Um den Titel 'bester Streetracer Deutschlands' geht es in "German Street Racing". Auch die Aussicht auf heiße Rennen durch vielleicht bekannte Stadtteile in München oder Berlin machen den Rennsportbegeisterten ohne Zweifel neugierig. Nur die Idee allein, macht noch kein gutes Spiel, wie wir in den nächsten Minuten feststellen werden.
Gib Gummi
Dass die Entwickler völlig ohne Lizenzen auskommen, und deshalb nicht etwa BMW draufsteht, aber vom unverkennbaren Look des Modells her zumindest drin sein sollte, stört nicht unbedingt. Jeder findet, zwar unter falschem Namen, seinen Lieblingsschlitten. In knapp 70 Rennen im Karrieremodus wird gegen die 'Besten' angetreten.
Zu den 70 Rennen ist erstmal zu sagen, dass nach genauerem hinsehen nicht einmal die Hälfte als solche zu bezeichnen sind, denn meist geht es einmal in diese, in einem anderen Rennen eben in die andere Richtung. Eine Unterteilung findet hier zusätzlich in normale Rennen, in so genannte Drift-Rennen und in Drag-Rennen statt ... die Unterschiede sind mehr oder weniger Sinnvoll. Den Eindruck einer großen Auswahl hinterlassen sie nicht. Am Beispiel der Drift-Races heizt man von einem Startpunkt zum Wendepunkt, macht einen Turn und brettert wieder zurück, das war's. Klingt relativ unspektakulär, ist es leider auch.
Die Locations selbst sind recht interessant. Wie es in den großen Metropolen Deutschlands sein soll, ist jede Menge los und dem entsprechend viel Verkehr. Da wird es manchmal schon eng in den Gassen, und es kommt doch etwas Arcade-Spaß auf, wenn die Straßen Münchens, Hamburgs, Berlins, Leipzigs und Düsseldorfs an einem vorbeiziehen. Angepriesene Bonusstrecken am Kesselberg, Eifelring oder auf der Düsseldorfer Kö erhöhen den Spaß aber nicht.
Sonntagsfahrer
Der zuvor erwähnte Spaßfaktor verliert sich aber nach relativ kurzer Zeit wieder. Grund dafür sind vor allem das simple Fahrverhalten, das nutzlose Tuning und die sogar für Arcade-Niveau grauenvolle Physik. Die Stadtfahrt gleicht eher einer Auto-Skooter Partie: die Steuerung ist bei den unterschiedlichen Fahrzeugen so gut wie identisch, und fährt man in einen entgegenkommenden PKW, federn die Autos förmlich auseinander.
Bei der KI handelt es sich um alles andere als Rückwertseinparker. Da wird gedrängelt was das Zeug hält. Was nicht heißen soll, dass die Computergegner mit viel Hirn gesegnet sind. Eher ist die Aggressivität die einzige, wenn auch nicht positive, Auffälligkeit. Meist sind sie sogar zu doof den richtigen Weg zu finden.
Was soll's, motzen wir die Kiste mal richtig auf, und lassen die Gegner Staub schlucken! Denkste. Die Tuningpakete die erworben werden können wirken sich zwar auf Beschleunigung und Geschwindigkeit aus, es bringt aber reichlich wenig irgendwelche Regler zu verschieben, man merkt davon später ohnehin nichts.
Frisch aus der Waschstraße ...
... so sehen die Boliden auf den ersten Blick eigentlich aus. Die Spiegeleffekte verleiten dazu, etwas näher hinzusehen, was man lieber nicht machen sollte. Denn da fällt einem gleich auf, dass die Flitzer nicht sehr viel Liebe vom Designer erfahren haben. Die Städte und ihre Sehenswürdigkeiten hingegen gefallen auch bei genauerer Betrachtung ganz gut, obwohl die gesamte grafische Präsentation einfach nicht mehr Zeitgemäß scheint.
Auch der Sound fügt sich hier nahtlos in die weniger als durchschnittliche Kulisse von GSR ein. Gerade mal die musikalische Untermalung kann einem hin und wieder dazu verlocken, die Lautsprecher lauter zu drehen. Quietschen dann aber die Reifen oder rattern die Motoren, regelt man auch gerne wieder zurück.
Der Bildschirm und die Menüs hingegen sind recht übersichtlich gestaltet, was aber auch etwas auf die beschränkte Anzahl an Funktionen und Optionen zurückzuführen ist. Bei beidem wurde gerade mal das Notwendigste integriert. Der Multiplayermodus macht eindeutig mehr Spass als der Solo-Part. Bis zu 4 Hobbyraser können im LAN oder via Internet gegen einander antreten.
Für ein bisschen Abwechslung zwischendurch ist "German Street Racing" gerade mal geeignet. Was unserer Meinung nach aber weder für den moderaten aber immer noch zu hohen Preis, noch für ein PC Rennspiel reicht, um ernst genommen zu werden. So werden sich die Entwickler Team6 auch weiterhin unter 'ferner liefen' einreihen.