schwerer
Bug im Programmcode: Das Spiel wurde bisher nicht auf Windows 98 optimiert. Wenn die Entwickler diese Punkte noch berücksichtigen, könnte "Schiene und Straße" zumindest wertungsmässig an "Railroad Tycoon" heranreichen. Ob dem Spiel bei diesem konservativen Namen (und bei der eher altmodischen Verpackung) auch kommerzieller Erfolg beschieden sein wird, bleibt in jedem Fall abzuwarten.